Monsieur,
ah, schön, dass sie meiner Einladung an diesem Feiertag gefolgt sind.
Kommen Sie ins Atelier, da habe ich was für sie.
Vielleicht können sie mir auch auf die Sprünge helfen.
Das Bild ist noch nicht ganz fertig.
Ja, ja, ihr Poem habe ich gelesen, dreimal.
Ihre Zeilen haben mich dazu gebracht ein Bild zu malen.
Kommen sie auf diese Seite, hier ist es.
Nach dem Lesen ihres Poems tauchten doch einige Fragen auf.
Wie kommen biologischen Zellen in die Lage, mit 3500 Millionen Studienjahren, wie kommen diese winzigen Bausteinchen, biologische Gründungsunternehmen, wie kommen sie an Mitteilungen aus dem kosmischen Raum, deren Ausdehnung mehr als 13000 Millionen Jahre ausmacht?
Ist das denn wichtig?
Ja, ich glaube schon.
Um diese Frage in mein Bild zu malen, kam ich auf einen Briefkasten in Grau. Den habe ich in Ultramarinasche gemalt.
Der Briefkasten hat keinen Schlitz?
Stimmt, den habe ich sein gelassen.
Warum?
Das Gehirn, die neuronalen Schaltkreise, setze ich in diesem Bild mit einem Briefkasten gleich.
Gewöhnungsbedürftig.
Gehirne sind nur ein Teil von Lebewesen. Manche haben keins, sind aber viel älter.
Alle, ob mit oder ohne Gehirn, sind in diesem Lebens-Ereignis auf dieser Erde darauf angewiesen mit ihrer ganzen Lebensweise, mit ihrem ganzen Körper Informationen auszulesen..
Da liegen sie nicht falsch, handelt es sich um Ereignisse, die schon waren.
Ja, das Gehirn, ein Übersetzungsbüro.
Die elektrischen Schaltungen im Gehirn übersetzen das, was im ganzen Körper passiert.
Kopien, meinen sie?
Mehr eine Zweitschrift.
Der ganze Körper, Erde wie ein einzelnes Wesen, ist der Flut von Informationen ausgesetzt. Besonders kommen Ereignisse hinzu, seitdem wir Wissen, was uns alles aus dem großen kosmischen Raum beeinflusst.
Meinen sie aus Hintergrund des Kosmos?
Ja, sie passieren den gesamten Lebensraum auf der Erde, auch den menschlichen Körper.
In dem grauen Briefkasten, der keinen Schlitz hat, treffen zeitversetzt Briefe ein, von Ereignissen, die schon waren. Dort werden sie Artenspezifisch, je nach Bau des Postamtes, entziffert und verteilt an die jeweiligen Verwaltungsstellen.
Ein biologisches Postamt?
Ja, doch alles noch sehr jung, nicht alt im Verhältnis zur gesamten Aufführung auf dieser Bühne.
Vielleicht 500 Millionen Jahre in Betrieb?
Und wir?
Und unsere Spezies?
Na, 2 oder 3 Millionen Jahre sind wir schon als Postboten unterwegs.
Alles davor kam auf der irdischen Bühne ohne ein zentrales Postamt aus.
Sensationell, oder?
Ja, das kann man sagen, über 4000 Millionen Jahre.
Ein Orchester ohne einen Dirigenten am Pult.
Ein Zusammenspiel von Ordnung und Unordnung.
Eine Harmonie mit sehr besonderen Akkorden.
Auf meinen Bildern sehe ich keinen Anlass Antworten malen.
Hier, Monsieur, ein schwarzes Dreieck.
Gemalt in Traubenkernschwarz.
Ein Schwarz, das Licht frisst.
Bei so viel Schwarz wundert es doch, das die Welt und wir da sind.
Ja, erstaunlich.
Und doch, Licht als Quelle von Leben.
Mit diesem Schwarz, das Licht anzieht und verschlingt.
Man kennt es aus dem Weltraum.
Ja, schwarze Löcher.
Ein Energie Hot Spot.
Weiß man was darüber, was mit dem Licht passiert in diesem Schwarz?
Ja, eine Sammelstelle von Energie auf kleinstem Raum.
Lichtfeuer?
Ja, so was wie ein Drache, der so viel Licht gefressen hat, das er das Feuer irgendwann, wenn es ihm reicht, in den Kosmos speien muss.
Warum nur?
Können wir nicht beantworten.
Spekulation?
Ja, Zahlen und eine Haufen Kreide auf der Schultafel.
In dem Bild stelle ich ja die Frage, was geschieht mit mir, was passiert mich davon?
Mich, ja mich, ein Sauerstoff atmender kleiner Lebenskörper?
Passiert mich das Feuer aus dem Kosmos auch?
Nicht nur das.
Aus dem Feuer sind sie und ich wohl gebaut.
Wie bespielt mich dieses Feuer, das aus diesem Licht besteht?
Was macht es mit meinem Leben, mit meiner Malerei?
Wer und was malt da?
Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde?
Gerüche, Geräusche, Töne, Erinnerungen, Gedanken, Sinneserfahrung, Atome, Teilchen. Und das Licht-Feuer. Was buchstabiert da in mir ?
Könnte es sich vielleicht um eine physikalischen Erzeugung von Energie handeln, die sich in mir sowas wie mentales Licht zeigt?
Eine kleine Spur?
Es bringt das Wort Mitwisser auf das Bild. Etwas in den unbelebten wie belebten Bauteilen drängt die Lebewesen auf ein Mitwissen. Die Bauteile wollen anscheinend, in verschiedenen Formationen, was von sich selbst wissen, wollen ein, nehmen wir das Wort einmal auf, ein Bewusstsein haben.
Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Eisen, ja, diese Elemente in uns wollen es wissen. Sie agieren auf ihrer Pinselspitze in ihren Bildern zu Form und Farbe.
Materie redet mit uns.
Ja, und das ziemlich deutlich in ihrem Bild.
Na, sowas.
Monsieur,
in meiner ganzen Kopflosigkeit habe ich auf die Grundierung des Bildes ein über die ganze Fläche verteiltes weiteres Dreieck gemalt.
Ein weißes Dreieck mit der Spitze nach unten. Es füllt fast die Fläche des Bildes aus.
Weißer Hintergrund und weißes Dreieck lässt ich kaum unterscheiden.
Doch, wenn man genau hinschaut.
Habe sehr feine Linien unterbrochen gesetzt, mit Safran.
Welches Weiß haben sie verwendet für dieses Dreieck?
Retouchier Titanweiß.
Fusionieren Hintergrund und weißes Dreieck?
Nein.
Unterscheidung von Realität und Wirklichkeit
Ja, und doch irgendwie Einheit.
Maybe divine difference.
Hinzu kommt auf dem weiträumigen titanweißen Dreieck ein schwarzes Dreieck.
Spitze nach oben?
Die Richtung hat es.
Tiefe?
Ja, Hingabe.
Hier sind drei kleine Punkte um die Spitzen des schwarzen Dreiecks.
Bedeutungen?
Nein.
Versuchungen.
Feuerzungen.
Drei, die züngeln.
Wo ist das Feuer, Madame?
Mikroskopisch klein, sehr klein.
Mehr Inhalt als Form.
Genau.
Plank hat diesen Raum ins Spielfeld gebracht.
So klein, das er nicht da ist.
Doch da.
In diesem Raum, der nicht da ist, spielt sich kosmisch fast alles ab, alles affenartig schnell und langsam zugleich.
Universum?
Ja, klein und riesengroß.
Raum ohne Zeit.
Und wir mit einem Sekundenanzeiger ums Handgelenk dabei.
Eine Sensation.
Von diesem Ereignis Urteil in diesem Raum bekommt das Hirn nicht wirklich etwas mit.
Und doch wird es von diesem Ereignis permanent informiert.
Ja, Hirn bekommt Nachrichten.
Je nach Zeitgeschichte wird dies als Ereignis in Urknall, Strahlung, Plasma, Pech und Schwefel, als Artensterben, Eiszeit, Wärmeperioden, Vulkanausbruch, Gerölllawine, als alles muss gefressen werden, alles hängt zusammen und muss wieder getrennt werden, aufgezeichnet. Und von diesen Ereignissen bekommt der Briefkasten wohl seine Nachrichten und erzählt das Geschehen an Leib und Leben mit den händischen Möglichkeiten und neuronalen Begabungen mit Fürsorge, Liebe und Verantwortung zur Fortschreibung des Urteils weiter und weiter.
Bis man vielleicht eines Tages das Bild anschaut und merkt, ja, so ist es gut.
Ja, mit Miau und Wau Wau, mit Piep Piep, als Gras auf der Weide, und als Zahl fünf auf einem Rechenbogen, wie auch hier und mit einem Wort aus wassergrünen Quellen.
Schön.
Ach, ja, die Ecken des schwarzen Dreiecks.
Was ist damit?
Mutter, Schokolade und Physik.
Lichtteilchen.
In welchem Licht haben sie diese gemalt?
In Himba, Mahagoni und Zinnober.
Drei Lichtträger, die dem Verschwinden entkommen sind.
Habe sie so gemalt, das die Drei das Bild von Welt in die Welt tragen.
Wissen die was?
Alle drei geben Auskunft, warum Licht verschwindet in diesem Schwarz und Leben doch aufscheinen lässt.
Es passiert.
In einem Jahrmarkt mit vielen Karussells.
Ja, genau so.
Ist ihr Bild sowas wie Wandlungsraum?
Ja, vielleicht
Für eine gewisse Zeit hier und heute.
Wie sie sagen, alles in einer Plankschen Länge.
Monsieur, die drei sind Geschwister.
Laden wir sie ein.
Gut, an unseren Tisch, heißen sie willkommen, lassen sie erzählen.
Hören wir zu.
Und wie sie sehen, dort, musste ich noch einen Briefumschlag malen.
Das Farbe
Der Brief ist offen.
Ja, kein Briefgeheimnis.
Und hier, Zeichen stürzen aus dem Brief in alle Richtungen.
Die Zeichen schwärmen aus, erzählen die Welt.
Madame, sind es Waisen.
Nein, Musiker
Ein Jazz Trio.
Einer von ihnen ist ausgestattet mit einer Solotrompete in cyprisch lichtocker.
Eine Seerose, sehen sie dort, trägt das Mundstück des Instruments in ihrem Blütenkelch.
Kommen sie, es ist Pfingsten.
Gehen wir in den Garten, ich habe noch einen guten Weißwein.
© Pfingsten - Mai 2026 by J. G:
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