Sonntag, 27. August 2017

Doppelbelichtung

Madame
Kommen sie
Geben sie mir ihre Hand
Schauen sie doch nur
Dort
Was für ein Jubel
Kommen sie
Gehen wir barfuss
Vorsicht Madame
Ein Graben
Kommen sie
Noch ein paar Schritte
Da
Am Feldrand
Blindenschrift
Das Panorama
Ein Verschwinden
Schließen wir die Augen
Und legen uns in die Welt

Hören sie doch, Madame
was für ein Triumph
Dasein und Wegsein
Ein Akkord

J.G:

Montag, 10. Juli 2017

der morgen




madame
die wende ist vollzogen
kopernikus zufrieden
die pole sind umrundet
innen wie außen
alles gleichzeitig

madame
ich habe sie alle wiedergesehen
alle
victor jara
er hat seine hände wieder

friedrich hölderlin
sitzt am brunnen und holt atem

arthur rimbaud
der waffenhändler
noch immer leichtsinnig am äußersten feuerrand

und der werfl franz
madame
o madame
was für ein baum von einem mann
er lebt am fluss bei saraswati

ach ja
eh ich´s vergesse
die beiden fürs göttliche recht
der münzer thomas und bohumil
an den wochenenden gehen sie in den wald
spazieren
pflücken pilze
und füttern katzen unter den birken
von montag bis donnerstag 
sitzen sie zum goldenen tiger
und baffeln stundenlang
über dem weißen schaum aus gold

madame
kommen sie
kommen sie doch

madame
endlich
die hochzeit der liebenden
romy und gregor samsa
der wahnsinn hat ein ende
madame
endlich im unendlichen
ruft der choreograph 
zu den ackerwinden

alles strahlt

1000 billionen sonnen
es sind 1000 billionen sonnen
mal
1000 billionen sonnen
so wie wolfgang immer sagt

„..damit das innere Licht dem äußeren entgegentrete“

madame
schnell


umarmen sie mich

J.G:

Donnerstag, 6. Juli 2017

mittag


die linke hand
an meinem lieblingsbaum
ich sage
happiness
is a warm gun
und gehe
morgen werde ich
wiederkommen
meine rechte Hand dann
neben dem marsch der ameisen

  ©   by  J. G:

Samstag, 1. Juli 2017

verlassen


Jemand sagt so, finde ich gut.
Was.
Das Gedicht.
Schrecklich klingt das.
Aufschreiben.
Einfach Aufschreiben
Die Striche und Punkte.
Das reicht.
Über die Welt hinaus.
Kein Applaus
Herrlich.


J.G:

madame


kommen sie
ihre blauen schuhe
ja
ziehen sie ruhig aus
kommen sie
madame
schauen sie doch nur
dort
das riesenreich der sterne
und hier
der leere raum
liebe
millionen lichtjahre
querfeldein
madame
schnell
umarmen sie mich

J.G:

Montag, 26. Juni 2017

incipit


„Aus einer Gasse zwischen den Lehmbauten stürzt eine alte Frau hervor, schlägt mit ihren Knien auf das römische Pflaster, der Torso gewunden, die Pein zertreten im Staub. 

Vor ihr, mit einer Dornenkrone auf dem Haupt, das Neugeborene, der eigene Körper, das Selbst, goldenes Kind. 
Verderbt von den Rufen, zerschlagen von den Knechten, verleugnet von den Seinen, gepeinigt von Häschern, angeklagt von den Priestern, verurteilt von den Besatzern, atmet es ihr zu „Mutter, ich mache alles neu.". 


©   by  J. G:

Dienstag, 13. Juni 2017

das bleibt




Unser Präsident
hat die Mine an einen internationalen Konzern verkauft.
Die ganzen Bäume, abgeholzt, die Brunnen versiegt. 
Das ganze Wasser, weg.
Sie nehmen das Gold unserer heiligen Berge.
Sie vergiften den Himmel, nehmen uns die Kinder.
Auf unseren Feldern ernten wir mit unseren Händen nach wie vor Mais. 
Der Mais ist uns heilig.
Die Menschenfresser wollen uns jetzt auch noch den Mais wegnehmen.
Auch wenn wir arm sind und sie uns unsere Rechte mit ihren Revolvern nehmen,
seit Jahrhunderten, leben wir mit dieser Erde 
In unseren Händen sehen wir, was in ihr ist.
Des Himmels weiter Raum.


J.G: 

Vorbote

dem Ereignis des Werdens
in Materie
gebührt eine Anordnung und
Aufstellung der Buchstaben und Zeichen
durch die der schöpferische Wille 
physisch bewusst
zu sein 
im Wort
lebendig
öffentlich sichtbar wird

J.G:

zwei Groschen

 Café Größenwahn - Berliner Künstlerlokal „Ich bin nun zwei Abende nicht im Café gewesen und fühle mich etwas unwohl am Herzen.  Dr. Döblin ...