Samstag, 28. Juli 2012

sonntag












sapiens hat frei 
mensch kann kommen

J.G:

guthaben











„Über eine Vakuum-Passage gibt der Mentalkörper der Zellen den physischen Informationswert der kosmischen Hintergrundstrahlung zeitfrei für den Aufbau bewusster Lebensformen frei.“ 

Johan van der Leeuwen

Donnerstag, 19. Juli 2012

Kilmurvy

18. Februar 1985, am Morgen

"Es gibt Tage, da würde man liebend gerne auf seinen Körper verzichten;

bevor der Morgen anbricht, lassen mir Fieber und Kolik vier Stunden Schlaf
und willkommene Erholung, die ich nutze, um ihn von mir zu trennen.
Beim Erwachen finde ich ihn auf Armeslänge wieder. Ich reibe ihn ab, ich
bürste ihn trocken und mit kaltem Wasser, ich frottiere ihn mit Kampfer, 
ich drehe ihn hin und her und wundere mich, dass ich ihn jeden Morgen
magerer und erbärmlicher vorfinde. Ich wickle ihn in Wolle und Leder, 
tränke ihn mit stark gezuckertem Tee - das einzige Nahrungsmittel, das
er erträgt - und schicke ihn dann auf die Straße, wo er sich vom atlantischen
Wind ernährt und wo ich ihn etwas später einhole, ohne das wir ein Wort
gewechselt hätten." 

Blätter von unterwegs, Seite 46, N. Bouvier

nichts












ist eine membran

M. McIron

nach vorn





















zum ursprung hin
sehen
was mich 
passiert


J.G:

Dienstag, 17. Juli 2012

Chaiber-Pass

"Ich hörte Kinderrufen, sehr hoch oben, auf der alten Nomadenstraße, und das leichte Abbröckeln der Erde unter den Hufen von unsichtbaren Ziegen. Der ganze Pass echote von kristallklaren Tönen wider. Ich sass eine gute Stunde unbeweglich da, ganz berauscht von dieser apollinischen Landschaft. Angesichts dieses ungeheuren Ambosses aus Fels und Erde war die Welt der Geschichten und Anekdoten wie ausgelöscht. Die Weite des Berges, der klare Dezemberhimmel, die laue Wärme des Mittags, das leise Brutzeln der Wasserpfeife und sogar die Münzen, di in meiner Tasche klimperten, wurden zu Elementen in einem Schauspiel, und ich war vielen Hindernissen zum Trotz rechtzeitigt angelangt, um meine Rolle darin zu übernehmen. Dauerhaftigkeit ... durchsichtige Offenbarung ... ruhiges Dazugehören - ..."

aus: Erfahrung der Welt, Seite 394, Nicolas Bouvier

passage











"Wer die Frage "Was ist Bewusstsein", beantwortet wissen will, der sollte sich näher mit der kosmischen Hintergrundstrahlung, ihrem Informationswert und den Vorgängen in einer biologischen Zelle auseinandersetzen." 


Johan van der Leeuwen

Freitag, 15. Juni 2012

weder







ist es das eine

noch das andere
es ist beides
beides gleichzeitig

Johan van der Leeuwen

Sonntag, 10. Juni 2012

deine hände


„Ich selbst, eine alte Mutter im blütenlosen Gewand, war einstmals eine schöne Frau, voll heller Träume und verbotener Wünsche, voll erfüllter Liebe und sich sehnender Hingabe an die Meere und Küsten, erhellt von den Überfahrten des Lebens, von den Stunden der Liebe erhoben in die glückselige Gewissheit ewigen Ruhmes.

An dem Tag, da ich geliebt wurde, tat sich vor mir eine Welt auf, eine himmlische Weite, die jede Zelle meines irdischen Leibes mit Jubel beschenkte.


Ein zarter Ton bemächtigte sich meines Leibes und erhob mich aus der Sterblichkeit in ein goldenes Feld, das ich seitdem als Liebe erinnere.


An diesem Tag saß ich mit meinem Liebsten auf einer Anhöhe.

Vor mir lag die weite Ebene, ein Sommerhauch.

Mit dem Kuss des Liebsten nahm ich einen Atemzug saphirblauen Meeres, feierte im Niedersinken den Festzug des Logos, umarmte mit beiden Händen das hell pulsierende Seelenfleisch, das unsterbliche Kleinod des Leibes, liebkoste die ins unendlich erhobene Null aus grüner Jade, fühlte endlich im Unendlichen das Aufbrechen des Felsens, nahm den Kuss des Honigmondes an mich, die glückselige Empfängnis, das göttliche Kind, Augenweide meines Schoßes.


Dieser Ruhm, ehemals heller Glanz und Thron meines Daseins, Morgenrot meiner Seele, entschwand aus meinen Tagen, floh aus meinem Lebensbild, wandelte sich im tränenreichen Verlust zur mich niederbrennenden Heimsuchung.


Im Schlachtenlärm des Überlebens verblasste die Erinnerung an diesen Tag und der Leib des Wortes legte sich im Verborgenen ins Unerhörte selbstvergessen nieder. Mit keinem anderen Erlebnis, mit keiner Umarmung, keinem materiellen Besitz, mit keinem heimlichen Liebhaber, mit keinem tötenden Gedanken an mir selbst, konnte ich das Ereignis in mir erneut beleben.


So kam ich in den Wochen, Monaten und Jahren danach nicht umhin diese Liebe als sinnloses Treiben einer wahnwitzigen Idee anzusehen, die mich im Blitzlichtgewitter des Dünkels auf den Gipfel der Einbildung gesetzt hatte.


Eine Tragödie der Königinmutter, die in mir seitdem flüsternd wuchert und meinen Liebesleib in einen ketzerischen Kadaver hexte, ein Leichnam, der in sterblichem Gehorsam mit keinen anderen Gedanken ausgestattet ist, als Rache zu nehmen, Rache zu nehmen an all den Jungfrauen, die mit ihrem Liebsten an mir vorbei zur Anhöhe wandern.


Der Grimm, der mir seitdem mit jedem Wort bitter aus meinem Munde eitert, sich mit einem ganzen Regiment von Hohn in Widerhaken ins junge Fleisch wirft, will das junge Leben irrsinnig warnen, nicht hereinzufallen auf das absurde Hirngespinst, das mich seit jenem Tage um den Verstand bringt.


Heute nun, in dieser frühen Stunde, mit dem Fallen des ersten Schnees, wurde dieser nachtschwarze Schleier von mir genommen. Dafür der Dank an dich, meine geliebte Tochter.“  

2012 © by J. G: 

in

erwartung mensch ©  August 2026  by  J. G: