Mittwoch, 3. August 2016

heute


„Die Betroffenheit, will lieber sagen die Entschleierung der inneren Teilnahme der Lebensmaterie an dem gesamten Unternehmen Leben, die Offenlegung ihrer inneren Verbundenheit, Kohärenz genannt, die Aufdeckung eines physikalischen Kontinuums im universellen Ereignis, vom Urknall bis heute, die Entdeckung des „molekularen Fadens“, einer elementaren Mitwirkung von Mikroorganismen am zellaktiven Aufbau des Lebens, das mentale Beteiligtsein belebter Materie auf einer weit zurückreichenden inneren, physischen Lebensebene, all diese jungen wie alten Einsichten in das kosmische Ereignis überfluten aus allen Richtungen kommend derzeit die nationalen Grenzen, die politischen Parteien, die individuellen Lebensversicherungen, die zivilen Schutzdeiche, die religiösen Glaubensvorstellungen, die gesamte Phalanx der moralischen Werte des Abendlandes sowie das zentrale Organisationsbüro, den neuronalen Gedankenbunker der Spezies Sapiens.“ 

J.G:

Dienstag, 2. August 2016

madame


kommen sie

kommen sie
schauen sie doch
dort

hier
legen wir uns in die welt
richten uns hellauf
zu grunde

madame
wir werden
schnell
ein foto

J.G:

Samstag, 16. Juli 2016

kein warten

Er: „Wir brauchen eine große Seele,
die hervortritt, damit der ganze Wahnsinn aufhört.“

 Sie: „Eine Seele war gestern.
Die Welt ist heute mehr.

Milliarden sind es, 
die bereits aufhören.“

J.G:

stirbt

ich
geht
selbst
eins weiter

J.G:

hinter glas



bin ich die erde
hinter glas
die ganze herde
seh auf mich hinab
sehe hände
am klavier
hinter glas
ich bin die erde
hinter glas 
die ganze herde


 ©   by  J. G:

im...

„... Überhaupt gesuchte Mündlichkeit“

Johan van der Leeuwen

Dienstag, 12. Januar 2016

Schädelwelt



„Hunger, Anschläge, Vergewaltigung, Krieg.
Die Nerven liegen blank.
Die Speicher voll.
Hirn, der Geldfresser, auf Brautschau.“ 


©   by  J. G:


Freitag, 4. Dezember 2015

bei null


„In den Straßen ein Gewirr aus Lineal und Ausschreitung, ein gottverlassener Aufruhr aus Beinen und Bäuchen, eine meisterhafte Flut von Begehr und Nachlass. Dann ein Schlag, eine tiefe Kerbe im Fels.

Der Schlag.
Mit dem Huf.
Setzt alles in Bewegung.
Unheimliches Jetzt.
Urkunde aus mundloser Zeit.

Eine Sekunde vorher noch steht alles still, lautlose, kümmerlich, verlassenen, ausgetrocknet, ödes Grasland, tonlos tuschelt es im Rausch ferner Welten. Dort drüben zwei, drei Erhebungen weiter, hier auf der rechten Seite, ragt gewalttätig erhoben eine Wand aus schwarzem Stein aus dem Erdreich, dann, mit einem Schlag ist alles in Bewegung.

Die Welt.
Kehrt sich um.
Aus dem Erdreich richtet sich ein riesiger Körper auf, explodiert und rast in alle Himmelsrichtungen davon.

Ein Gewehrschuss hallt durch das Vakuum.

Blitzartig zerrt eine achtspurige Highway an deinen Hosenbeinen, wie aus dem Nichts, ein gewaltiges Sausen und Brüllen tobt in den Ohren, Pressluft  marodiert in deinem Denkkasten, Kalzium wuchert unbarmherzig, erbaut in Zehnteln göttergleiche Megacitys aus Stahl und Glas. Urplötzlich erheben und senken sich ein- und ausatmend die Gezeiten der mentalen Masse über das Erdreich, ein kreuz und quer, Kommen und Gehen, eine sinfonische Uneinigkeit erhebt sich aus dem Orchestergraben, ein sinnloses, ja flüchtiges, fassungsloses vor dem Himmel hingeworfenes Notenblatt liegt plötzlich da, verlangt unnachgiebig nach einem Taktstock.

©   by  J. G:

in

erwartung mensch ©  August 2026  by  J. G: