Donnerstag, 11. Juni 2026

MeinsDeins


Menschlich zu verwerfen ist, Landminen zu verkaufen und von der Rendite verstümmelter Glieder seiner Frau Geschmeide um den Hals zu hängen. Ebenso zu verwerfen ist es, dass das alte Matriarchat geblendet von einem gefälschtem Sieg da immer noch die Beine breit macht. 
Hier arbeitet noch das alte unbewusste Betriebssystem des Sapiens, das nicht kennt, blind dafür ist, was es auf der anderen Seite anrichtet.

Der Spezies Sapiens fehlt offenbar in seiner Entwicklung das "missing link", die einfache Brücke aus Holz, über die er gehen kann.

Eine Brücke, die ihm den Zugang zu einer Konstanten in seiner Wahrnehmung ermöglicht, einem physisch, konstanten Bezug zu beiden Seiten hin, der ihn in das Erleben bringt, Beobachter und Teilnehmer zugleich zu sein, denn dann würde er im Falle eines Falles erkennen können, auf dieser Brücke stehend, dass, wenn er seine Waffe auf einen anderes Menschenleben richtet, um ihn als Feind zu töten, das er nicht den Feind, den Tod tötet, sondern Leben, sich selbst in dem Anderen erschießt. Die durchgelegenen Ruhebetten, auf denen all die dazu gebracht, genötigt und verführt wurden, füllen Bände.

Vielleicht ist es vergleichbar mit der Homöostase, der über hunderte von Jahrmillionen eingeübten Partitur einer konstanten Körpertemperatur, die beständig im Blut des  Sapiens zur Aufführung kommt und auf dessen Melodie die Spezies sich verlassen kann, ohne darüber nachdenken zu müssen oder gar dem Zweifel zu verfallen. Diese von der Evolution erworbene Konstante, ein unterbewusst agierender immer zur Verfügung stehender Service, ermöglicht ihm und all den anderen warmblütigen Lebensformen relativ unabhängig von äußeren Umständen zu agieren. 

Von der egometrischen Gewohnheit des eigenen Vorteils abzulassen gelingt der terrestrisch eingefassten Immobilie des Sapiens nur schwer. Kein Vorwurf. Eisern und einsam ist der Widerstand, wenn der Fisch an Land geworfen und das Solo der Lungenatmung auf der Trompete spielen soll.

Nun sollen wir innerlich ablassen vom eigenen Vorteil, „Ganz“ sein, nicht "egoman" „nachhaltig“ wirtschaften, wie auch immer der eigene Lebens-Vorteil verfasst sein mag, ob religiös, säkular, Tee oder Cafe, mit Schleier oder ohne, reich oder nur Opel, Wurst oder Vegan, und das in einer Zeit, in der die äußeren Umstände mit Mörsereinschlägen näher rücken und uns ein Rückgriff auf das alte Testament medial penetrant entgegenplärrt. 

Der innere Zugang zu beiden Seiten hin könnte ein Aufgang in ein schlichtes, neues Wahrnehmen von Welt sein, kein linearer Akt des Denkens, angelesen in Büchern, gehört in Vorträgen, gesehen in Aufzeichnungen etc. 

Man muss ES halt „für wahr genommen“ haben, das Erlebnis, gleich einem leiblichen Erlebnis, ganz und gar im Jetzt und live, man muss es selbst gesehen, gefühlt haben vor Ort, man muss mit seinem ganzen Leben „da“ gewesen sein, dasein im All und Leben, so wie Astronauten und Kosmonauten im Orbit, die in einer Arbeitspause oder während einer Panne zwischen Bodenstation und ihrem kleinen Raumschiff kurz einen Blick auf die Erde von oben hatten und realisierten, wo sie waren. Sie waren in einem Zeitraum, wo es kein oben und und unten gibt. Sie waren gleichzeitig hier und da unten auf der Erde, in ihrer Stadt, ihrem Dorf, bei den Kindern im Sand und in den mäandernden Pfützen der Ozeane.

Petrarca erzählte schon im 13. Jahrhundert davon in seinen Aufzeichnungen. Und der schwedische Schriftsteller Lars Gustavsson öffnet uns den Eintritt zu diesem naiven Akt des Wahrnehmens über einen Jungen, der einen Drachen steigen lässt und die Begeisterung auf der Erde zu stehen fühlt, denn er ist auch gleichzeitig der Drache, der von oben auf ihn selbst herunterschaut. 

Die Subjekt- und Objektschranke, die Ich und Du Trennung, der Freund- und Feindschleier, der Theatervorhang des MeinsDeins wird für nur Sekundenbruchteilen aufgezogen und man sieht in eine völlig andere Welt.

©   2014 by  J. G:

öffentlich

an küchentischen
in den cafes
jetzt auch am euphrat
im staub des alten königs kish
neue materie
leben
herrlich
weiblich
ohne ich

  ©   2014 by  J. G:

im tal



den grünen halm

im mund

liege ich da

hingeworfen

mit allem

hole licht
mit dir

 

 

 ©   by  J. G:

eingeboren















 

 

Sind die Buchstaben auch noch so feingliedrig geschliffen oder schroff hingeworfen, es bleibt ein unerklärliches Echo der Unvollkommenheit, das offensichtlich an allen Küsten dieser Erde die Spezies durchdringend ermahnt und aufwärts treibt, das diffuse Zwielicht, das in der äußeren Beschriftung der Dinge den Augapfel blendet, mit dem Ohr der mündlichen Überlieferung aufzuheben.


  ©   2013 by  J. G:


Mittwoch, 10. Juni 2026

inzwischen

Das tiefe Verlangen 

nach Einssein, 

in der Stunde der Geburt

strahlend aus dem seidenen Faltenwurf des Kosmos 

glückselig in die Teilung des Einen 

in Allem 

entwischt

über die Äonen des Drehens im All 

eingelöst

in der niederen Natur

 im blutigen Akt des "fressen und gefressen werdens",

umworben

im NU einer Sekunde wortlos 

gefunden

das junges Begehren 

seit Anbeginn 

durchströmt

es als stilles Gebet jedes Sandkorn, 

ist in jedem Bakterium, 

schwimmt

im Algenteppich der Weltmeere, 

schwingt in jeder Zelle 

singt an jedem Regentag 

aus gefiederten Kehlen sein Lied.


  ©   2021 by  J. G:

beileibe












wir

die bunte Saat der Erde,
weisen die Geldfresser an unserer Tür ab.

An den Küchentischen und in den Cafes dieser Welt

haben wir uns seit langem darüber verständigt.

Dem Stellungsbefehl der Menschenfresser
und ihren ruinösen Algorithmen folgen wir in unserer inneren Haltung schon lange nicht mehr.

Auch Revolutionen und Aufstände, die sie anpreisen, zur Erhaltung ihrer Macht, bei uns passé.

Wir tun das, was Leben schafft, poesis.

Entziehen ihnen mit des Lebens Intelligenz in uns allen Anfang, des Tages erstes Licht.
Liebe, Seele, Herz und Verstand.

So verkümmern sie an ihren Schädelstätten.

An den Küchentischen und in den Cafés stehen die Menschen, die Väter und Mütter auf, denn
die Kinder wischten mit einem Handstreich die Figuren der Leibeigenschaft vom Tisch.

Die Millionenheere von Sklavenarbeitern, 
die mit ihren schwarzen Händen 
für einen Hungerlohn die Geldhäuser bauten, 
geblendet von den Menschenfresser noch in den Krieg zogen, 
sie kehren zu ihren Familien zurück.

Die jahrtausendealte Gewalt der Spezies Sapiens gegenüber der Mitwelt, der ruinöse Logos des nur eigenen Vorteils, 
unbewusstes Werkzeug, Betriebssystems von Krieg, Mord und Totschlag, die selbstmörderische Schlacht, das Wüten gegen sich selbst, gegen das Mensch werden, vor aller Öffentlichkeit auf der Weltenbühne entblößt. 



©   2012  by  Johan van der Leeuwen 

Sonntag, 7. Juni 2026

Tondo



Angesichts einer sich "selbst sehenden" Welt,  bietet das „Ich sehe“ nur noch eine sehr schmale, provinzielle Enge auf das kosmische Ereignis.


                

© 2008 Johan van der Leeuwen

eigenes

Die globale Rendite-Privatisierung der elementaren Lebensgrundlagen wie Wasser, Erde, Luft und Feuer zeugt von einer seelischen Verarmung und geistigen Verelendung eines Denkprimaten, der im Stammbaum der Evolution mit dem Titel Sapiens eingetragen ist.


Eingemauert in einem egometrischen Arbeitshaus Lebenstod, umnachtet von einer unbewussten Verwaltung physischer Welt, verwehrt dieses Arbeitshaus der menschlichen Entwicklung in der Spezies den Zugang in ein humanes Miteinanders der Kulturen.

In diesem Schritt handelt es sich um Einsicht und Zutritt in den Lebensraum innerer Zusammenhänge, einer Welt nicht nur lebendiger, sondern bewusster Lebensmaterie, die sich losbindet von der Gewalt und dem Töten anderer Lebensformen, da sie ja, und das macht das Phänomen einer humanen Bewusstwerdung aus, die eigenen sind.

Erst jetzt, mit dieser Erkenntnis in den Händen, rechtfertigt die Spezies historisch ihren Namen.

Homo Sapiens.

© 2008 Johan van der Leeuwen

Mittwoch, 3. Juni 2026

Die drei Schwestern


Ein altes Kartenspiel auf dem Tisch des Palazzo.



Klavier im Saal

Schumann

Umjubelt

Applaus

Jeder braucht einen Ort.

Passion

Zugang zu dem

was anrührt

passiert seit Anbeginn.


So sie Ansehen trägt

und das rasende Stillleben

das Hiersein

mit den Töchtern

auf der Anhöhe

atmen kann


  ©   2009  by  J. G: 




 

MeinsDeins

Menschlich zu verwerfen ist, Landminen zu verkaufen und von der Rendite verstümmelter Glieder seiner Frau Geschmeide um den Hals zu hängen. ...