Freitag, 24. März 2017

creamus ergo sum I.

Unveröffentlichter Vortrag von Johann van der Leeuwen im Club of Rome im Jahr 1999

Meine Damen und Herren,
Würde und Kreativität des Menschen sind unantastbar.

Aus ihnen schöpft der Mensch seine individuelle Begabung und trägt damit bewusst seine Mitverantwortung für die Einheit und Vielfalt des Lebens.


„O Gott welch ein Augenblick...“
Leonore nimmt Florestan die Ketten ab.
aus: Fidelio, L. van Beethoven


Die Wirtschafts- und Währungsunion Europas steht am Beginn dieses Jahrhunderts vor einer weiteren Herausforderung.

Die Kommunikationswelt der Globalität verlangt nach einer Neugestaltung des sozialen Zusammenlebens. Wie die Einführung einer gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsunion braucht Europa für das freie Zusammenleben der Menschen eine neue Währung des sozialen Zusammenlebens, eine neue Bildung.

Die Prägung dieser gemeinsamen Währung und hohes Bildungssiegel Europas hat zwei einträgliche Seiten:

- die halbe Klasse in den Bildungseinrichtungen
- Verankerung von Kreativität als Freiheitsrecht in der europäischen Verfassung

Meine Damen und Herren,
Der Weg zu mehr Sicherheit und Wohlstand in Europa führt über das Freiheitsrecht der Kreativität.

Die damit einhergehende Differenzierung subjektiver Begabung in den neuzuschaffenden Bildungseinrichtungen, wird kreative Kräfte und Wissensressourcen freisetzen, die für ein globales Zusammensein in Frieden und Freiheit im 21. Jahrhundert erforderlich sind.

„sieht jeder das Ganze, sind wir in der Musik“ M. McIron

Die Anstrengungen zur Realisierung dieser Währung wird die nächsten Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Meine Damen und Herren,

Realisiert Europa diese pragmatische Vision, so steht dem gemeinsamen Haus eine Belle Epoche bevor. Sie stellt nicht nur ein neues wirtschaftliches Wachstum in Aussicht, sondern ebenso eine soziale Entwicklung der menschlichen Gemeinschaft sowie eine kreative Entfaltung des Individuums in seiner schöpferischen Begabungsverantwortung.


„So ist das Geld zwar erste Substanz,
jedoch nicht ursprüngliche Kraft eines wirtschaftlichen Unternehmens.“ J.G:


Diese Vielfalt an Begabungen und die daraus entstehende Verantwortung des werdenden Menschen für sich selbst und die Gemeinschaft ist die Basis jedes wirtschaftlichen und sozialen Reichtums.

Kreativität ist das Freiheitsrecht des 3. Jahrtausends, das Grundrecht eines jeden Menschen.

„Anstelle von Heimat
hatte ich die Verwandlungen der Welt“
Nelly Sachs

Umso mehr gilt dies in einer Zeit, dass man Kommunikationszeitalter nennt. Für die private wie gesellschaftliche Gestaltung einer globalen Wissensgesellschaft braucht der Mensch die demokratisch verfasste Garantie dieses Freiheitsrechts. Der verfassungsmäßige Zugang zu dem Freiheitsrecht der Kreativität erwirkt die Ermutigung und die Aufforderung Begabgungsverantwortung jedes einzelnen Individuums über den Bildungsweg einzubinden in den sozialen und politischen Gestaltungsprozeß der Gesellschaft.

Meine Damen und Herren,

Dieses Freiheitsrecht, in einer gemeinsamen europäischen Verfassung festgeschrieben, wird helfen die Grundrechte des Menschen in Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit im 21. Jahrhundert weiter zu verwirklichen und damit die Würde des Lebens Schritt für Schritt einzulösen.

„Wach auf! Wach auf!
Du Schläfer des Schattenlandes, erwache, dehne dich.“
W. Blake

Europa erhält mit der Realisierung einer gemeinsamen Bildungswährung die historische Chance, das Freiheitsrecht der Kreativität als sozialen Anlagewert einer neuen, globalen Ethik im Dialog der Kulturen zu etablieren.

Die „Würde“ ist die säkularisierte Form der Erhabenheit, der „Göttlichkeit“ des Lebens. Ein Ringen der Natur wie des Menschen, in aller Vielfalt, nach dieser Freiheit.

„Alles, was in der Welt der Elemente wirklich existiert,
sendet in alle Richtungen Strahlen aus, die die gesamte Welt erfüllen.“
Al Kindi 9. Jahrhundert

Es ist das gesamte Unternehmen Leben, an dem der Mensch teilnimmt, das ihm diese aufrechte Haltung abverlangt.

Meine Damen und Herren,

Halber Stein, weniger Druck, mehr Höhe.

Dies ist eine einfache Formel aus dem Handwerk der mittelalterlichen Bauleute. Erworben haben die Handwerker diese Erkenntnis im Übergang von der romanischen in die gotische Bauweise.

Wenden wir dieses Wissen der baulichen Handwerkskunst an, übertragen sie kommunikativ als Grundriss auf die wertbaren Bildungsgänge, halbiert sich auf diesem architektonischen Flussbett das quantitative Maß der gesellschaftlichen Arbeit, es wird allgemein weniger Verwaltungsdruck notwendig sein und in der Folge wird dieser Grundriss zu mehr Selbstverantwortung der einzelnen Teilnehmer führen. Als wirtschaftliches Ergebnis erreichen wir durch diese kreative Wachstumsformel eine hochwertige Anhebung des allgemeinen Niveaus, da mehr Zeit und Muße für das soziale Miteinander zur Verfügung steht.

Meine Damen und Herren,
Die seit der Aufklärung in den demokratischen Verfassungen auf den Menschen übertragene „Würde“ des Souveräns bleibt ohne das Freiheitsrecht der Kreativität historisch wie individuell unerfüllt.

Da es heute evident ist, das alles mit allem verbunden ist, nimmt der Mensch in der Tiefe seiner Lebensphysik teil am Unteilbaren, in seinem individuellen Maßstab teil am inneren Zusammenhang des Lebens.

Meine Damen und Herren,
Diese jeden Tag sich aktualisierende Lebensphysik, das pulsierende Wissen von Zusammenhängen, das ist das Gold, das Öl, die Energie, das ist das integrale Wissen, der neue Kontinent, der tragende Baustein des Jahrtausends, den es gemeinsam zu entwickeln und miteinander gesellschaftlich tragfähig zu kommunizieren gilt.

"Nie ist Wissenschaft anders entstanden
als durch poetische Anschauung."
Emerson

Da Materie und Bewusstsein äquivalent sind, sind die Kohärenzen nicht nur molekularbiologisch für den weiteren Fortgang der Evolution von enormem Gewicht, sondern sind ebenso von mentaler und damit psychologischer Bedeutung für das soziale Zusammenleben.

„In der Tiefe ihrer selbst weiß die Materie schon vor allem,
dass sie am Leben bewusst wird, ohne jeden Zweifel“

Johan van der Leeuwen


Um das Wissen der neuen Lebensphysik effektiv in der Breite einer Allgemeinbildung zu fördern ist eine souveräne Geste politischen Verwaltung erforderlich.

Ähnlich wie in der technologischen Entwicklung der Kommunikationsindustrie wird sich die kreative Lernleistung durch die mathematische Halbierung der Anzahl der jungen Menschen in den Klassen potenzieren.

Eine einfache mathematische Rechnung, die sich in einer effektiven Förderung von individuelles Begabung, kommuniziertes Wissen und persönlicher Verantwortung auszahlen und langfristig zu einem nachhaltigem sozialen wie wirtschaftlichem Wachstum führen wird.

Die neue Lebensphysik verlangt nach einem öffentlichen Lebenszeichen, verlangt nach einer neuen Lernarchitektur, nach mehr Kreativität, unnachgiebig nach mehr humaner Prosperität in den wirtschaftlichen wie sozialen Beziehungen.

„...aber der Baum und das Kind suchet,
was über ihm ist“ Friedrich Hölderlin

Meine Damen und Herren,
Um diesen sozialen wie wirtschaftlichen Reichtum zu einzuleiten, zu entwickeln und letztlich als Gewinn für die Gesellschaft zu verbuchen, ist vorerst nur eine einzige formale Voraussetzungen zu erfüllen: eine Halbierung der Schulklassen.

Durch diese strukturelle Veränderung der Lernarchitektur wird es den Lernpartnern ermöglicht, die hochwertige Wissensressource des 3. Jahrtausends, das Wissen von Zusammenhängen, von innen nach außen zu fördern

Der Mensch wird über die verfassungsrechtliche Aufnahme der „Kreativität“ in einer europäischen Charta aufgefordert, die Würde des Menschen in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit mit einem hohen Maß an kreativer Begabung wie Verantwortung einzulösen.

Meine Damen und Herren,
Würde verlangt nach Kreativität. Sonst ist sie nicht souverän.

Durch diesen grundlegenden Bildungsschritt erhält der Mensch rechtlich die Möglichkeit der Selbstverantwortung für sich und seine Mitwelt übertragen.

Diese Verantwortung kann er jedoch nur wertbar für sich selbst und die Gemeinschaft ausfüllen, wenn öffentlich begrüßt, erwünscht und gefördert wird, dass das Individuum die Würde des Lebens in seinen Begabungen kreativ entwickelt und in entsprechenden Sozialformen des Zusammenlebens frei einbindet.

Die Position des Menschen als „Mitschöpfer“ verlangt einen Richtungswechsel in der Didaktik wie in der Methodik der Wissensförderung: von Innen nach Außen.

Der Mensch ist begabt aus sich selbst heraus zu schöpfen, so wie die gesamte Evolution seit 4 Milliarden Jahren aus ihrer inneren Lebensphysik kreativ schöpft und in einer aufsteigenden Reihe immer wieder neue, höhere Lebensformen hervorbringt.

Diejenige Wirtschaftsgemeinschaft, die sich im 21. Jahrhundert in der Lage zeigt, das Wissen von Zusammenhängen zum Wohle des einzelnen Menschen wie der Gemeinschaft von innen nach außen kommunikativ zu fördern, wird sozial prosperieren und wirtschaftlich wachsen.

Meine Damen und Herren,
Der Durchbruch in diese neue, globale Wirtschaftszone des Planeten, über den erreichten Ereignishorizont hinaus, hinein in einen Raum sozialer Potentialität, schöpfend aus „alles ist mit allem verbunden“, hinein in das Fortschreiten eines globales Zusammensein, hinein in eine neue Epoche humaner Evolution, all dies lässt sich im 21. Jahrhundert nicht mehr aus einem die inneren Zusammenhänge ignorierenden Denksystem, aus einem ausschließlich rationalen Geist und seiner Wachstumsformel Geld heraus beobachten, managen und vermarkten.

In dem neuen Ereignisfeld globalen Zusammenseins lässt sich dies alles nur wertbar fördern, entwickeln, gestalten, bewirtschaften und leben, wenn dieser integrale Informationswert des Lebens, wenn die mentale Kohärenz der inneren Lebensphysik, wenn dieser Lichtsatz als innere Wissensquelle breiten Einfluss findet in dem allgemeinen Bildungsprozess des Lebens.

„... damit das innere Licht dem äußeren entgegentrete.“
J. W. v. Goethe

In dieser Ausdehnung und Vielfalt präsentiert sich Lebensmaterie völlig neu, physisch bewusst, lebendig und in Vielfalt ungeteilt.

Meine Damen und Herren,
schenken sie zum Schluss des Vortrages ihre Aufmerksamkeit den Worten eines 11 jährigen Schülers, der sich mit seinem schulischen Scheitern am Gelingen der Welt versucht:

M. Seehase, 11 Jahre: Wissen sie, dass das Leben einen höheren Sinn hat?“
Lehrer: „Ja. Und was fangen wir damit an?“
M. Seehase: 11 Jahre: „Schöpfen“.

© J.G:

Freitag, 24. Februar 2017

Allerorten

Die Katze ist aus dem Sack.

"Volk" wird wieder in Marsch gesetzt.
Wie immer, aber anders.
Das Banner der Menschenfresser geflaggt.
Am Stadtrand,
die Mördergruben bereits ausgehoben.

Kein Mensch folgt mehr diesen Totengräbern.
Johan van der Leeuwen

könig von kish













Erhaben
Die Tochter des Himmels
Erhaben ihre Macht und ihre Schönheit
Erhaben der Glanz ihres Reiches

Mein König

An allen Ecken und Enden
Aufmarsch und Erosion
öffentlich
feudale Landnahme
Modern Talking
Mann
umbringen
Frau vergewaltigen
Kopf ab
mein Land

am Ende
alles nur Reklame
tote Kinder
die Werbekampagne
für Schuld und Rache
Bonbons und Explosionen
ganz real
am Boden
das Abendland
im Morgenland
rot verwischt
der Zauberschleier
Tod
um jeden Preis
ein gigantisches Wachstum
ganz exklusiv
und edel präsentiert
die Quote
der tödliche Gewinn
nackt und furchtlos
der antike Held
mit breiter Brust
vorneweg
das Regiment der betäubten Väter
die Mütter
die Liebesnarren
wie immer
wund geschlagen
kniend vor dem Massengrab
das letzte Mal
die kurze Andacht
Denkmal aus Vulkangestein
seit Jahrtausenden
das letzte Gefecht

You want it– yeah
You want it– yeah

es eilt
hochgerüstet
und smart gereiht
es eilt es eilt
Sichtblenden
Nervosität
Konspiration
und all die lila Diener
mit dem privaten Fahrstuhl
nach oben
der Top Termin
technisch auf dem höchsten Stand
moderner Höllentrip
am Stammbaum der Primaten
auf dem allerletzten Ast
im obersten Stock
Kreditgeschäft
Geld und Zucker
kolossal
Ersatzstoff
ruhelos
betörend
berauschend
erregend
erschütternd
massenhaft
die Variation
identisch
alkoholisiert
militarisiert
genetisch infiziert
total
der Spaß

der Krieg
reine Verwechslung
der Glanz
auf den Knöpfen
macht sie alle
irre
befiehlt
in allen Höhen und Breiten
in allen toten Winkeln
in allen Tiefen des Alls
äonenlang
den Feuerruf
die Suche der Materie
nach sich selbst

Mein König

Weltöffentlich
das Maß der Täuschung
die Illusion
vom Ursprung getrennt
das große Selbst
der generelle Fall der eignen Spezies
grandioser Selbstbetrug
fanatische Frömmelei
Schulweisheit
Verfälschung
luxuriöse Drift
der steile Ritt des Planeten
auf dem ruinösen Bullen
abwärts durch die fetten Schluchten
hinunter in den bodenlosen Schacht
rauf auf den blanken Opfertisch
hin zur der Warenpracht

Mein König

in den Taschen der Masse
ein Materieloch
blankes Entsetzen
Nichts strahlt jetzt mehr
als Das
in den Auslagen
auf den breiten Tresen
die Jahrhundertlosung
bereits im freien Fall
Arbeit macht frei
ganz und gar elend die Konzentration
in allen Banken und auf allen Altären
der Handelsmetropolen
in die Tiefe der Tiefen
in die Taschen des Metalls
an den grünen Tresen des blauen Balls
hinein in das blitzsaubre Geschäft
mit einem Klick
hinein in den gnadenlosen Hochglanz
der absoluten Freiheit
heute im Sonderangebot
alles doppelt
verblendet
versklavt
das kapitale Bauwerk
im letzten Stadium
doppelt und dreifach
unbewusst
die Arbeit der Arbeit
Konsumarbeit
Business
freier Eintritt
Meine Damen meine Herren
Liebe Kinder
Freier Eintritt für alle
Helfer und Mithelfer
Zivilisten und Parteisoldaten
schnell schnell ihr Mütter
Bürger, Bauer, Edelmann
es eilt
auf der Erde
es eilt
hinein ins Vergnügen
im Park der Sensationen
wartet das Ungeheure
der letzte Zeitvertreib vor Ladenschluss
Sudden Death
die geile Cocktailparty
kreuzdummes Buhlen der weißschwarzen Riesenegos
der tote Monsterrapp
reißender Absatz
mein Herz
postmoderner Koksverkauf
eine grandiose Linie
die elende Gier
um Markt
und Masse
in Pelz und Position
Parteitag der Primaten
gnadenloses Kreisen
um die sonnenlose Welt

dort unten
zwischen den blauen Meeren
die letzte Schlacht
um die feudale Macht
alle Widerstände
beseitigt
diplomatisch bereinigt
von den Geheimdiensten
der krude Pakt fest geschmiedet
im ersten Quartal
das Attentat
weltöffentlich angekündigt
und gut vorbereitet
der geheime Aufmarsch
Plan Null Eins
hundertprozentig
wir gehen rein


Mein König

früh
im weißen Licht von Ur
kurz vor dem Ende der kosmischen Dekade
ergeht der gewaltig machtlose Befehl
Überfall
Einmarsch
Selbstzerstörung
die totale Offensive
der schon innerlich Entthronten

doch dieses Mal
dieses Mal passiert beides
Offensive und Offenbarung
beides
passiert gleichzeitig
den Liebeskörper
total global
durchsichtig für alle
innen
bereits hochentwickelt
der Aufgang
helle Materie
doch bislang nur im Negativ
zu sehen
der Lichtsatz
im goldenen Körper
der Silben

Mein König

Erhaben
Die Tochter des Himmels
Erhaben ihre Poesie
Die tiefer und höher hinaufreicht
Als Leben und Tod es je vermögen

Anmutig weidet Inanna
Die Tochter des Himmels auf dem gestuften Opfertisch
Unsterblich strahlt
Der große Lebenskörper
Liebe
Erde
Mein König
Erde von Uruk

  ©   2017  by  J. G:


Ein Poem an den König von Kish,
vor Jahrtausenden König in Mesopotamien und König von Ur.
Geschrieben wurde das Poem zu Ehren seiner Tochter Inanna,
die Verse schrieb.

Dienstag, 21. Februar 2017

Meine Lieben,

danke für die Grüße aus der Provence.
 Ich schicke Euch einen Song mit Gregory Porter, „Take me to the Alley“ 

Ja, die Endlichkeit, das ist schon so ein merkwürdiger Referenzwert.
Je jünger man wird im Lebensalter, je mehr sieht man sich veranlasst sich auf ihn zu beziehen, ist doch seltsam, oder?

Oft höre oder lese ich dieses „zum Schluss“ oder „am Ende“ will ich noch mal….
Ja; wie denn zum Ende? Was für ein Ende?

"Verzeihen Sie diese Nähe.
Doch die Offenbarung der Kindheit will verraten sein. Nicht erst nach Schicksalsschlägen. Es sind jene hellen Stunden, in denen die Erde in allem erblüht und das hingeworfene Leben von innen aufscheinend erkennt, warum es strahlend in diese Welt entbunden ist.“

Ich schaue mich um, in jede Himmelsrichtung, das ist doch nicht zu glauben, nirgendwo ein solches Ende zu finden, weder im Weltenall, noch in dem Raum der kleinsten Teilchen, kein Ende, einfach kein Ende und kein Anfang in Sicht.

 Von wem und wieso bin ich angehalten mich auf jenes Ende zu beziehen, nur weil ich eines Tages meine Koffer packen muss?

„Mit dem gelassenem Schritt von Millionen von Jahren ziehen die Dickhäuter grau und erhaben direkt vor mir über die Ebene hin zu den Wasserlöchern Schritt für Schritt in einem wandernden Bett aus Staub. Noch nie habe ich das Ereignis zu leben in einer solch erschütternden Klarheit gesehen. Es war, als wäre mir ein trüber Schleier, getaucht in einen saueren Stoff nutzlosen Denkens, von den Augen genommen.“

Ihr Lieben, ich versuche die Buchstaben meines Leben in diesem Riesenreich zusammenzusuchen, in dem ich gerade mal 1 Meter weit spucken kann, jedoch mein Empfinden ins Unendliche greift, da wo es nix mehr zu greifen gibt und doch etwas ist, was ich nicht weiß und was ich auch nicht glauben kann und doch ist…

Das sind ganz besondere Buchstaben, die ich nicht missen will und die sich meist in den unbemerkt vom Zählwerk des Verstandes in den Zwischenräumen so herrlich weiblich tummeln..
Ich schreibe dies, meine Lieben, da ich auf Eurer Karte das kleine Wörtchen "Endlichkeit" gelesen habe.

Und ich, ja ich in meiner Endlichkeit bin so Unendlich ausgedehnt, achtsam in der Grundtiefe dieses Riesenreiches, der Liebe. Da könnte ich manchmal ganze Wassereimer heulen vor lauter Seligkeit, dass ich das fühlen darf mit meiner „Spuckweite. 

Ja, hier ist es derzeit eiskalt und glatt, die Menschen machen kleine Schritte.
 Ich denke an Euch und seid eine Weile umarmt.
 Liebe Grüße J.G: 

Montag, 20. Februar 2017

Samstag, 28. Januar 2017

ohne titel

o flammende helle
o goldenes licht
regen des himmels
flute mich


                                                                                                                                         ©   by  J. G: 

Freitag, 27. Januar 2017

sommerkirschen


"Großvater war kein Feigling.
Er war Polizist mit einem schwarzen Diensthund.
An einem Dienstag war alles zuviel.
Alles.
Der Krieg.
Die Transporte in den Osten.
Die Leichen,
die er manchmal vom Baum schneiden musste.
Sein entstelltes Gesicht.
Die zerstörte Heimat.
Reinrassig.
Alles war zu viel.
Keine Worte für das.

Die treue deutsche Seele,
der eigene Schäferhund, biss ihm eines Tages die Nase ab.
Einfach so.
Aus den Volksempfängern plärrte das Heil.
Eine Katastrophe für meinen Großvater.
Der Tierarzt, der den Diensthund später einschläferte,
sagte damals zu meiner Mutter, der schwarze Hund war voller Geschwüre.

Mein Großvater legte am Abend vorher
die Dienstwaffe nicht in seinen Nachtschrank,
sondern lies sie gegen die Dienstvorschrift an der Garderobe hängen.
Mein Vater sah sie noch, bevor er am Morgen mit dem Fahrrad ins Büro fuhr.
Nach dem Aufstehen beschloss mein Großvater sich das Leben zu nehmen.
Es war Sommer, Ende Juli, Kirschenzeit.

Seine Frau war an diesem Tag kurz in der Stadt, beim Metzger einkaufen.
Er setzte sich an den Küchentisch und schrieb einen Zettel.
Den ließ er auf dem blanken Küchentisch liegen.
Er ging an die Garderobe, nahm die Dienstpistole aus dem Gürtel
und mit unhörbaren Schritten durch die hintere Gartenpforte in den angrenzenden Wald.
Die Waldkolonie, ein städtisches Wäldchen unweit des Friedhofes.
Dort setzte er sich an einen Baum, entsicherte die Dienstwaffe,
nahm sie in die linke Hand und wartete.
Und wartete.
Eine halbe Stunde.
Eine Stunde.
Ewig lang.
Sein Sohn Friedrich fand am Mittag den Zettel in der Küche.
Laut rief er seine Frau zu sich.
Vorbei an den Häusern hetzten sie in den Wald.
Sie sah ihn zuerst.
Mein Vater rief: Adam, tue es nicht, tue es nicht.
Wortlos setzte mein Großvater die Waffe an seinen Schädel und drückte ab.
Mit einem Schuss in den Kopf
setze mein Großvater im Sommer 43
seinem Leben ein Ende.

Das Ende.
Er wollte es.
Und viele andere wollten es auch.
Es sollte Schluss sein mit dieser Höllenfahrt.
Ende. Aus.
Doch das gibt es nicht.
Jedenfalls nicht so.
Mein Vater warf sich nach dem Schuss aufs Rad.
Mein Vater war Sperrwerfer, Feldhandballer und Wasserballer.
In kürzester Zeit erreichte er die Polizeidienststelle meines Großvaters,
stürzte in das rote Backsteingebäude.

Meine Mutter kniete neben dem Baum,
den Kopf ihres Schwiegervaters im Schoß.
Tot im Wald.
An einem Dienstagnachmittag im 1000jährigen Reich.
Eine Woche später wurde mein Großvater begraben.
Was für Tränen im Traubenweg.
Jahrelang.
Mein Vater hat sich von diesem Schuss im Wald nie wirklich erholt.
6 Jahre später, im Sommer 1950, war meine Mutter erneut schwanger.
Am offenen Fenster im 1. Stock eines Bahnhofsgebäudes im Süden des Landes, unweit eines jüdischen Friedhofes in der Pfalz,
schaukelte bereits eine rote Kinderwiege.
Meine.
Jetzt hatten meine Eltern drei Königskinder.
Die eine 43 geboren, der Rotschopf 48 und dann noch ich, 50.
Vater, Mutter, eine Großmutter, drei Kinder und kein Hund.
Sophie und Friedrich wohnten jetzt in einem Bahnhof.
Personen- und Güterverkehr.
Die Gleise.
Beides.
Mein Lieblingsplatz in den Jahren auf dieser Erde.
Hoch oben in einem Kirschbaum direkt vor dem Bahnhofsgebäude.
Sommer und Kirschen.
Meine Kindheit.
Ein Gedicht."

© by J. G:

zwei Groschen

 Café Größenwahn - Berliner Künstlerlokal „Ich bin nun zwei Abende nicht im Café gewesen und fühle mich etwas unwohl am Herzen.  Dr. Döblin ...