Mittwoch, 20. Mai 2020

Himmelfahrt


Madame
Kommen sie
Hier
Einen kleinen Schritt nur
Hinüber
Und wir haben die Erde
Weit unter uns
Sehen sie doch
Madame
Wie bezaubernd
Dort
Auf dem Sandweg
Kinder
Mit ihren Eltern
Sie Spielen
Kieseln
Werfen sie nach vorn
Madame
Jetzt
Sehen sie doch
Das eine Kind
Ein Stein
Es hebt ihn auf
Wirft ihn weit von sich
Oh
Wie hingeworfen
Das Kommen
Und das Gehen
Sterbliches
Im Unsterblichen
Kommen sie
Madame
Senken wir
Die Flügel
Gehen barfuß
Ein paar Schritte
Mit den Kindern
Und den Eltern
Oh
Hören sie doch
Den Gesang
Der Steinchen
Unter den Füßen
Wie Glücklich sie doch sind
Madame
Hier
Die Kamera
Schnell
Machen sie ein Foto

J. G: 

Sonntag, 17. Mai 2020

der Hit

"Versetze ich das Schauspiel „Elvis“ in das Jahr Null, 
in die Zeit der römischen Rechtsordnung, so verstehe ich in meiner Wohnstube der Einbildung den langanhaltenden Jubel um den Hüftschwung der Auferstehung jetzt etwas besser."

Johan van der Leeuwen

Samstag, 16. Mai 2020

Tauchgang

Madame
Schauen sie doch nur
Das Endlich
Im Unendlichen
Hiersein
Leben an den Ufern der Meere
Da ist nichts mehr zu wissen
Nichts mehr zu glauben
Kommen sie
Hier
Ihre Flossen
und das  Atemgerät
Gehen wir tauchen

 ©   by  J. G: 

Dienstag, 12. Mai 2020

Samstag, 2. Mai 2020

noch einmal



„Was die Entwicklung von Souveränität und Kreativität 
des individuell schöpferischen Lebens 
auf der Grundlage demokratischer Entscheidungen betrifft,
sind wir nicht an einem Ende,
sondern erst am Anfang der Evolution bewusster Lebensformen.“ 


Johan van der Leeuwen

Freitag, 1. Mai 2020

probentage



distanz
hügel der götter

J. G: 

2. Semester

materie
ist nicht nur lebendig
das sagt nicht nur alice im wunderland
sie trägt nicht nur information
sie gebärt auch in ihren zusammenhängen
in aufsteigender reihe
bewusste materie
die in ihren diversen lebensformen
das psychologische motiv
der selbsterkenntnis nach vorn trägt
sie
materie
leben
muss ganz neu buchstabiert werden

sie fragen berechtigt
von wem
und was
und wie

die ersten silben
könnten von den 3 milliarden alten zellen
in ihrem jungen körper kommen
sie senden und empfangen
das tägliche update
diese information passiert
auf der gleichungsbrücke
 der hintergrundstrahlung ihrer zellen
eine radioaktive passage
eine passage des "unteilbar diviert" 
des beginns von allem
für das heute

ohne diese information
könnte sich leben
nie und nimmer
 in diesen wundersamen zusammenhängen
zur kenntnis geben
es gäbe kein grünes gras
keine braune kuh
kein rotkelhlchen
kein lächeln des kindes
kein geburtstagsstrauß
 und auch kein erdbeerkuchen mit sahne

hören sie hin
es wird sie überraschen
und vergessen sie nicht
an den küchentischen
und in den Cafes
sich nebenbei notizen zu machen


die vorlesung ist für heute beendet
wünsche einen guten tag

Johan van der Leeuwen

Montag, 27. April 2020

Stunde um Stunde


Tag für Tag und Nacht für Nacht
Mit der Lore in den Kohleschacht
Immer tiefer hinein
Von Anbeginn
Hellauf entbunden
Schlage ich von weit her kommend
Mit der Übermacht von Äonen
Wie ein Eisenhammer liebeskrank hernieder
Leben für Leben
Meter für Meter
Breche ich den Flöz mit meinen Händen

Beharrlich ziehe ich meinen Karren
Fallend aufwärts
Weiter
Tiefe um Tiefe
Schicht für Schicht
Höher hinauf

Kindlich
Spaziere ich am Ende des Schachtes durch das gefräßige Maul
Spielend
Vorbei am ewigen Murmeln der Gesteine
Vorbei am unterirdischen Gedränge der Kontinente
Vorbei an dem weißen Staub der Schultafeln
Abwärts
Tiefer hinein
Zu der alles empfangenden Membran
Dem brennenden Saum
Am Hohlraum der Zeit

In dem feinen Cheviot
Undurchdringlich eingewoben
Der unbewusste Fels
Das Gestein
Die Ignoranz der Atome

Hauchdünn
Die Klagemauer der Gebeine
Pechschwarz
Die geteilte Welt
Totmachend
Der Film der Gedanken

Mit einem feinen Stich ins Herz
Zerschneidet das Zelluloid
Meinen Seelenleib
Messerscharf
In tausend Stücke

Endlich
Im Unendlichen dividiert
In allem Da
Das Mysterium der Myriaden
Atmet 
Radioaktiv aus dem Hintergrund
Ohne Widerstand durch die Zellwände
Aufgelöst
Im leeren Raum der Atome

Im Leib
Dann
Das Wort
Licht
Unendliche Teilung
Eins

Geöffnet das Jahrmillionengrab
Durch einen Spalt
Das Sehen
Physisch bewusst
Ich und Du
In einem Nest

Im Nebel des frühen Tages erlöst
Steige ich am Morgen
Mit schwarzen Händen aus dem Beginn

Aus meinen Händen 
Der ersten Regen
Tropft
Lebendig
Narrengold

In den Abendstunden dann sitze ich am Tisch
Ein Glas, ein Blatt, ein Stift
Der Himmel unter mir
Schreibe auf
Das Leuchten der Welt

J.G:

Sonntag, 26. April 2020

Gottesanbeterin

"Wird einem das Wort wie eine süße Frucht in den Mund gelegt, dann soll man auch davon probieren."

Die Woche ging schneller herum als ich mich umsehen konnte.
Mittwoch war ich wie alle Schulpflichtigen erledigt.
Fototermin in einer staatlichen Schule.
Der Auftrag,
Neugier.

Indianer, die Hölle ist nichts dagegen.
Jugend, o mein Gott, was für ein herrlich loderndes Feuer, was für ein segensreiches Aufwärts. Von morgens um 9 bis nachmittags um 4 findet es sich eingesperrt in einem nach ranziger Butter riechendem, rechteckigen Raum.

Eine Brandstätte aus kahlen Wänden, umgekippten Stühlen, heruntergerissenen Bildern, verschmierten Tischen.

29 mal aus dem Fenster starrendes, junges Leben.

Am Boden finde ich Achtloses,
Weggeworfen.
Das Lied des Lernens.
Leergut.
Stifte, unbeschriebene wie beschriebene Zettel,
Zerrissenes, halbe Radiergummis, angekaute Äpfel, weggeworfenes Brot, vollgerotzte Zementplatten.

Säuglinge des Lichts.

Den staatlich verordneten Pflichtschultag verschlafen sie, wie die Indianer in den Reservaten, da sie ahnen und wie alles junge Wissen partout nicht lernen wollen, dass junges Leben sterben muss.

14 Tage brachte ich in diesem Zuchthaus der Buchstaben, Zahlen und Seelen zu, umringt von einer herrlichen Affenbande aus halbstarken Muttersöhnchen und bauchfreien Lolitas.

Dann das erste Foto.

Vom Sturm der Begierde nach Freiheit entfesselt, löste ich mich aus der Zentralperspektive, driftete Stunde um Stunde, mit den Schoßkindern wie eine müde Herde von Quallen im großen Ozean zur Küste der Erwartung.

Pause.

Endlich am vorletzten Tag der fallende Beginn.

Das Motiv.

In der Früh.
Vor Sonnenaufgang.
Unausgeschlafen wie Stroh aus dem Vorjahr stiefelst du an die Weide, um bei den Ackerwinden nach der Choreografie der Pferde zu schauen.

Hinsehen. Wie immer.
Immer wieder genau hinsehen.
Ja, man muss genau hinsehen, hinsehen, wenn einer kommt, dasteht oder sitzt, und wenn einer geht.

Jim, Jenna, ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie, Schüler, alle kommen und gehen gleichzeitig.
Erstmals sah ich leibhaftig im jungen Habitus den hellen Tanz der Materie im noch unbewussten Leib.
Alles steht still und bewegt sich.
Gleichzeitig.
Grandios.

Der Eingang ist auch der Ausgang.
Das Lächeln der Mona Lisa.
Der Tod, ein Witz.

Schließe die Augen, Indianer.
Fühlst du den breiten Strom der großen Wasser.
Höre, welche Namen sie tragen.
Nil. Mississippi. Ganges. Jenessai. Rio Negro. Okavango. Jangtsekiang.

Im Angesicht einer Schülerin sah ich dann endlich die großen Flüsse aus den sieben Himmel strömen.

Seelendurst brannte in ihren Augen und mit ihm löschte sie alle Erinnerung von Schulweisheit aus. Erhaben glänzte das Unsterbliche und flog auf einem selbst geschnitzten Pfeil über den breiten Strom der Generationen selbst liebend ins Freie, während das tote Gehölz der Buchstaben gelehrt und müde an ihr vorbei trieb."

  © by J. G:



Das Schöne war, wenn eine künstliche Fliege an ihr vorbeizog,
hat sich die Gottesanbeterin zurückgelehnt und hat Zeitung gelesen.
Ganz anders als eine lebendige Fliege vorbeikam.
Da hat sie „Schnapp“ gemacht.“


v. Foerster

Samstag, 25. April 2020

vielfach

„Politisch passiert derzeit die molekulare Ablösung
des analytischen Stoffwechsel 
auf der Zellmembran
der Spezies Sapiens.

Ein Akt zur Menschwerdung."


  ©   by   Johan van der Leeuwen

in

erwartung mensch ©  August 2026  by  J. G: