ich
ein liebender
wie jeder stein
wie jede pflanze
wie ihr selbst
Zeile aus einem Lied der Sufis
© 2008 by J. G:
© Literatur / Sapiens Revue -- Theater - Oper -- Kunst / radioaktive Poesie
ich
ein liebender
wie jeder stein
wie jede pflanze
wie ihr selbst
Zeile aus einem Lied der Sufis
© 2008 by J. G:
zitronenfalter unterwegs
mit dem fallschirm
löwenzahn
in der hand
die kamera
klick
ewiges licht
dich nehm ich mit
© Pfingsten - Mai 2026 by J. G:
Monsieur,
ah, schön, dass sie meiner Einladung an diesem Feiertag gefolgt sind.
Kommen Sie ins Atelier, da habe ich was für sie.
Vielleicht können sie mir auch auf die Sprünge helfen.
Das Bild ist noch nicht ganz fertig.
Ja, ja, ihr Poem habe ich gelesen, dreimal.
Ihre Zeilen haben mich dazu gebracht ein Bild zu malen.
Kommen sie auf diese Seite, hier ist es.
Nach dem Lesen ihres Poems tauchten doch einige Fragen auf.
Wie kommen biologischen Zellen in die Lage, mit einer 3500 Millionen Studienjahren, wie kommen diese winzigen Bausteinchen, biologische Gründungsunternehmen von Leben, wie kommen sie an Mitteilungen aus dem kosmischen Raum, deren Ausdehnung mehr als 13000 Millionen Jahre ausmacht?
Ist das denn wichtig?
Ja, ich glaube schon.
Um diese Frage in mein Bild zu malen, kam ich auf einen Briefkasten in Grau. Den habe ich in Ultramarinasche gemalt.
Der Briefkasten hat keinen Schlitz?
Stimmt, den habe ich sein gelassen.
Warum?
Das Gehirn, die neuronalen Schaltkreise, setze ich in diesem Bild mit einem Briefkasten gleich.
Gewöhnungsbedürftig.
Gehirne sind nur ein Teil von Lebewesen. Manche haben keins, sind aber viel älter.
Alle, ob mit oder ohne Gehirn, sind in diesem Lebens-Ereignis auf dieser Erde konfrontiert mit ihren ganzen Körper Informationen auszuwerten.
Kosmisch, da liegen sie nicht falsch, handelt es sich um Ereignisse, die schon waren, als sie als Nachricht im Gehirn gemeldet wurden.
Ja, Übersetzungsbüro.
Die elektrischen Schaltungen im Gehirn übersetzen das, was im ganzen Körper passiert.
Kopiert es, meinen sie?
Ja, so könnte man es sagen.
Der ganze Körper, Erde wie ein einzelnes Wesen, ist der Flut von Informationen ausgesetzt. Besonders kommen Ereignisse hinzu, seitdem wir Wissen, was uns alles aus dem Weltraum beeinflusst.
Meinen sie aus Hintergrund des Kosmos?
Ja, sie passieren den gesamten Lebensraum auf der Erde, auch den menschlichen Körper.
In den grauen Briefkasten, der keinen Schlitz hat, treffen zeitversetzt Briefe ein, von Ereignissen, die schon waren. Dort werden sie Artenspezifisch, je nach Bau des Postamtes, entziffert und verteilt an die jeweiligen Verwaltungsstellen.
Ein biologisches Postamt?
Ja, doch alles noch sehr jung, nicht alt im Verhältnis zur gesamten Aufführung auf dieser Bühne.
Vielleicht 500 Millionen Jahre in Betrieb?
Und wir?
Und unsere Spezies?
Na, 2 oder 3 Millionen Jahre sind wir schon als Postboten unterwegs.
Alles davor kam auf der irdischen Bühne ohne ein zentrales Postamt aus.
Sensationell, oder?
Ja, das kann man sagen, über 4000 Millionen Jahre.
Ein Orchester ohne einen Dirigenten am Pult.
Ein Zusammenspiel von Ordnung und Unordnung.
Eine Harmonie mit besonderen Akkorden.
Auf meinen Bildern sehe ich keinen Anlass Antworten malen.
Hier, Monsieur, ein schwarzes Dreieck.
Gemalt in Traubenkernschwarz.
Ein Schwarz, das Licht frisst.
Bei so viel Schwarz wundert es doch, das die Welt und wir da sind.
Ja, erstaunlich.
Und doch, Licht als Quelle von Leben.
Mit diesem Schwarz, das Licht anzieht und verschlingt.
Man kennt es aus dem Weltraum.
Ja, schwarze Löcher.
Ein Energie Hot Spot.
Weiß man was darüber, was mit dem Licht passiert in diesem Schwarz?
Ja, eine Sammelstelle von Energie auf kleinstem Raum.
Lichtfeuer?
Ja, so was wie ein Drache, der so viel Licht gefressen hat, das er das Feuer in den Kosmos speien muss.
Warum nur?
Können wir nicht beantworten.
Spekulation?
Ja, in Mathematik.
In dem Bild stelle ich ja die Frage, was geschieht mit mir, was passiert mich davon?
Mich, ja mich, ein Sauerstoff atmender kleiner Lebenskörper?
Passiert mich das Feuer aus dem Kosmos auch?
Nicht nur das.
Aus dem Feuer sind sie und ich gebaut.
Wie bespielt mich dieses Feuer, das aus diesem Licht besteht?
Was macht es mit meinem Leben, mit meiner Malerei?
Wer und was malt da?
Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde?
Gerüche, Geräusche, Töne, Erinnerungen, Gedanken, Sinneserfahrung, Atome, Teilchen. Und das Licht-Feuer. Was buchstabiert da in mir ?
Könnte es sich vielleicht um eine physikalischen Erzeugung von Energie handeln, die sich in mir sowas wie mentales Licht zeigt?
Eine kleine Spur tut sich da auf.
Es bringt das Wort Mitwisser aufs Bild. Etwas in den unbelebten wie belebten Bauteilen drängt auf ein Mitwissen. Die Bauteile wollen anscheinend, in verschiedenen Formationen, was von sich selbst wissen, wollen ein, nehmen wir das Wort in Anspruch, Bewusstsein haben.
Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Eisen, ja, diese Elemente in uns wollen es wissen. Sie melden sich auf ihrer Pinselspitze zu Form und Farbe.
Leblose Materie redet mit uns.
Ja, und das ziemlich deutlich in ihrem Bild.
Na, sowas.
Monsieur,
in meiner ganzen Kopflosigkeit habe ich auf die Grundierung des Bildes ein über die ganze Fläche verteiltes weiteres Dreieck gemalt.
Ein weißes Dreieck mit der Spitze nach unten. Es füllt fast die Fläche des Bildes aus.
Weißer Hintergrund und weißes Dreieck lässt ich kaum unterscheiden.
Doch, wenn man genau hinschaut.
Habe sehr feine Linien unterbrochen gesetzt, mit Safran.
Welches Weiß haben sie verwendet für dieses Dreieck?
Retouchier Titanweiß.
Fusionieren Hintergrund und weißes Dreieck?
Nein.
Unterscheidung von Realität und Wirklichkeit
Ja, und doch Einheit, mit Differenz.
Hinzu kommt auf dem weiträumigen titanweißen Dreieck ein schwarzes Dreieck.
Spitze nach oben?
Die Richtung hat es.
Tiefe?
Ja, Hingabe.
Hier sind drei kleine Punkte um die Spitzen des schwarzen Dreiecks.
Bedeutungen?
Nein.
Versuchungen.
Es sind Feuerzungen.
Drei die züngeln.
Das Feuer ist kaum zu sehen auf dem Bild.
Aber da, virtuell.
Mikroskopisch klein, sehr klein.
Mehr Inhalt als Form.
Genau.
Plank hat diesen Raum ins Spielfeld gebracht.
So klein, das er nicht da ist.
Aber da
In diesem Raum, der nicht da ist, spielt sich kosmisch fast alles ab, alles affenartig schnell und langsam zugleich.
Universum?
Ja, klein und riesengroß.
Ein Raum ohne Zeit.
Und wir mit einem Sekundenanzeiger ums Handgelenk dabei.
Eine Sensation.
Von diesem Ereignis Urteil in diesem Raum bekommt das Hirn nicht wirklich etwas mit.
Und doch wird es von diesem Ereignis permanent informiert.
Ja, das Hirn bekommt Nachrichten.
Je nach Zeitgeschichte wird dies als Ereignis in Urknall, Strahlung, Plasma, Pech und Schwefel, als Artensterben, Eiszeit, Wärmeperioden, Vulkanausbruch, Gerölllawine, als alles muss gefressen werden, alles hängt zusammen und muss wieder getrennt werden. Und von diesem Ereignis bekommt der Briefkasten wohl seine Nachrichten und erzählt das Geschehen an Leib und Leben mit den händischen Möglichkeiten und neuronalen Begabungen mit viel Fürsorge, Liebe und Verantwortung zur Fortschreibung des Urteils weiter und weiter.
Bis man vielleicht eines Tages das Bild anschaut und merkt, ja, so ist es gut.
Ja, mit Miau und Wau Wau, mit Piep Piep, als Gras auf der Weide, und als Zahl fünf auf einem Rechenbogen, wie auch hier und mit einem Wort aus wassergrünen Quellen.
Schön.
Ach, ja, die Ecken des schwarzen Dreiecks.
Was ist damit?
Mutter, Schokolade und Physik.
Lichtteilchen.
In welchem Licht haben sie diese gemalt?
In Himba, Mahagoni und Zinnober.
Drei Lichtträger, die dem Verschwinden entkommen sind.
Habe sie so gemalt, das die Drei das Bild von Welt in die Welt tragen.
Wissen die was?
Alle drei geben Auskunft, warum Licht verschwindet in diesem Schwarz und Leben doch aufscheinen lässt.
Es passiert.
Ja, genau so.
Ist ihr Bild sowas wie Wandlungsraum?
Ja, vielleicht
Für eine gewisse Zeit hier und heute Kund geben.
Ja, wie sie sagen, in einer Plankschen Länge.
Monsieur, die drei sind Geschwister.
Laden wir sie doch ein.
Gut, an unseren Tisch, heißen sie willkommen, lassen sie erzählen.
Hören wir zu.
Und wie sie sehen, musste ich noch einen Briefumschlag malen.
Das Farbe
Der Brief ist offen.
Ja, kein Briefgeheimnis.
Und hier, Zeichen stürzen aus dem Brief in alle Richtungen.
Die Zeichen schwärmen aus, erzählen die Welt.
Madame, sind es Waisen.
Nein, Musiker
Ein Jazz Trio.
Einer von ihnen ist ausgestattet mit einer Solotrompete in cyprisch lichtocker.
Eine Seerose, sehen sie dort, trägt das Mundstück des Instruments in ihrem Blütenkelch.
Kommen sie, es ist Pfingsten.
Gehen wir in den Garten, ich habe noch einen guten Weißwein.
© Pfingsten - Mai 2026 by J. G:
Leben von sich
nimmt Kenntnis auf
über nur
ein einzelnes Photon
von Billionen
die
Kosmos
Körper
und Gehirn
stetig passieren
ist Leben
hellauf
ohne Zeit und Raum
gleichzeitig
Geschieht dies
hört tote Materie
in Leben
von diesem Sound
ist sie berührt
von sich
erkennt ohne Spiegel
und
von Zauberhand
huscht
ein Entzücken
über das weibliche Gesicht
überall
im Ganzen
herrlich
verteilt zu sein
© Mai 2026 by J. G:
Am Feldrain der Mohn
Zaunwinde und Venusspiegel
Singen das Lied
Landschaft
Im Gehölz geduckt
die Smaragdeidechse
Aus dem Tümpel lugt
eine Gelbbauchunke
Hier fühlt der Wolf sich wohl
© Mai 2026 by J. G:
Das Hospiz.
In einem warmen Frühjahr, nicht allzulang her, war es dann soweit.
Der Bruder der beiden Geschwister, der über Jahrzehnte in Südindien lebte und dort sein Brot verdiente, war für ein paar Wochen Gast in diesem Haus.
Bis zu seinem ersten Tag.
himmelfahrt
mit all dem sternenstaub
das flammenkind ist fort
seht
dort unten am fluss
der goldene turm ist aufgebaut
der vogel singt wieder...
Rhododendron blühen im Mai in den Vorgärten.
Seit ein paar Monaten prangen in großen Buchstaben auf der Fassade des Hospiz Gebäudes, sichtbar zur Straße hin, in mintgrüner Schrift auf weißen Grund, diese Worte:
„In Würde leben bis zuletzt.“
Wie, dachte ich, ich war mit dem Rad schon vorbei, "bis zuletzt." ?
Ich drehte um, stellte mich davor, schaute hoch und las die Worte noch einmal und langsam.
"In Würde leben bis zuletzt."
Den Punkt am Ende des Satzes sah ich jetzt erst.
Also, wie, bis zuletzt und Punkt.
Gibt es das überhaupt „bis zuletzt" und Punkt?
Im Schreiben des Textes erinnere ich den Bericht einer Frau, die mehrere Nah-Toderfahrungen hatte. Sie sagte, komisch, von Ende keine Spur.
Am Abend des gleichen Tages telefonierte ich mit meiner älteren Schwester, berichtete ihr von diesem Satz an der Fassade des Hauses.
Zusammen mit den fürsorglichen und hilfsbereiten Menschen des Hauses war es uns beiden geschenkt, dass wir den Bruder in diesen Wochen des Frühjahres 22 würdig und mit geschwisterlicher Liebe begleiten konnten.
Meine Schwester war berührt und angetan von der Wärme und Anteilnahme des gesamten Hauses, dass sie in den Monaten danach überlegte, ob sie sich auch in diesem Haus begleiten lassen sollte.
Nun, schaut man weit zurück, dahin, wo Leben seinen Beginn haben soll, schaut man in einen Beginn ohne Anfang.
Wo kommen wir her?
Eine Frage.
Dreht man sich um, schaut weit nach vorn, dahin, wo Leben sein Ende haben soll, findet man keinen letzten Vorhang.
Ein öffentliches Theaterstück, Ill pubblico secreto.
Wo geht es hin?
Eine weitere Frage.
Bleibt offen.
Eine Schätzung.
Der Moment, wo sich Mund und Augen schließen.
Der Blick fällt nach Innen.
Frage des Lebens.
„...bis zuletzt.“
Und wo ist der Punkt?
Vielleicht ist es ein heimlicher, ja verständlicher Wunsch, eine offene Sehnsucht nach einer Gewissheit von einem Anfang und einem Ende.
Leben – ein so wunderliches Phänomen seit 4500 Millionen Jahren auf dieser Erde.
Bislang ohne einen wissentlichen Anfang und ohne ein wissentliches Ende.
Es bleibt der Glaube.
Nach hier oder dorthin.
Und mittendrin, Mensch, mit all dem Meer, den Steinen, Pflanzen und Tieren.
Und vor allen Dingen - Kinder.
Wir.
Leben.
Der erste Tag.
Erhabenheit
Ein Ringen der Natur wie des Menschen in dieser Freiheit zu sein und zu werden.
In seinen Jahreszeiten nimmt der Mensch teil an diesem Wunder.
Das Geburtsrecht in den eigenen Händen:
"nimm teil am Unteilbaren. Schöpfe Mensch"
Der kreative Akt des Lebens.
Am Anfang wie am Ende des ersten Tages.
„O Gott welch ein Augenblick...“
Leonore nimmt Florestan die Ketten ab.
aus: Fidelio, L. van Beethoven
© 2026 by J. G:
auf dem tisch des hauses
sie lebt
die erde
kein totes ding
können aufatmen
können
mit all dem wahnsinn aufhören
heute und morgen
wir leben
was für ein wunder
materie
mit licht bewohnt
und jeder krümel
weiß das
schon vor allem
© by J. G:
flowing hair
poems on the lips
the end of the guards
and the end of the long beards
freedom in the streets
and music in the homes
Copyright 2023 © by M. McIron
In den Straßen pfeift der Wind.
Um die Hausecken streuen Köpfe Allerlei in die Welt.
Auf meinen Weg an den Stadtrand komme ich an zwei Kiosken vorbei.
Große, schwarze Buchstaben inmitten von Süßigkeiten und Zigaretten.
Meldung.
Das Überleben der Menschheit.
Limbisches System in Aufruhr.
Ewige Wiederholung.
Die Sucht.
Weltuntergang.
Zu Fuß zum Stadtrand.
Fahre heute nicht mit dem Rad.
Schritte.
Meine.
Sandweg.
Grünes Laub, hitzige Luft.
Blicke hoch.
Es ist August.
Erntezeit.
Der Himmel blau.
Da kommt mir ein filmisches Essay in den Sinn.
Kluge Leute saßen zusammen, um über Wege nachzudenken, wie die Spezies, der auch ich angehöre, wie diese Spezies mit der plötzlichen Flut an Meinungen und hormonellem Geschrei besser umgehen könnte.
Junge Menschen lesen.
Verlangen auf öffentlichen Plätzen Vorkehr und Neues.
Das ist doch gut, denke ich.
Schaue in den Himmel.
Eine dunkelgraue Wolke.
Regen zieht auf.
Die ersten Tropfen.
Ein alter Baum.
Ich stelle mich unter.
Die Stadt liegt hinter mir.
Sommer.
Lehne mich an den Baum.
Geschrei im Hirn.
Hinter dem Wald, Getreidefelder.
Maschinen.
Seit Jahrhunderten.
Wieder Geschrei.
Was ist mit Krieg, Folter, Vergewaltigung, Hunger, Elend, Erniedrigung, Misshandlung, Vernichtung von uralten Kulturen. Was ist mit diesem Blutrausch?
Regenwolken.
Namen und Bilder tauchen auf.
Personen und Szenarien, wie viele von meiner eigenen Spezies haben all das schon in den Jahrhunderten ähnlich laut und leise erlebt.
Sommerregen.
Ziehe die Schuhe aus.
Mein Rücken lehnt am Stamm.
Applaus im Konzertsaal.
Sollte nicht Natur- und Menschenrecht neu verfasst werden in einer neuen Charta?
Eine Abkehr von jener unglücklichen Maschine, jenem Betriebssystem, das seit Jahrhunderten Leben hellauf nicht sein und werden läßt?
Eine Mutter fährt mit ihrer Tochter auf dem Rad an mir vorbei.
Juchzen.
Ein Bild.
Schön.
Herzton auf Rädern.
Mutter und Kind sind weg.
Allein am Stadtrand unter einem Baum.
An und für sich.
Leben hat Ohren.
Ich denke an Paris und all die Diagnosen und all die Konferenzen, die auf Paris folgten. Diagnosen auf Diagnosen, Gutachten auf Gutachten.
Die Erde hat jetzt Pfützen.
So viele vernünftige Diagnosen liegen auf dem Tisch.
Der „umsonst“ Betrieb von Wasser, Luft und Honig macht langsam seinen Laden zu.
Vor einigen Tagen las ich einen Artikel zum Tod James Lovelook, der mit 103 Jahren verstarb.
Die Erde, so Lovelook damals in den 50ger Jahren, ein Lebewesen.
In seinem betagten hohen Alter, in dem man auch erfahren kann, dass das Gegenteil von dem, was man mit 50 Jahre vorher behauptet hat, auch wahr sein kann, kam er zum Schlussakkord: Die Erde braucht uns Menschenkinder nicht.
Er schrieb in seinem letzten Buch, Maschinen und Computer könnten uns beerben. Solche Exemplare wie wir, würden dann nur noch geduldet, so wie man „Unkraut an Bahndämmen" duldet. Es gäbe schlicht kein Ziel mehr von Optimierung organischen Leben. „Wir hätten unsere Rolle gespielt“, schriebt er seinem letzten Buch.
Tratschnass.
Himmel wolkenschwer.
Unter diesem Baum am Rande der Stadt.
Zuhause.
Erinnere die Worte eines der größten Heidedichter in den letzten Jahrzehnten, er lebt leider nicht mehr. Die Poesie schwallte nur so berauscht vom schlichten Dasein aus seinem bierbetäubten Mund. Nächtens drehte er sich unter dem Sternendach in den Strudel kosmischen Geschehens. Im Morgengrauen dann, in der blauen Stunde, sagte er vor der Küchentür unauffällig neben mir stehend, da der Mond, das reicht mir.
Bücher.
Schulweg der Kinder.
Erde.
Über 4 Milliarden Jahre Evolution.
Ich, 55 Jahre.
Die Füße, warm und nass.
Trage eine Brille.
Die Gläser stecken in meinem Haar.
Warmer Regen.
Ein Theatervorhang hebt sich.
Der Herzschlag.
Was ist menschlich?
Ziehe hier her, denke ich.
Wohne einfach unter diesem Baum.
Bleibe.
Gewitter zieht auf.
Schaue hoch.
Ein Hund bellt.
Donner.
Lebewesen.
Ich, ein Subjekt.
Es kracht, aber nicht direkt über mir.
Ich zähle, eins zwei drei vier fünf sechs.
Verschränkung.
Leben.
4500 Millionen Jahre Gegenwart.
Ich und Gedanken.
Es kracht wieder.
Ich zähle, ein zwei drei vier fünf.
Das Gewitter kommt näher.
Habe Jetzt in mir
Ich bin.
Jetzt.
4500 Millionen Jahre.
Ne, ne, es sind nur Gedanken.
Unmöglich.
Ja, was denn?
Schaue nach unten.
Füße.
Nasse Erde
Oben, ein Dach grüner Blätter.
Die Sensation.
Psst.
Nicht stören im Kinderzimmer.
Schaue mich um.
Alice im Wunderland.
Alles lebendig.
Augen schließen Augen.
Nichts.
Alles bewusst.
Mein Gott.
In meinen Händen Regenblätter.
Ein Regenwurm und zwei, drei klitzekleine Käfer.
Es kracht über mir.
Fasse mir an den Kopf.
Die Brille ist noch da.
Blitze über mir.
Zucke zusammen.
Tausende Volt.
Richte mich auf.
Streiche mir das warme Nass aus dem Gesicht.
Ursprung und Gegenwart.
So nannte Jean Gebser sein Buch.
Verfasst in den 40ger und 50ger Jahren.
Ein Walhai bin ich.
Das schöne Maul weit aufgerissen im Meer von Silben.
Die letzte schwarzgraue Wolke lädt ihre Ladung über meinem Kinderzimmer ab.
Das Gewitter.
Vorbei.
Mir schwindelt leicht.
Was denkt hier?
In der Ferne Blau.
Atemzug.
Der Regen hat aufgehört.
Vorstellung von Welt im Kopf.
Blödsinn, denke ich.
Doch.
Genau so.
Ja, wie denn?
Ein Märchen.
Welt sein lassen.
Unter diesem Baum.
Ein Anfang
Himmel in Blau
Gewitter.
Weitergezogen.
4500 Millionen Jahre
Ursprung.
55 Jahre.
Gegenwart.
Nicht zu fassen.
Copyright 2022 © by Jonathan Goodwill
ich ein liebender wie jeder stein wie jede pflanze wie ihr selbst Zeile aus einem Lied der Sufis © 2008 by J. G: