Sonntag, 23. Juni 2024

auf dem Tisch

 des Hauses

Der schöpferische Wille.

Zu sehen auf der Bühne des Welttheaters.

Dieser Lichtsatz überholt still das versagende, analytische „Verstehen“ des Sapiens, das so hilflos korrupt dahin debattiert, Krieg, Gewalt und Elend am Leben nicht zu beenden weiß.


Johan van der Leeuwen 



Sonntag, 16. Juni 2024

und du


ziehst du vorbei an homer
vorbei an columbus
vorbei am diabetiker rilke
und alle den schwergescheiten
und still geweinten
ziehst du vorbei
an all den namen und zahlen der jahrhunderte

mein könig
es ist zeit einen mantel zu tragen
aus der metropole zu fliehen wird nicht einfach sein
die grenzen sind bereits geschlossen und
mit doppelter bewachung versehen
der behämmerung der rasenden stadt
ihren verflucht günstigen krediten
und all den quoten und talktürmen
entfliehen wir am besten zu dieser frühen stunde

in solcher zeit bewahrt uns kein grundsatz
vor verfall und mordbanden
in solchen zeiten des irrsinns, mein könig
schwärze ich mir zum schutz gesicht und meine nackten füße
ziehe damit grundlos vorbei und hinunter
nah heran
und dann weiter

dann hocke ich so wie damals
dicht am geschichtslosen feuerrand
neben mir der wuchtige arthur rimbaud
immer noch ein frühreifer
nach monsieur izambart
ein jähzorniger, brutaler kerl
mit derben fäusten

mit diesen fäusten
schlägt er noch heute jedwedem erbe
eins in die fresse

aus der hosentasche
kramte der afrikanische waffenschieber damals
ein stückchen käsepapier
le bateau ivre
o du mein trunkener kahn
rotzte er in das himmelweite lager

alles fiebrig
und noch immer unfruchtbar für alles seßhafte geschreibsel

so stocherte er mit seinen kurzen fingern
ein stück hartkäse aus dem papier
schob es hungrig in den mund
den schmierigen zettel
stopfte er mir in die rechte hand

ich merkte wie meine augen
hinter zwei schmalen sicheln versanken
an die brandung damit
stieß er in seiner schwindsucht hervor
dann siehst du die millionen goldener fische

ein verknülltes stück papier hielt meine hände
es roch nach mutter, licht und ziegenkäse
na los, mach schon
oder willst du warten bis die diebischen augen alles verderben

ich strich das papier auf meinen knien glatt
hielt es hoch
höher
höher
fluchte er
schräg verdammt
da
sieh doch

mühsam beugte er vornüber
schlug dabei beide fäuste 
in das faulige wasser

was hielten damals meine hände, mein könig
was sah ich

ich sah hindurch
das erinnere ich noch gut
durch alles hindurch

seltsam
heute
ja heute
vor meiner flucht aus der großen stadt
kommt es mir so vor
als hätte ich nach unten gesehen
so wie man in eine hafenpfütze schaut
darin den himmel und eine halbe laterne erblickt

31.01.2008

© by  J. G: 

Donnerstag, 13. Juni 2024

in der Welt


Das kleine Mädchen

Mit einem rosa Kleid

Bummelt

Fünf Schritte

Dem Vater hinterher

Mit der rechten Hand

Schiebt sie

Ihre Babykarre

In der anderen

Ein halbes Brötchen

Den Blick im Himmel

Ihr Mund geöffnet 

Buchstabenlos




  ©   by  J. G


Mittwoch, 22. Mai 2024

eingeboren



„The open human mind… We are never done with it. 

Never.” 


Marianne Heske   


Künstler aus Norwegen

Teilnehmer der Tangen Collection 

im neuen Kunstsilo Museum in Kristiansand

Südnorwegen

 


Samstag, 18. Mai 2024

so spät noch

Monsieur, 

kommen sie herein

mein Atelier steht ihnen offen

ach ja

das große Bild

bin noch nicht ganz fertig

ihren Brief habe ich gelesen

sie schreiben

in Punkt und Strich

ergeben sie sich nicht

dem Bocksgesang 

tauchen ihre Silben 

nicht in den Spiegelsaal 

seelenloser Macht

und seinem unbewussten Gestühl

einzig und allein

um Umkehr und Einsicht

mit abgeschlagenen Köpfen

auf Leichenbergen 

bei dem zahlenden Publikum 

 im Theater zu erzwingen

kommen sie ein paar Schritte mit

in den Nebenraum

das hier wird ihrem Bleistift gefallen

sehen sie

auf diesem Bild

habe ich schon

für die untere Fläche

Nepalgelb erwogen

über dieser balanciert das Wort

genau

auf einem dünnen schwarzen Strich

über ein endlos

dividiertes Hiersein

was sagen sie

das Wort genau 

ist der Dichter des divine

geben sie mir mal bitte dort das Malachit Nr.8


  ©   by  J. G






Dienstag, 14. Mai 2024

sternenstaub

seele

aus dem haus


  ©   by  J. G:


Nachmittagsvorstellung

Dienstag.


Kinokarte, 14 Dollar. 

Titel: there is trouble on the horizon 


Verlasse den Kinosaal vorzeitig.

Raus aus der Vorstellung. 

100 Milliarden Zellen ohne Zelluloid.

 

Schleiche mich aus dem Saal, gehe durch den langen Flur, an dem Kartenhäuschen vorbei, die Kassiererin hinter dem Schalter fragt mit einem bekümmernden Gesicht, „was is, nicht gefallen". Der Kopf kreiselt wie ein indischer Sadhu, winke ihr noch zu. Dann betrete ich in den frühen Abendstunden, es ist noch hell, die neue Welt.


Ein frischer Wind landet kühl an meinen Schläfen, hebt meinen Blick auf über die Häuserreihe gegenüber. 

Schaue nach links, schaue rechts. Dazwischen, Ewigkeit.


Mit beiden Füßen senkrecht auf der driftenden Krume. 


Mit einem tiefen Atemzug passiert mich der Teer des Asphalts, die Explosionen der Motoren, die  Gewänder und Schuhe der Leute, die vorbeiplaudernden Münder, der graue Löwenzahn am Straßenrand, das Klingeln der Räder, der Schauer der Neutrinos, die Pommes der Imbissbude, drei Mädchen im kichernden Rausch der Vanille, die Radioansprache des Erdkerns, der wolkenlose Himmel über Berlin, der weite Raum ohne Signale.


Kein Weißabgleich, keine Punkte und Striche.

Die silbrigen Schiffchen aus Papier sind alle verschenkt. 


Der erste Schritt.

Schon vor allem.

In einem Nu.

Hinaus.

Ohne Membran.

Premiere.

Ins Leere fallen.

Herrlich weiblich.

Eine Sensation.


  ©   by  J. G:







Donnerstag, 9. Mai 2024

der Morgen

„Geschärft sind seine Pfeile

Und alle seine Bogen gespannt.

Wie Kiesel sind die Hufe seiner Rosse

Und gleich dem Sturmwind

Die Räder seiner Wagen“

Jesaja 5,28



 

Vor mehr als zwanzig Jahren bekam ich ein Buch in die Hände. Ein Buch über Kulturgeschichte der Aborigines in Australien. Von ihnen wird gesagt, dass sie ihre Kultur schon über 60.000 Jahre schriftlos in sogenannten „songlines“ überliefern. 


Mein halbes Leben sind mir philosophische Fragen auf den "Versen", „woher komme ich“, „wohin geht es“, und vor allem, „wer sind wir" in all dem kosmischen Reigen. 


Die Kultur der mündlichen Überlieferung fasziniert, das gesprochene Wort, der Klang, die Bedeutung des Rituals in dieser Lebensart.. 


Die Aborigines, so steht es am Beginn des Buches von Robert Lawlor, betrachten den Lebenslauf als einen ewigen Fluss von Zeremonien, Tänzen und Ritualen, in denen sie das Leben selbst und seinen geheimnisvollen Ursprung feiern.


Wenn die Kinder in dieser Kultur in der Reifezeit sind, sie größer werden, reifen, ihren Eltern fast auf den Kopf spucken können, dann werden sie eines Tages Teil einer Initiation. 


Die Kinder der Aborigines leben in diesem Ritual für einen Tag und für eine Nacht, bis zum nächsten Morgen, in einer Hütte. 

Tanten, Onkel und Paten der Eltern in dem Dorf tanzen und singen mit Klagelauten und Gesängen einen Tag und eine Nacht um die besagte Hütte.


Mit ihren Liedern beklagen die Tanten, Onkel und Paten das "Ableben", den "Tod" der Eltern der Kinder, die in der Hütte den Gesängen lauschen und zuhören. 


Da die Kinder in der Hütte noch Kinder sind, wenn sie die Hütte betreten, glauben sie, je länger die Wehklage dauert, dass ihre Eltern wirklich gestorben sind. Das Ritual dauert so lange an, bis das halbe Dorf, das inzwischen um die Hütte versammelt ist, bis sie alle das Jammern, Weinen und die Wehklage der Kinder in der Hütte hören. Erst dann ist das Ritual erfüllt und das Geheimnis des Lebens in ihnen überliefert.


Der neue Tag.


Die Hütte öffnet sich und vor der Hütte stehen die Eltern der Kinder und drum herum das halbe Dorf.

Voller Freude stürzen die Kinder, die „erwacht sind“, mit ihren Tränen in die Arme ihrer Eltern.


Erst jetzt, mit den ersten Sonnenstrahlen, finden die Kinder sich von der Wärme des Tages eingesegnet in die Freude, die Fülle und in die Verantwortung eines eigenständigen Lebens.


„SICH SEHEN“ – das Abenteuer beginnt. 

 

„das Werk ist vollendet,

sie entdeckten diese Weite selbst,

auf der ein Deckel liegt“

Riga Veda V.29.12



Johan van der Leeuwen 

 

Mittwoch, 1. Mai 2024

o ihr wachenden


"Die Mauer behindert den Service
für die Menschen."

Briefträger in Palästina

3. Juli 2011


  ©   by  J. G:

Wellengang

der fromme Glaube

ja bald 

in der Zukunft

am besten schon Morgen

einem großen Weltreich anzugehören

und damit Frieden und Sicherheit 

Menschsein 

und Zusammenleben zu erwerben

hat sich im Laufe der Geschichte

gestern wie heute

immer wieder und wieder

nicht nur als Chimäre erwiesen

sondern als blutiges Schlachtgemälde

für unbewusstes Hantieren

mit dem 

was Leben

Dasein und Werden 

auf diesem Planeten ist.


Die einfachen Leute, 

die an den Küchentischen

und in den Cafés der Welt

zusammensitzen und miteinander reden

die wissen das 

und entziehen schon lange diesem Gemälde

Strich und Farbe

Herz und Verstand.


Johan van der Leeuwen



auf sich

den stein schon ewig zeitlos unterwegs in all den lichtjahren nun bei den gelben blumen den schmetterlingen dem schwingen der luft ©  August...