Donnerstag, 12. Mai 2022

heller Tag

"Mit dicker Backe fuhr ich ins Dorf der Stadt, um sie zu besuchen.  

Meinem Klingeln an der unteren Haustür wurde nicht nachgegeben, doch ich traf sie im Weggehen auf dem angrenzenden Fußgängerüberweg.  
Gemeinsam gingen wir dann in ihre Wohnung, machten uns einen Cafe und redeten entspannt um den Tag herum. 

Gegen halb drei begleitete ich sie in die Strahlenabteilung der Klinik.

Dort, im zweiten Untergeschoß, bekommt sie jetzt für 7 Wochen jeden Werktag für 90 Sekunden Radioaktivität auf die rechte Brust gepulst. 
Diese Bestrahlung soll den Nochrest von Krebszellen aus dem Organismus hinter den Anfang von allem, ins Nichts verjagen. 

Aus ihren Beschreibungen hatte ich dieses Untergeschoß düsterer aufgenommen. Es war es aber nicht, zwar ohne Tageslicht, jedoch wie kräftige Flügelschläge, permanent Tür auf, Tür zu. 

Patienten im medizinischen Rollstuhl des Hauses rein, Angestellte mit Unterlagen in der Hand raus. 
Hallo und guten Tag, hinsetzen, warten wie überall. 
Der offene Warteraum des Flures in Glas, eingerahmt in Aluminiumschienen, die Wände im Anstrich lächelnd in Neuweiß. 

Ich saß da, schaute mich um, schloss ein paar mal auch die Augen, hörte dreimal die Aufrufe "Herr B., Kabine 2 oder 3“, "Frau K., Kabine 5 oder 6", "Frau H, Kabine 4 oder 5“.
.
 Im radioaktiven Strahlungskeller der Zivilisation fühlte ich mich zu meiner Überraschung nicht unwohl. 
Im Gesicht einer jungen Frau, die ihr bares Haupt unter einer braunen Mütze verbarg, konnte ich Mündliches lesen. 

Sie nahm die ganze Zeit mit einem ziemlich ernsten, aber nicht unfreundlichen Blick mit der linken Hand schreibend Eintragungen in ihr kleines Tagebüchlein vor, konzentriert und gewissenhaft.

Einmal nur in der ganzen Warterei, kurz bevor sie aufgerufen wurde "Frau S., in Kabine 1 oder 2 bitte", blickte sie auf und kreuzte wie der Flügelschlag eines Kolibris lächelnd meinen Blick. Vielleicht hatte sie ja mich gerade als ewiges Wort in ihr Tagebuch eingetragen, und das kurze Aufschauen in die Weite des Strahlungsraumes im zweiten Untergeschoss war die einigende Versicherung des Lebens, dass das Erlebte kein Ende hat und tatsächlich wahr ist, denn ich habe es selbst gesehen."

 ©   by  J. G:

Samstag, 7. Mai 2022

madame


kommen sie 

schnell

ja 

hier 

ein wenig auf die fußspitzen 

sehen sie doch

da

ja da

nichts und alles

in einem nest

schon vor allem

im überhaupt

des tages

schnell

madame

ihre kamera

ja

so is gut

noch ein kleines mü zur seite 

klick

o gott

sie allein

wunderbar


 ©   by  J. G:

Donnerstag, 7. April 2022

tief

im herzen

hinter allem aufwand

dem strom der zeit

ist es heiter

unendlich

heiter

madame

kommen sie

gehen wir ein paar schritte.

dorthin

an den rand

wo alles niederkniet


J. G:

 

Dienstag, 5. April 2022

stimmt so nicht


                                            „Die Menschen fahren die Welt gerade vor die Wand“

 

Lese ich immer wieder, nicht nur in diesem Tagen.

Immer wieder, der gleiche Fehler.

Man sagt, hier schießt man sich selbst ins Knie.

In diesem Missgriff wird das human Kreative der Entwicklung mentaler Lebensformen systematisch wie auch ignorant unterschlagen.

Die Spezies Sapiens schließt sich damit selbst in ein unbewusstes, starres Muster ein, das keine inhaltliche, also bewusste Entwicklung, individuell wie auch gesellschaftlich, keinen freien Aufgang in die Menschwerdung zulässt.

In Unkenntnis dieser Zusammenhänge ist die Spezies in diesem Muster angehalten, um das Problem zu lösen, auf sich selbst mit dem Gewehr zu zielen, das Menschsein zu verhindern und letztlich sich selbst immer wieder zu töten.

Seinen Nachbarn und damit sich selbst.

Ein elender Kreislauf von Gewalt und Selbstzerstörung steht seit Jahrhunderten auf dem Spielplan dieser Weltenbühne. 

Es handelt sich hier um ein unbewusst konserviertes Skript, in dem die Spezies Sapiens in Unkenntnis der tieferen, bewussteren Lebenszusammenhänge denkt und handelt. 

Das, das fährt gerade die Welt an die Wand. 

Dieses Betriebssystem verhindert mit Gewalt, Krieg, Vergewaltigung, Verachtung von Frauen und Kindern, mit Hunger und Elend, der systematischen Vernichtung der Lebensgrundlagen immer wieder den Aufgang in die Menschwerdung.

Wie jetzt auch in dem Land Ukrain zu sehen ist.

Das Menschenrecht, souverän, frei und ohne Angst mit anderen in guter Nachbarschaft zu leben wird mit Gewalt dem Erdboden gleich gemacht. Der Mensch soll Angst vor sich selbst haben und ist somit aufgefordert immer wieder Gewalt, aus Angst, gegen sich selbst anzuwenden. 

Seit Jahrhunderten geht das so.

In diesen Herrschafts-Szenarien von Krieg und Massenmord geht es nicht nur formal um den klassischen Machterhalt, sondern in ihm steckt inhaltlich der selbstmörderische Wahnsinn von der Vernichtung der freien Wahl, des friedlichen und bewussten Zusammenlebens, der aufwärtsgerichteten Entwicklung in eine Menschwerdung.“

Johan van der Leeuwen. 5.04.2022

 

Montag, 4. April 2022

butscha

weinen

weinen wirst du

bis kein tropfen wolga mehr in dir ist

weinen

weinen wirst du

dein mütterchen erschien dir heute morgen im traum

am langen tisch stand sie neben dir

mütterchen

sagte mit leiser stimme

jungchen

was hast du nur mit unserem schönen land rus, 

was hast du nur mit deinen brüdern und schwestern

mit all den kindern gemacht

schäme dich

weinen wirst du

jungchen

weinen

bis kein tropfen wolga mehr in deinen adern fließt

 

© by J.G. 

Sonntag, 20. März 2022

kein anfang


madame

kommen sie

hören sie

das unsterbliche 

neigt sich 

zu seinem beginn

so schön

ihr ohr 

so nah 

an meinem

hören sie doch

im überhaupt

der körper

selbst

nimmt

hellauf

für wahr

in all den sterbebetten

reisend

in bewussten atemzügen

der materie

das

hier

im dahingehen

der tod 

am dasein stirbt

kommen sie 

schnell

machen sie ein Foto

 

J. G: 

 

Montag, 14. März 2022

ganz Ohr


„Was die Entwicklung der Souveränität, der Eigenständigkeit und humaner Kreativität des individuell schöpferischen Lebens auf der Grundlage freier Entscheidungen betrifft, so sind wir  Sapiens nicht am Ende, sondern erst am Anfang der Evolution bewusster Lebensformen.“ 

J. G. 

das Meer hat Wellen


Luftmeer lautes4

Kinder 2

Stimmen 2

ein Mädchen3

der liebe Gott scheint verreist7

Tränen sind Wolken5

am kleinen Himmel5

kommen2

 neue Mütter neue Väter8


J. G: 


Im Vers

Radioaktiv 

O Flamme

Todloses Feuer 

Aller Erden

Mächtiges Kind

Im großen Leib

Millionentausendfach

Strahlst du

In Allem

Blendest aus der Tiefe

Heimwärts

Masselos 

Selig im Bogen empor

Brennst herrlich

Weiblich

Alles nieder

Sterbliches

Zu Grunde

Höre

Es fühlt

Es tastet

Sucht

Ja will

Physisch

Aus Ursprung

Das Eine

Bewusst

Leben

In Zwei

Materie in Materie

Ein Körper

Unsterbliches

hellauf

Neu erschaffen


J. G:

Sonntag, 13. März 2022

Anklage

"Für den Schaffenden gilt immer noch, was für Dante galt: Der Körper .... ist für ihn Seele." Rilke


Zarewitsch

Mit diesem krankhaften Größenwahn

Dieser vor aller Welt inszenierten Herrschsucht

Dem Krieg gegen das unabhängige Land Ukrain

Dem erbarmungslosen Morden

Richtest du einmal mehr

Das weite Land Rus

Dein Mütterchen zu Grunde

 

Zarewitsch

Die Höllenhunde

Nero, Hitler Stalin

Und all die anderen Massenmörder 

Sie warten schon 

Im Reich der Seelenlosen auf dich


Auf den Seiten der Geschichtsbücher

Wirst du von der Wahrheit

Von den Kindern der Welt

gerichtet sein

Die nachfolgenden Generationen 

Werden deinen Namen lesen 

Dort 

Auf diesen Seiten

Wo all die Verbrechen stehen

Die Verbrechen

An den Kindern, Müttern und Vätern

Den Verbrechen an der Menschheit

Der humanen Welt

Der Freiheit 

Der Kreativität

Dem unbändigen Willen des Lebens selbst

Dem Willen des friedlichen Zusammenlebens

Dem der Mensch mit Herz und Verstand

seinem tiefen Mitgefühl

mit seiner Musik und der Kunst

mit seinem Spiel

mit seinem Handwerk

seinem Denken und Handeln 

Gestalt gibt 

und schon immer Ausdruck verleiht.

 

Das Strafgericht der Freien Länder

Schreibt schon die Anklage.


Johan van der Leeuwen

zwei Groschen

 Café Größenwahn - Berliner Künstlerlokal „Ich bin nun zwei Abende nicht im Café gewesen und fühle mich etwas unwohl am Herzen.  Dr. Döblin ...