Mittwoch, 13. Juni 2018

verlegen

...sie meine sinne madame

treiben sie mich dorthin
wo der tiefdruck mir im stollen das alte eselskelett zermalmt
und mir der gelbe schwefel am schwarzen schlund
das stundenlineal von den nervenkabeln frißt

madame
meine lider sind geschlossen
die maschinen stehen still
madame singen sie
singen sie doch
singen sie das helle lied madame
singen sie alles
was es an mir niederreißt

madame
ich atme
ja
ich atme bereits das schweben
das schweben des ersten primaten der 2.dekade
ich atme so leicht
ja so
wie sie es mir im letzten sommer auf der kuhweide ins ohr wischten

o madame
die ersten photonen treffen ein
meine wasserzeichen sinken durch die materienacht
o sie sinken weit
an all dem hollywood der billionen membranen vorbei
weit hinaus
mitten hinein ins gelobte land

madame ich steige
ja
ich steige auf
gottlos hinab
in das göttliche quantum
fahre punktförmig heran
in das nahe und weite
ertaste die ebenen und unebenen
an den krummen rändern
funke das millionen mal millionensein licht
und doppelt empor
und zittere masselos heimwärts

madame ich bin verschwunden
madame
punkte
alles punkte
ich sehe kleine, glitzerne punkte
ach nein
keine punkte
wellen madame
ja wellen, große weite wellen
nein, keine wellen
flimmern madame
ein schieres, glitzerndes flimmern
nein, kein flimmern
glanz
 fläche, madame
sie sieht mich an
ja, sie sieht mich
madame, sie schaut mich an
sie sieht mich
materie madame
es ist materie
reinste materie
madame
ich bin es
durchscheinend
lebendiges gold

alles ist so hauchdünn hier
was sagen sie madame
o ja madame
fühlen
ja
ich fühle madame
ich fühle das alles hier

madame
 ein beben
ja ein beben
ein beben
madame
die großen wasser fluten
mahas pathah
was für ein ursprung
der lichte affennebel an mir zerspringt
meine zellen singen die blanke fracht
sie singen mit all den anderen
radioaktiv durch all die zeiten
madame
sie singen schon vor allem
hellauf
vom großen notenblatt

 o madame
mir ist schwindelig
schnell
umarmen sie mich


  ©   2018   by  J. G: 

karawanen




stirbt
ich
geht
selbst
eins weiter

  ©   by  J. G:

schau






 in seichtem wind
grün
die gräser

J. G: 

Samstag, 9. Juni 2018

strom der dinge




 o madame
welch schwindel
grenzenlos begabt
das helle in allem
eine übertreibung
maßlos fülle
in all der leere
hier
madame
fühlen sie doch
die zarte haut 
die nacht der universen




J. G: 

Donnerstag, 31. Mai 2018

Madame


es ist Pfingsten
ein anderer Duft

 - wilde möhre
braune Honigbiene -

die Uhren laufen hier anders, 
weiß Gott nicht erst am Mittwoch, dem verordneten Tag der Besserung und der Anrufung, war ich wieder Zuhaus. Spät in der Nacht aß ich altes Brot mit Butter und Salz. Heimat auf den abgewetzten Zähnen.

Die Art der Fügung, eine Präposition, immer ein um, ein dazwischen oder ein auf und davon.
Heute, an diesem Tag des Aufsteigens, jedoch mehr ein empor nach tief, als nur hoch und immer wieder weg.
Wunderbar schief und brüchig diese Welt.
Ach, lassen wir den Schauspielern ihre waagerechten Bretter und ihr so dramatisch mit Pathos vorgetragenes wohin, wohin nur? 
Bleiben wir bei der schiefen Bahn, Madame, der schönen Ebene nach dem geöffneten Raum.

Das Wunderbare an der schiefen Ebene, Madame, sie hat einen Steinbruch als festes Zuhause. Jeder Stein ein Bruch und jeder Bruch ein Gott, so der große italienische Bildhauer Buonarotti. 
Wunderbar schief und brüchig diese Welt. 
Da hören wir plötzlich andere Töne, hören anderes im Abendland, hören nicht nur immer diesen eisernen Ton der Posaunen von den Wehrtürmen.
Ein 2000-jähriger Hörsturz endet hier glücklich. Die Kanzelsteher predigen alle wieder zu ebener Erde und hören wieder auf den Organisten, was er schon Vortags an die unverputzten Gotteswände schreibt.

Psalm 1
Sei willkommen in der Materie, 
sei willkommen im Erdenpalast.
In der Höhe, so in der Tiefe.
Im Bogen, wie in der Geraden.

Madame, die Homöostase hat ihren Betrieb wieder aufgenommen. Jetzt haben wir ein inneres Organ, das sich verlässlich um das Ganze kümmert. Auf sie ist Verlass. Kein Hohn mehr in den Primatenkehlen, kein Produktivitätszuwachs mehr für das alte Irrenhaus.

O Madame, ein Leben, das bewusst sein will, was für eine Aussicht, 4, die 5 sein will, Licht will spenden, Eros, die 9 sein will. Was für ein Standort für die Venus.

Dort, auf dem Platz des Himmlischen Friedens brauchen die Alten und Müden keine Schlaf- und Herztabletten mehr, die Kleinen keinen Zucker und das Wattenmeer keine Fotokopien.

Madame, mir fällt auf, das sie ihr Wissen nicht mehr unterschlagen, das gefällt mir, es ist ihr Wissen, ihr Fragen, ihr Festmacher am Kai. Sie lachen Madame, sie haben Grund zur Freund.

Sie wissen ja, unser Ich hebt noch im Todesschlaf das Medusenhaupt, bereit, die ewige Seele zu erschlagen. Madame, lassen wir uns von der streng vorgetragenen Logik des Kopfes nicht länger porträtieren und in eine zweifelhafte Legierung wälzen.

Winkt hier doch nur die aller erste Selbstbetrachtung der Materie, eine Premiere am zweifachen Kai, adieu du mein lieb Heimatland. Hier verlassen wir die mathematischen Ufer. Zum Abschied dann, Madame, ein Blick durch den Spiegel der Schiffskabine auf halbe Welten. Erst hier kommen die Flügel hinzu.

Sie haben Recht Madame, ein Wiedersehen, das ist schon was, damit wir wieder einmal Zeuge werden, wie das Unwahrscheinliche wahr wird. In ihren Armen kündige ich das Abonnement auf jegliche Wiederholung Madame.

Ach Madame, da ist die Freude groß und das Herz weit, da antworten die strapazierten Sinne nicht länger auf die eilfertigen Diener der Denkprimaten, da überhört man einfach das Pochen an die äußere Tür, da bleiben die Kunden der Zeit draußen, kein Anruf, keine Korrespondenzen, da ist einfach nur Ruhe im Karton, auch Ruhe in den verschlungenen Arkaden des Schlafes, und Madame, lassen sie es auch nicht mehr zu, dass man ihren Lebensschritt nachäfft, auch nicht mit seltsamen Träumen."

  ©   by  J. G:

am wasserloch

Eigentlich ist doch alles klar? Oder? Wenn da nicht das Leben selbst wäre. Dieser herrlichen Leib aus Physik, Weib und Schokolade.   Halb er...