ein spatz zischt ins gebüsch
pfeift nach seinem weib
am wegesrand
ein kind
in den händen
sonnengelb
© by J. G:
ein spatz zischt ins gebüsch
pfeift nach seinem weib
am wegesrand
ein kind
in den händen
sonnengelb
© by J. G:
"der Beamte am fünften Hautteich, die sechs Lakaien an der zweiten, vierten und sechsten Tür, die zwölf Konkubinen hinter dem Seidenvorhang, der Scharfrichter im Hof, der kaiserliche Polsterträger, der hinkende Schatzmeister, sie alle präsentieren in ihrer Unterwürdigkeit den hündischen Wahn, das Hirngespinst absoluter Macht, lobpreisen und füttern maßlos seit Jahrhunderten den körperlichen und geistigen Verfall der Anmaßung, den Aufstieg und Niedergang absoluter Macht, die Seele imitiert.
Der Krieg um den goldenen Thron beginnt seit jeher mit dem Trugbild, dem Wahn absoluter Macht.
Der Reichsfürst, erkrankt an Realitätsverlust, ermächtigt sich zum Alleinherrscher über die Welt, will hoch erhoben sein als Gott, eingehen in die steingemeißelte Erinnerung der Denkmäler, will gekrönt und bejubelt sein von einem völkischen Wahn, auf immer befreit von dem Fluch des Daseins, dem Tod, des Lebens Sterben.
Von dem elektrischen Strom des Wahns nervlich ausgestopft trägt der Alleinherrscher in seiner panischen Angst als Zeichen des zyklischen Niedergangs seiner Macht einen Lampenschirm auf dem Kopf.
Alle Wünsche des Verfalls werden devot bei Tage und bei Nacht zum leiblichen Wohle der Höllenhunde erfüllt, die in der Nacht der Träume, der Finsternis der langen Messer, stoisch auf ihr Fressen warten."
© by J. G:
des dichters atem
vergoldet
das liebesblatt
lies
und heb es auf
„o flammende helle
o goldenes licht
regen des himmels
flute mich“
© by J. G:
da steht sie
die kultur
der spezies sapiens
dieses
ich weiß
zur abreise bereit
wieder mal
mit dem koffer in der hand
den blick gesenkt
ins kleine loch
der erde
hier
im sonnenfleck
der kosmischen Provinz
soll schluss sein
auch an feiertagen
nebenan
auf dem schlachtfeld
und gegenüber
immer und wieder
ins ende gedacht
das leben
erschossen
erdrosselt
vergiftet
vergewaltigt
beiseite geschafft
ausgelöscht
und begraben
das licht
des uralten steins
in seinen kinderschuhen
das überall
das mit
atmet
spielend will
und im ohr
dem großen radio
alles hellauf verteilt
© by J. G:
9 Uhr auf dem Markt bei Sonnenschein.
Es ist kühl, erfrischend.
Kleiner Einkauf, ein Liter Olivenöl bei dem Olivenhändler in dem kleinen Wagen, unweit des Bahnhofs.
Er erzählt von dem Bauwerk Angkor Wat, an dem Handwerk zu besehen ist, das hochtechnisiert hergestellt sein müsste, bemessen nach unseren heutigen Maßstäben.
Doch die gab es damals offensichtlich nicht.
Staunen.
Diese kurze Geschichte, mit allen Auslagen von Schafskäse und Oliven vorgetragen, veranlasste mich, ihm meinerseits von einer Erzählung zu berichten, die ich vor einigen Monaten gelesen hatte.
In dieser Geschichte nimmt ein Artefakt eine besondere Rolle ein.
Es handelt sich um eine Tonscherbe, gefunden unweit des Südpols.
Sie verweist auf eine sehr frühe mentale Kultur, die das mündlich tradierte Wort in ihrer Gesellschaft offensichtlich hoch bewertete. In dieser Gesellschaft wurden Tongefäße hergestellt, wie in vielen anderen Kulturen, versehen mit besonderen Zeichen, Linien, Strichen und Farben.
Jedoch wurde dieses Tongefäß in einem öffentlichen Ritual, so in der Geschichte erzählt, absichtlich zerbrochen.
In der Erzählung beruft eine Akademie einen älteren Mann zu sich in die Runde kluger Häupter, die archäologisch Bedeutung dieses Artefaktes schlüssig zu bewerten. Sie selbst jedoch sieht sich als staatlich kulturelle Einrichtung ausserstande dieses befriedigend zu leisten.
In der Beurteilung kommt der Mann in der akademischen Runde zu der Vermutung, dass es eine frühe mentale Kulturgemeinschaft gegeben haben könnte, eine sehr frühe, die mündliche Überlieferungen höher bewertete, als das in Ton Gezeichnete und Eingebrannte in einem Gefäß.
In der Deutung dieses Rituals wird ein historisch bedeutsamer Aufgang gezeichnet, dass das im Wort mündlich Überlieferte eine sehr tiefe Wirkung erreicht für die Kommunikation, für die mentale Entwicklung von Leben.
Es scheint der Klang des Wortes, seine weitreichende Schöpfung für den Fortgang von Leben zu sein. Es ist dieser Klang, der tiefer ins Lebendige, tiefer eindringt in das zu Erinnernde von Herkunft und Gegenwart, als das nur zwei oder dreidimensional Begrenzte, die aufgemalten und in Ton eingebrannten Zeichen.
Das mündlich tradierte Wort, das seit Anbeginn pulsierende Kleinod im Ton, bezeichnet als die Erde unter den Füßen, das hatte, nach der archäologischen Gewichtung dieser Tonscherbe in jenem akademischen Forum, so der Einlass des alten Mannes in der Geschichte, eine über die Generationen weitreichenden Tenor, den es unbedingt, für das, was Leben ist, zu aufzuheben gilt.
Um welches Kleinod handelte es sich?
In dieser Erzählung, ich erinnere, wird indirekt die Unterscheidung zwischen dem festgeschriebenen und dem über Generationen mündlich überlieferten Wort ins Licht des Lesers gestellt
Wie kommt eine mentale Kulturgemeinschaft in einer tausende Jahren zurückliegenden Zeit dazu, einmal bedeutende, rechtlich auch womöglich verbindliche Zeichen, eingebrannt in einem rituellen Tongefäß, absichtlich und öffentlich wieder zu zerbrechen?
Ja, was, fragt man sich?
Was ist das für ein Ritual?
Zu schaffen, um es dann wieder zu zerbrechen, mit einer Absicht?!
Spricht der Autor dieser Erzählung die Poesie des Unsterblichen im Sterblichen an, das Ewige im Vergänglichen, das Unendliche im Endlichen, das Hellauf im Sein, das stille Wunder, das Werden im Kommen und Gehen, das lebendig beheimatet ist in allen physischen Herzkammern, das über dieses Ritual sich lebendig erinnert, für wahr genommen mündlich aufflammt, wenn ankündigt der Wandel selbst das Festgeschriebene wieder zerbricht und dem Klang im Ton erneut das Wort lebendig in die grüne Kehle reicht?
Ja.
© by J. G:
Aus dem großen Hintergrund
Radioaktiv informiert
Die Materie
Schon kurz vor Beginn
Der Vorstellung
Übernatürlich vermögend
Der Text
Begeistert aufgenommen
Im ganzen Ensemble
© by J. G:
„Mit dem gelehrten Schwindel
frommer Grablegung allein ist heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen.
Der Bestattung von Materie als ein unbewusster Körper, diese Verfinsterung der eigenen Sonne im Leib,
von diesem trügerischen Geldschein auf der Membran des Denkens
wusste nicht nur der Zimmermannssohn aus Judäa,
sondern die strahlende Einsicht ist heute in jedem normalen Haushalt
zumindest schon mal technisch in Gebrauch.“
Johan van der Leeuwen
Heute
das Schönste
den Blumen im Garten Wasser geben
„Legen wir uns nur einen Augenblick
auf das Haupt des Anfangslosen nieder,
so lassen uns die lichten Zellen des Leibes sehen,
wie sich alles hellauf fügt zu seinem liebenden Grund“
© by J. G:
meine rose
an einem sonnendurchtränkten Tag
zwei turnende Mädchen
im Licht der Augen
Einheit allen Geschehens
uralte Materie
bewusst
belebt
© by J. G:
Belauschtes Leben.
Sonntag.
Alle Türen und Fenster im Atelier geöffnet.
In meinem Schoß, sie, eine Rose.
Aufgeworfen in ihren Blättern.
In den grünen Kronen gegenüber singt gefiedert Sternenstaub.
Nach Wochen der Betriebsamkeit, nach Tagen und Nächten des Marschierens der Pinsel im Gleichschritt der Striche, dem glitzernden Aufenthalt im Wartesaal der Pigmente, dem blinden Schauen im Sand der Zeit, hundemüde des Übermalens der Flächen, einer Ohnmacht im Schlafe kosmischer Nacht, flamme ich mit ihr im Schoß auf hin zu einem immerwährenden Tag.
Monsieur,
kommen sie vorbei.
Sehen sie mit mir.
Dieser Morgen ist heller und gleißender als all die übermalten Schichten der Tage.
Ist älter als Ursprung, jünger als sein Beginn.
Monsieur,
am Nachmittag ein Spaziergang am weißen Fluss.
Kommen sie.
© by J. G:
Café Größenwahn - Berliner Künstlerlokal „Ich bin nun zwei Abende nicht im Café gewesen und fühle mich etwas unwohl am Herzen. Dr. Döblin ...