überwiegend sein
nichts werden
© 2026 by J. G:
© Literatur / Sapiens Revue -- Theater - Oper -- Kunst / radioaktive Poesie
Ein altes Kartenspiel auf dem Tisch des Palazzo.
Klavier im Saal
Schumann
Umjubelt
Applaus
Jeder braucht einen Ort.
Passion
Zugang zu dem
was anrührt
passiert seit Anbeginn.
So sie Ansehen trägt
und das rasende Stillleben
das Hiersein
mit den Töchtern
auf der Anhöhe
atmen kann
© 2009 by J. G:
of a Centenarian Tibetan Woman on her Deathbed
“Impermanence is the phenomenon shared by all sentient beings.
Mountains, forests, and sentient beings are all equal in their impermanence.
With every breath, sentient beings rush toward inevitable death.
This certainty should not cloud our minds, but rather help us overcome obstacles.
Incomparable Lama, I pray to you.
In this life and the next, and in the intermediate state after death.
Hold me with your compassion; grant me your ceaseless blessings.
My body, my possessions, and all my virtuous qualities.
All of this I freely offer to all beings who have been my mothers.
May I be of great benefit to all beings.”
© by La-Mo
is something else
power
they don’t have that
they have money
lots of money
a whole lot
influence
possessions
and prisons
but never power
over life
soul
for eons
never
© by J. G:
ich
ein liebender
wie jeder stein
wie jede pflanze
wie ihr selbst
Zeile aus einem Lied der Sufis
© 2008 by J. G:
zitronenfalter unterwegs
mit dem fallschirm
löwenzahn
in der hand
die kamera
klick
ewiges licht
dich nehm ich mit
© Pfingsten - Mai 2026 by J. G:
Monsieur,
ah, schön, dass sie meiner Einladung an diesem Feiertag gefolgt sind.
Kommen Sie ins Atelier, da habe ich was für sie.
Vielleicht können sie mir auch auf die Sprünge helfen.
Das Bild ist noch nicht ganz fertig.
Ja, ja, ihr Poem habe ich gelesen, dreimal.
Ihre Zeilen haben mich dazu gebracht ein Bild zu malen.
Kommen sie auf diese Seite, hier ist es.
Nach dem Lesen ihres Poems tauchten doch einige Fragen auf.
Wie kommen biologischen Zellen in die Lage, mit 3500 Millionen Studienjahren, wie kommen diese winzigen Bausteinchen, biologische Gründungsunternehmen, wie kommen sie an Mitteilungen aus dem kosmischen Raum, deren Ausdehnung mehr als 13000 Millionen Jahre ausmacht?
Ist das denn wichtig?
Ja, ich glaube schon.
Um diese Frage in mein Bild zu malen, kam ich auf einen Briefkasten in Grau. Den habe ich in Ultramarinasche gemalt.
Der Briefkasten hat keinen Schlitz?
Stimmt, den habe ich sein gelassen.
Warum?
Das Gehirn, die neuronalen Schaltkreise, setze ich in diesem Bild mit einem Briefkasten gleich.
Gewöhnungsbedürftig.
Gehirne sind nur ein Teil von Lebewesen. Manche haben keins, sind aber viel älter.
Alle, ob mit oder ohne Gehirn, sind in diesem Lebens-Ereignis auf dieser Erde darauf angewiesen mit ihrer ganzen Lebensweise, mit ihrem ganzen Körper Informationen auszulesen..
Da liegen sie nicht falsch, handelt es sich um Ereignisse, die schon waren.
Ja, das Gehirn, ein Übersetzungsbüro.
Die elektrischen Schaltungen im Gehirn übersetzen das, was im ganzen Körper passiert.
Kopien, meinen sie?
Mehr eine Zweitschrift.
Der ganze Körper, Erde wie ein einzelnes Wesen, ist der Flut von Informationen ausgesetzt. Besonders kommen Ereignisse hinzu, seitdem wir Wissen, was uns alles aus dem großen kosmischen Raum beeinflusst.
Meinen sie aus Hintergrund des Kosmos?
Ja, sie passieren den gesamten Lebensraum auf der Erde, auch den menschlichen Körper.
In dem grauen Briefkasten, der keinen Schlitz hat, treffen zeitversetzt Briefe ein, von Ereignissen, die schon waren. Dort werden sie Artenspezifisch, je nach Bau des Postamtes, entziffert und verteilt an die jeweiligen Verwaltungsstellen.
Ein biologisches Postamt?
Ja, doch alles noch sehr jung, nicht alt im Verhältnis zur gesamten Aufführung auf dieser Bühne.
Vielleicht 500 Millionen Jahre in Betrieb?
Und wir?
Und unsere Spezies?
Na, 2 oder 3 Millionen Jahre sind wir schon als Postboten unterwegs.
Alles davor kam auf der irdischen Bühne ohne ein zentrales Postamt aus.
Sensationell, oder?
Ja, das kann man sagen, über 4000 Millionen Jahre.
Ein Orchester ohne einen Dirigenten am Pult.
Ein Zusammenspiel von Ordnung und Unordnung.
Eine Harmonie mit sehr besonderen Akkorden.
Auf meinen Bildern sehe ich keinen Anlass Antworten malen.
Hier, Monsieur, ein schwarzes Dreieck.
Gemalt in Traubenkernschwarz.
Ein Schwarz, das Licht frisst.
Bei so viel Schwarz wundert es doch, das die Welt und wir da sind.
Ja, erstaunlich.
Und doch, Licht als Quelle von Leben.
Mit diesem Schwarz, das Licht anzieht und verschlingt.
Man kennt es aus dem Weltraum.
Ja, schwarze Löcher.
Ein Energie Hot Spot.
Weiß man was darüber, was mit dem Licht passiert in diesem Schwarz?
Ja, eine Sammelstelle von Energie auf kleinstem Raum.
Lichtfeuer?
Ja, so was wie ein Drache, der so viel Licht gefressen hat, das er das Feuer irgendwann, wenn es ihm reicht, in den Kosmos speien muss.
Warum nur?
Können wir nicht beantworten.
Spekulation?
Ja, Zahlen und eine Haufen Kreide auf der Schultafel.
In dem Bild stelle ich ja die Frage, was geschieht mit mir, was passiert mich davon?
Mich, ja mich, ein Sauerstoff atmender kleiner Lebenskörper?
Passiert mich das Feuer aus dem Kosmos auch?
Nicht nur das.
Aus dem Feuer sind sie und ich wohl gebaut.
Wie bespielt mich dieses Feuer, das aus diesem Licht besteht?
Was macht es mit meinem Leben, mit meiner Malerei?
Wer und was malt da?
Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde?
Gerüche, Geräusche, Töne, Erinnerungen, Gedanken, Sinneserfahrung, Atome, Teilchen. Und das Licht-Feuer. Was buchstabiert da in mir ?
Könnte es sich vielleicht um eine physikalischen Erzeugung von Energie handeln, die sich in mir sowas wie mentales Licht zeigt?
Eine kleine Spur?
Es bringt das Wort Mitwisser auf das Bild. Etwas in den unbelebten wie belebten Bauteilen drängt die Lebewesen auf ein Mitwissen. Die Bauteile wollen anscheinend, in verschiedenen Formationen, was von sich selbst wissen, wollen ein, nehmen wir das Wort einmal auf, ein Bewusstsein haben.
Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Eisen, ja, diese Elemente in uns wollen es wissen. Sie agieren auf ihrer Pinselspitze in ihren Bildern zu Form und Farbe.
Materie redet mit uns.
Ja, und das ziemlich deutlich in ihrem Bild.
Na, sowas.
Monsieur,
in meiner ganzen Kopflosigkeit habe ich auf die Grundierung des Bildes ein über die ganze Fläche verteiltes weiteres Dreieck gemalt.
Ein weißes Dreieck mit der Spitze nach unten. Es füllt fast die Fläche des Bildes aus.
Weißer Hintergrund und weißes Dreieck lässt ich kaum unterscheiden.
Doch, wenn man genau hinschaut.
Habe sehr feine Linien unterbrochen gesetzt, mit Safran.
Welches Weiß haben sie verwendet für dieses Dreieck?
Retouchier Titanweiß.
Fusionieren Hintergrund und weißes Dreieck?
Nein.
Unterscheidung von Realität und Wirklichkeit
Ja, und doch irgendwie Einheit.
Maybe divine difference.
Hinzu kommt auf dem weiträumigen titanweißen Dreieck ein schwarzes Dreieck.
Spitze nach oben?
Die Richtung hat es.
Tiefe?
Ja, Hingabe.
Hier sind drei kleine Punkte um die Spitzen des schwarzen Dreiecks.
Bedeutungen?
Nein.
Versuchungen.
Feuerzungen.
Drei, die züngeln.
Wo ist das Feuer, Madame?
Mikroskopisch klein, sehr klein.
Mehr Inhalt als Form.
Genau.
Plank hat diesen Raum ins Spielfeld gebracht.
So klein, das er nicht da ist.
Doch da.
In diesem Raum, der nicht da ist, spielt sich kosmisch fast alles ab, alles affenartig schnell und langsam zugleich.
Universum?
Ja, klein und riesengroß.
Raum ohne Zeit.
Und wir mit einem Sekundenanzeiger ums Handgelenk dabei.
Eine Sensation.
Von diesem Ereignis Urteil in diesem Raum bekommt das Hirn nicht wirklich etwas mit.
Und doch wird es von diesem Ereignis permanent informiert.
Ja, Hirn bekommt Nachrichten.
Je nach Zeitgeschichte wird dies als Ereignis in Urknall, Strahlung, Plasma, Pech und Schwefel, als Artensterben, Eiszeit, Wärmeperioden, Vulkanausbruch, Gerölllawine, als alles muss gefressen werden, alles hängt zusammen und muss wieder getrennt werden, aufgezeichnet. Und von diesen Ereignissen bekommt der Briefkasten wohl seine Nachrichten und erzählt das Geschehen an Leib und Leben mit den händischen Möglichkeiten und neuronalen Begabungen mit Fürsorge, Liebe und Verantwortung zur Fortschreibung des Urteils weiter und weiter.
Bis man vielleicht eines Tages das Bild anschaut und merkt, ja, so ist es gut.
Ja, mit Miau und Wau Wau, mit Piep Piep, als Gras auf der Weide, und als Zahl fünf auf einem Rechenbogen, wie auch hier und mit einem Wort aus wassergrünen Quellen.
Schön.
Ach, ja, die Ecken des schwarzen Dreiecks.
Was ist damit?
Mutter, Schokolade und Physik.
Lichtteilchen.
In welchem Licht haben sie diese gemalt?
In Himba, Mahagoni und Zinnober.
Drei Lichtträger, die dem Verschwinden entkommen sind.
Habe sie so gemalt, das die Drei das Bild von Welt in die Welt tragen.
Wissen die was?
Alle drei geben Auskunft, warum Licht verschwindet in diesem Schwarz und Leben doch aufscheinen lässt.
Es passiert.
In einem Jahrmarkt mit vielen Karussells.
Ja, genau so.
Ist ihr Bild sowas wie Wandlungsraum?
Ja, vielleicht
Für eine gewisse Zeit hier und heute.
Wie sie sagen, alles in einer Plankschen Länge.
Monsieur, die drei sind Geschwister.
Laden wir sie ein.
Gut, an unseren Tisch, heißen sie willkommen, lassen sie erzählen.
Hören wir zu.
Und wie sie sehen, dort, musste ich noch einen Briefumschlag malen.
Das Farbe
Der Brief ist offen.
Ja, kein Briefgeheimnis.
Und hier, Zeichen stürzen aus dem Brief in alle Richtungen.
Die Zeichen schwärmen aus, erzählen die Welt.
Madame, sind es Waisen.
Nein, Musiker
Ein Jazz Trio.
Einer von ihnen ist ausgestattet mit einer Solotrompete in cyprisch lichtocker.
Eine Seerose, sehen sie dort, trägt das Mundstück des Instruments in ihrem Blütenkelch.
Kommen sie, es ist Pfingsten.
Gehen wir in den Garten, ich habe noch einen guten Weißwein.
© Pfingsten - Mai 2026 by J. G:
Leben von sich
nimmt Kenntnis auf
über nur
ein einzelnes Photon
von Billionen
die
Kosmos
Körper
und Gehirn
stetig passieren
ist Leben
hellauf
ohne Zeit und Raum
gleichzeitig
Geschieht dies
hört tote Materie
in Leben
von diesem Sound
ist sie berührt
von sich
erkennt ohne Spiegel
und
von Zauberhand
huscht
ein Entzücken
über das weibliche Gesicht
überall
im Ganzen
herrlich
verteilt zu sein
© Mai 2026 by J. G:
Am Feldrain der Mohn
Zaunwinde und Venusspiegel
Singen das Lied
Landschaft
Im Gehölz geduckt
die Smaragdeidechse
Aus dem Tümpel lugt
eine Gelbbauchunke
Hier fühlt der Wolf sich wohl
© Mai 2026 by J. G:
Das Hospiz.
In einem warmen Frühjahr, nicht allzulang her, war es dann soweit.
Der Bruder der beiden Geschwister, der über Jahrzehnte in Südindien lebte und dort sein Brot verdiente, war für ein paar Wochen Gast in diesem Haus.
Bis zu seinem ersten Tag.
himmelfahrt
mit all dem sternenstaub
das flammenkind ist fort
seht
dort unten am fluss
der goldene turm ist aufgebaut
der vogel singt wieder...
Rhododendron blühen im Mai in den Vorgärten.
Seit ein paar Monaten prangen in großen Buchstaben auf der Fassade des Hospiz Gebäudes, sichtbar zur Straße hin, in mintgrüner Schrift auf weißen Grund, diese Worte:
„In Würde leben bis zuletzt.“
Wie, dachte ich, ich war mit dem Rad schon vorbei, "bis zuletzt." ?
Ich drehte um, stellte mich davor, schaute hoch und las die Worte noch einmal und langsam.
"In Würde leben bis zuletzt."
Den Punkt am Ende des Satzes sah ich jetzt erst.
Also, wie, bis zuletzt und Punkt.
Gibt es das überhaupt „bis zuletzt" und Punkt?
Im Schreiben des Textes erinnere ich den Bericht einer Frau, die mehrere Nah-Toderfahrungen hatte. Sie sagte, komisch, von Ende keine Spur.
Am Abend des gleichen Tages telefonierte ich mit meiner älteren Schwester, berichtete ihr von diesem Satz an der Fassade des Hauses.
Zusammen mit den fürsorglichen und hilfsbereiten Menschen des Hauses war es uns beiden geschenkt, dass wir den Bruder in diesen Wochen des Frühjahres 22 würdig und mit geschwisterlicher Liebe begleiten konnten.
Meine Schwester war berührt und angetan von der Wärme und Anteilnahme des gesamten Hauses, dass sie in den Monaten danach überlegte, ob sie sich auch in diesem Haus begleiten lassen sollte.
Nun, schaut man weit zurück, dahin, wo Leben seinen Beginn haben soll, schaut man in einen Beginn ohne Anfang.
Wo kommen wir her?
Eine Frage.
Dreht man sich um, schaut weit nach vorn, dahin, wo Leben sein Ende haben soll, findet man keinen letzten Vorhang.
Ein öffentliches Theaterstück, Ill pubblico secreto.
Wo geht es hin?
Eine weitere Frage.
Bleibt offen.
Eine Schätzung.
Der Moment, wo sich Mund und Augen schließen.
Der Blick fällt nach Innen.
Frage des Lebens.
„...bis zuletzt.“
Und wo ist der Punkt?
Vielleicht ist es ein heimlicher, ja verständlicher Wunsch, eine offene Sehnsucht nach einer Gewissheit von einem Anfang und einem Ende.
Leben – ein so wunderliches Phänomen seit 4500 Millionen Jahren auf dieser Erde.
Bislang ohne einen wissentlichen Anfang und ohne ein wissentliches Ende.
Es bleibt der Glaube.
Nach hier oder dorthin.
Und mittendrin, Mensch, mit all dem Meer, den Steinen, Pflanzen und Tieren.
Und vor allen Dingen - Kinder.
Wir.
Leben.
Der erste Tag.
Erhaben.
Ein Ringen der Natur wie des Menschen in dieser Freiheit zu sein und zu werden.
In seinen Jahreszeiten nimmt der Mensch teil an diesem Wunder.
Das Geburtsrecht in den eigenen Händen:
"nimm teil am Unteilbaren. Schöpfe Mensch"
Am Anfang wie am Ende des ersten Tages.
„O Gott welch ein Augenblick...“
Leonore nimmt Florestan die Ketten ab.
aus: Fidelio, L. van Beethoven
© 2026 by J. G:
überwiegend sein nichts werden © 2026 by J. G: