Mittwoch, 30. August 2023

for...


... millennia

over and over again

little mistake

no 

and

  between 

the worlds


Johan van der Leeuwen

Donnerstag, 24. August 2023

vorrübergehen


„Der Schwung der Feder 

das Kratzen auf dem geschöpften Papier

das beginnende Wort

die Leerzeile

der Punkt hinter dem endenden Satz

die auf dem Meer der Worte flimmernden Silben

du und ich

alle Zeichen

sie fischen im Gesang der Wellen und Punkte

nach Hingabe an das Licht.


Du.

Ich auch. 

Du von weit unten.

Ich ganz nah von oben.

 

Du Prosperina.

Ich Goodwill. 

Du reist im Feld der Pflanzen.

Ich falle im Flug der Steine. 

Du eine Zypresse.

Ich Meteorit.

 

Beide mit unserem Bündel unterwegs.

Singen das Lied des Unsterblichen im Sterblichen. 

Du mit vergoldetem Pinsel.

Ich im radioaktiven Wort.“ 


© J. G:  


Donnerstag, 10. August 2023

ach

hier

madame

der sterbliche flügel

ihr fliehendes verlangen

aus dem leib befreit

die eine seele 

die erste illusion 

madame

leben

das wasser der wanderungen

sieht sich

im strom der dinge

von geburt zur geburt
gebunden

für und wider aufzugeben

um alles anzunehmen

welch schwindel

madame

grenzenlos begabt

das helle in allem

eine übertreibung

maßlos

in all der leere

kommen sie

eine paar schritte noch

in die nacht

J. G: 

Donnerstag, 29. Juni 2023

ohnehin

"The species that currently populates the globe, with eyeballs and calculus and brothels, with limestone buildings and Kalashnikovs, with secret services and special deals, with rapes and monuments, with profit margins and drones, with mass graves and glass architecture, with prayers and racial mania, with e-cars and philosophy lectures, with electric chairs and AI, nefariously calls itself the center of the world, the human being.

If we look at the self-appointed rulers of the species Sapiens on their branch on the small family tree of the species, the drive of power is gilded with almightiness and harmony. 

If we look a little more closely, all self-crowned on their balcony have no crown, but lampshades on the 
head.

We see this at our kitchen tables and in the cafés of this world.

No one wears anything like that on their head."

Johan van der Leeuwen - 2015

Donnerstag, 15. Juni 2023

last night


make a phone call to the indian.

we are one.

love is a golden river.


J. G: 

I will be...



                                                                        ... in the memory of the world until it awakens.

Billy the Kid


"To carry this life as a deathless flame through the births of heaven is the secret mission of the soul"

M. McIron

rein




                         ins fassungslose

                                       © J. G:





Dienstag, 13. Juni 2023

weiße feder


 

 alles

ist zugleich

mit dem fuß

allein

auf den steinen

madame

hohe schau

absolute gerade

wort

auferstanden

im gehen

der weite himmel

unteilbar dividiert

 

madame

hier am fuße der berge

strömt

alles dasein hinauf

erweckt tief

in der höhe

was seit äonen

leblos ruft

 

hier

madame

das seil

haken sie es ein

und dort

sehen sie

der blick

in uns

erhoben

die sieben flüsse

leuchtende welt

mit all den himmeln

eilen sie

ohne anfang und ende

in goldenen sätteln

schon

vor dem tage

aufwärts

kind unserer werke

vater mutter aller dinge

hellauf

erhebe uns

aus dem schoße

über tausend berge hinweg

kommen sie

madame

noch eine gute stunde

aufwärts

sehen sie

dort oben

unsere hütte

für die kommende nacht


© J. G:  

Montag, 12. Juni 2023

Der kleine Himmel


Ein kleines Haus abseits der Straße, umgeben von großen Eichenbäumen.

Die Kinder Engel, ein Mädchen, blondes Haar, elf, rundes Gesicht, Marie Curie. 
Der Junge, zehn Lenze, aufgeweckt und umwerfend zart, der junge Amadeus.

„Ist mir min leben getroumet oder ist es war“
Walter von der Vogelweide

Gott ist Reisender.
Im einem Jahr fährt er zweimal um die Welt herum.
Gott sucht und findet.
Am Straßenrand. In den Häusern der Menschen. Auf der Wiese. In kleinen Kistchen. Nebenan. Auf dem Dachboden. In den Hosentaschen. Auf Regalen. Unter den Tischen. Im Keller. In den Schaufenstern. Auf den Nasenspitzen.
Überall.
Kinderleicht.
Und alles was ihm von seinen Reisen in die weite Welt geschenkt wird, das hängt fein säuberlich in Herrn Wieses Haus.

Sollten sie einmal an diesem Haus vorbeikommen. 
Schauen sie herein.
Es lohnt sich.
Gott ist großzügig.
Noch bevor sie in der schlichten Pracht seines Hauses einen Wunsch in sich entdeckt haben, pflückt Herr Wiese diesen Gegenstand ihres jungen Verlangens von den Wänden und reicht es ihnen zum Geschenk.

Gott hat mir in jener Nacht einen Holzzirkel geschenkt.

Jeder, der als Gast zu Besuch kommt, erhält kostenlos eine Führung durch das kleine Häuschen unter den Eichen. Wenn sie viel Glück haben, und die 14 Tage Regel von geschiedenen Eltern beachten, dann sind die kleinen Engel aus der Stadt des Westfälischen Friedens im Hause und verbreiten eine betörende Anmut, die ihnen jede Disharmonie von ihrem im Für und Wider der irdischen Belange verstimmten Cello nimmt."

© J. G: 

Freitag, 9. Juni 2023

von nichts beflügelt


'Spes' Andrea de Pisanos / Florenz

„Die Abscheulichkeit des Alltags“ sie habe Bachmann verfolgt. 


„Denn was wir haben, das ist Nichts“. 


Alles, so die Geliebte, sei Zersetzung, Verderb, Zerstörung, Phrase, dem sie sich, um die Vergeblichkeit ihrer Anstrengung, mit dem Stift in der Hand, zeitlebens entgegengestemmt habe.

 

Noch einmal. „Denn was wir haben, das ist Nichts“. 


Doch das ist viel, sehr viel. 


Die schlichte Teilnahme des Lebens am Hiersein, umgeben von jenem Nichts, dieser gigantischen Leere, beschrieben als das Universum mit seinen Milliarden von Galaxien und Milliarden von Sonnen, diesem Sein und Werden ohne  Anfang und Ende, gebettet in dieser wundersamen Nacht, in jenem schwarzen Tuch, das all das Leuchten weit und weiter dehnt.“ 


©   by  

Johan van der Leeuwen

entseelt

  grabrede von AI ©   by  J. G: