Freitag, 10. Juni 2022

Montag, 6. Juni 2022

Belle Epoque

„Liebe der warme Körper, 
Poesie das flüssige Gold
Seele 
die Familie
Bewusstsein im leeren Raum
das mich
 bis an den Rand gefüllt
tagein
tagaus
passiert.

Das ist der handfeste Besitz, 
den ich durch alle 1000 Leben in meinen Hosentaschen finde
und der als mein Butterbrot
für die lange Reise auf dem Küchentisch fertig gepackt
jeden Tag bei Sonnenaufgang
und  Sonnenuntergang
neben meinem Rucksack liegt.“

© by J.G. 

 

 

Donnerstag, 26. Mai 2022

himmelfahrt

 mit all dem sternenstaub

das flammenkind ist fort

seht

dort unten am fluss

der goldene turm ist aufgebaut

der vogel singt wieder...


© by J.G:


Donnerstag, 12. Mai 2022

März 2007



Teuerster, 

"Das Erlebnis in dem Metzgerladen, diese totale Mutterseelenalleinsamkeit, ja, ich hatte auch so ein Erleben, damals in den Rheinanlagen, an einem Baum. 
Plötzlich war die Tante, die Ersatzmutter, weg. Ich lief, vielleicht zwei Jahre jung, um den Baum und fand sie nicht mehr. Nie je so einsam gewesen."

verbleibe bis zum Sommer 2006 

Bh.


Mein König, 

hab die Liebesgabe gelesen. Gewagt, wenn es beide lesen, sie und Martina. 
Am Anfang schlingerst du wonnetrunken durch die Gasse, schlägst hier und da gegen die Fensterläden des Dorfes, klopfst am nächstbesten Hauseingang an, machst die ganze Gasse mitten in der Nacht wach, alle schauen schlaftrunken aus ihren Fenstern, nur um aller Welt zu sagen, liebt euch und seit froh.
 
Ja, was ist nur mit diesem "Mutterseelenallein"?
 
In einem Buch von Ted Simon, einem 69 jährigen Engländer, der mit seinem Motorrad 2001 zum zweiten Mal um die Welt fuhr, heißt es im Rückblick auf seine erste Fahrt, die er vor 1975 machte:

 

"Damals kam mir schlagartig zu Bewusstsein - anders als ich es je zuvor wahrgenommen hatte -, dass ich es wirklich getan hatte, dass ich tatsächlich draußen in der Wüste stand, mutterseelenallein, und das ich ganze Welt vor mir lag." Seite 50 Jupiters Träume
 
In "Licht den Tagen...“ schreibe ich auf Seite 51
 
"Mit 3 Jahren verlor ich meine Mutter. Nein, nein, nicht wie sie jetzt vermuten und vielleicht schon hier, völlig verfrüht für den Autor, ganz und gar unpassend Mitleid empfinden, nein, nein, ganz und gar nicht. Ich verlor sie aus dem Blick, im Metzgerladen. Eine rein physikalische Angelegenheit. Vielleicht waren es nur 0,02 Bogensekunden, doch ich verlor sie aus dem Blick, sah sie einfach nicht mehr. Ich rannte weinend und verloren aus dem Laden raus ins Freie. Das war im Frühjahr 1953. Monate noch phantasierten meine kindlichen Zellen und gaben sich zutiefst erschüttert von meinem ersten öffentlichen Auftritt auf einem Bürgersteig."

 

Ja, mit dem Lebenstod, diesem engen Kästchen, konnte ich mich noch nie anfreunden, noch nie.
 
Wundersam stachelig hast du die Worte aus dem Garten der Lüste gepflückt und auf dem Markt der Eitelkeiten, Verletztheiten und Dummheiten als genießbare Frucht feilgeboten.
 
Vielleicht ist das auch etwas, was uns im Flussbett am Goldgrund so gut schwimmen läßt.
 
Doch bitte, gebe dich langmütig in allem, nicht übermütig.
 
Jean sagt zu dem bürokratischen Betrieb in dem engen Kästchen:

"Das Hin und Herlaufen in den Gegensätzen"
 
Gruss aus der Stadt am Fluss 

J. G: 

 

p.s.

 

"mühsam werden sie wie die Esel Jahr um Jahr mit Schulwissen beladen und immer noch für dumm verkauft.
 
Es geht nicht gegen Amerikaner oder gegen Islamisten, auch nicht Weiß gegen Schwarz, es geht auch nicht gegen irgendetwas anderes, gegen das man noch sein könnte, sondern es geht um so etwas wie eine Aufhebung, die kommunikative Auflösung eines unbewussten Betriebsystems, das uns alle in einem Lebenstod gefangen hält und von dem wir uns seit Jahrtausenden unbewusst zu befreien versuchen, in dem wir umnachtet Leben töten und nicht bei Tage den Tod in uns aufheben.
 
Nachdem die globale Gesellschaft am Tisch der Nationen in den letzten 30 Jahren einen ökologischen Messwert des Überlebens in die Bewirtschaftung des Planeten begonnen hat aufzunehmen, und dies auch nur knapp mit einstelligen Prozentzahlen, wird das  gesamte Ensemble des Welttheaters in den nächsten Jahren lernen müssen einen sozialen, einen human kreativen Messwert aufzunehmen, um damit gänzlich in die Aufdeckung der lichten Zusammenhänge des Lebens einzusteigen. Die gegenwärtigen Diskussionen um die Kindergartenplätze werden der Öffentlichkeit womöglich dabei helfen, denn sie sind der tiefhohe Einstieg in einen Dialog  was das ist, ein Kind, das neue Leben."

J. G: 
 

 

 
 
 

heller Tag

"Mit dicker Backe fuhr ich ins Dorf der Stadt, um sie zu besuchen.  

Meinem Klingeln an der unteren Haustür wurde nicht nachgegeben, doch ich traf sie im Weggehen auf dem angrenzenden Fußgängerüberweg.  
Gemeinsam gingen wir dann in ihre Wohnung, machten uns einen Cafe und redeten entspannt um den Tag herum. 

Gegen halb drei begleitete ich sie in die Strahlenabteilung der Klinik.

Dort, im zweiten Untergeschoß, bekommt sie jetzt für 7 Wochen jeden Werktag für 90 Sekunden Radioaktivität auf die rechte Brust gepulst. 
Diese Bestrahlung soll den Nochrest von Krebszellen aus dem Organismus hinter den Anfang von allem, ins Nichts verjagen. 

Aus ihren Beschreibungen hatte ich dieses Untergeschoß düsterer aufgenommen. Es war es aber nicht, zwar ohne Tageslicht, jedoch wie kräftige Flügelschläge, permanent Tür auf, Tür zu. 

Patienten im medizinischen Rollstuhl des Hauses rein, Angestellte mit Unterlagen in der Hand raus. 
Hallo und guten Tag, hinsetzen, warten wie überall. 
Der offene Warteraum des Flures in Glas, eingerahmt in Aluminiumschienen, die Wände im Anstrich lächelnd in Neuweiß. 

Ich saß da, schaute mich um, schloss ein paar mal auch die Augen, hörte dreimal die Aufrufe "Herr B., Kabine 2 oder 3“, "Frau K., Kabine 5 oder 6", "Frau H, Kabine 4 oder 5“.
.
 Im radioaktiven Strahlungskeller der Zivilisation fühlte ich mich zu meiner Überraschung nicht unwohl. 
Im Gesicht einer jungen Frau, die ihr bares Haupt unter einer braunen Mütze verbarg, konnte ich Mündliches lesen. 

Sie nahm die ganze Zeit mit einem ziemlich ernsten, aber nicht unfreundlichen Blick mit der linken Hand schreibend Eintragungen in ihr kleines Tagebüchlein vor, konzentriert und gewissenhaft.

Einmal nur in der ganzen Warterei, kurz bevor sie aufgerufen wurde "Frau S., in Kabine 1 oder 2 bitte", blickte sie auf und kreuzte wie der Flügelschlag eines Kolibris lächelnd meinen Blick. Vielleicht hatte sie ja mich gerade als ewiges Wort in ihr Tagebuch eingetragen, und das kurze Aufschauen in die Weite des Strahlungsraumes im zweiten Untergeschoss war die einigende Versicherung des Lebens, dass das Erlebte kein Ende hat und tatsächlich wahr ist, denn ich habe es selbst gesehen."

 ©   by  J. G:

Samstag, 7. Mai 2022

madame


kommen sie 

schnell

ja 

hier 

ein wenig auf die fußspitzen 

sehen sie doch

da

ja da

nichts und alles

in einem nest

schon vor allem

im überhaupt

des tages

schnell

madame

ihre kamera

ja

so is gut

noch ein kleines mü zur seite 

klick

o gott

sie allein

wunderbar


 ©   by  J. G:

Donnerstag, 7. April 2022

tief

im herzen

hinter allem aufwand

dem strom der zeit

ist es heiter

unendlich

heiter

madame

kommen sie

gehen wir ein paar schritte.

dorthin

an den rand

wo alles niederkniet


J. G:

 

Dienstag, 5. April 2022

stimmt so nicht


                                            „Die Menschen fahren die Welt gerade vor die Wand“

 

Lese ich immer wieder, nicht nur in diesem Tagen.

Immer wieder, der gleiche Fehler.

Man sagt, hier schießt man sich selbst ins Knie.

In diesem Missgriff wird das human Kreative der Entwicklung mentaler Lebensformen systematisch wie auch ignorant unterschlagen.

Die Spezies Sapiens schließt sich damit selbst in ein unbewusstes, starres Muster ein, das keine inhaltliche, also bewusste Entwicklung, individuell wie auch gesellschaftlich, keinen freien Aufgang in die Menschwerdung zulässt.

In Unkenntnis dieser Zusammenhänge ist die Spezies in diesem Muster angehalten, um das Problem zu lösen, auf sich selbst mit dem Gewehr zu zielen, das Menschsein zu verhindern und letztlich sich selbst immer wieder zu töten.

Seinen Nachbarn und damit sich selbst.

Ein elender Kreislauf von Gewalt und Selbstzerstörung steht seit Jahrhunderten auf dem Spielplan dieser Weltenbühne. 

Es handelt sich hier um ein unbewusst konserviertes Skript, in dem die Spezies Sapiens in Unkenntnis der tieferen, bewussteren Lebenszusammenhänge denkt und handelt. 

Das, das fährt gerade die Welt an die Wand. 

Dieses Betriebssystem verhindert mit Gewalt, Krieg, Vergewaltigung, Verachtung von Frauen und Kindern, mit Hunger und Elend, der systematischen Vernichtung der Lebensgrundlagen immer wieder den Aufgang in die Menschwerdung.

Wie jetzt auch in dem Land Ukrain zu sehen ist.

Das Menschenrecht, souverän, frei und ohne Angst mit anderen in guter Nachbarschaft zu leben wird mit Gewalt dem Erdboden gleich gemacht. Der Mensch soll Angst vor sich selbst haben und ist somit aufgefordert immer wieder Gewalt, aus Angst, gegen sich selbst anzuwenden. 

Seit Jahrhunderten geht das so.

In diesen Herrschafts-Szenarien von Krieg und Massenmord geht es nicht nur formal um den klassischen Machterhalt, sondern in ihm steckt inhaltlich der selbstmörderische Wahnsinn von der Vernichtung der freien Wahl, des friedlichen und bewussten Zusammenlebens, der aufwärtsgerichteten Entwicklung in eine Menschwerdung.“

Johan van der Leeuwen. 5.04.2022

 

Montag, 4. April 2022

butscha

weinen

weinen wirst du

bis kein tropfen wolga mehr in dir ist

weinen

weinen wirst du

dein mütterchen erschien dir heute morgen im traum

am langen tisch stand sie neben dir

mütterchen

sagte mit leiser stimme

jungchen

was hast du nur mit unserem schönen land rus, 

was hast du nur mit deinen brüdern und schwestern

mit all den kindern gemacht

schäme dich

weinen wirst du

jungchen

weinen

bis kein tropfen wolga mehr in deinen adern fließt

 

© by J.G. 

Sonntag, 20. März 2022

kein anfang


madame

kommen sie

hören sie

das unsterbliche 

neigt sich 

zu seinem beginn

so schön

ihr ohr 

so nah 

an meinem

hören sie doch

im überhaupt

der körper

selbst

nimmt

hellauf

für wahr

in all den sterbebetten

reisend

in bewussten atemzügen

der materie

das

hier

im dahingehen

der tod 

am dasein stirbt

kommen sie 

schnell

machen sie ein Foto

 

J. G: 

 

in

erwartung mensch ©  August 2026  by  J. G: