"Im goldenen Fieber...
... der Nacht sucht die Sternenmasse unmündig nach bewussten Atomen" J.G:
Literatur / radioaktive Poesie / politische Physik / Homo Sapiens Revue / Evolution / Übergang / Alltag /
„Muriel, im Moment kam ich nach Haus und fand Deinen Brief auf der Ablage.
Deine Worte sind wohltuend.
Gleich vorneweg das erste und wichtigste Abenteuer, mit Dir Teilnehmen am Unteilbaren.
Ein herrlicher Lichtsatz, der Einfall in das Innere des Geschehens, eine strahlend kohlenähnliche Kurve, ein doppeltes Endlich, ein erlösendes Hinaus, Morgendämmerung, weiblich hingegeben.
Muriel, alle persönlichen Unzulänglichkeiten und äußeren Schwierigkeiten sind hier willkommen, ja äußerst hilfreich, königliches Signum des hellen Vorgangs, ein im Grunde willkommener Ausfall, vorsätzlicher Mangel, ursprünglicher Defekt, strebende Fehlfarbe in aufsteigender Reihe.
In den Millionen Jahren der Lebensreise der eigenen Art kam dieser Hominide Fall bislang nur zu einer künstlicher Beleuchtung, einer unerotischen Ordination zwischen den Beinen und zu einer philosophischen Affäre unter der Schädeldecke des Homo Sapiens, ortsansässig eingezäunt und römisch zivilisiert, wuchernd privatisiert in schwindsüchtigen Gettos für eine im Grunde extrem kurzsichtige, ja nur dinghafte Luxusklasse von kriegerischer Hochfinanz, eine tuberkulöse Masse von Geizhälsen, das Dasein aushöhlend zu einer einfältigen Formel, ein dürftiges Geschacher mit Münzen, nach dem Diner strapaziös, langweilig und ermüdend und in der Morgendämmerung leichenblass." J.G:
Blauer Stein in großer Sonne.
"Im Glanz der hellen Beugung treibt ein farbenprächtiger Planet.
Mit dem ganzen Leib nur noch nach vorn zum Ursprung hin.
Ein grandioser Überfall.
„Sie sind Reisende mit einem vollkommenen Ziel“
Rig-Veda I.95.1
In seiner inneren Umarmung findet dieser Leib hinter allen Fluren des hominiden Schemens, hinter allen Herzkammern der sehnsüchtigen Toten, hinter allen Schößen der endlos aufeinander folgenden Geburten, in all der Leere des unendlichen Nichts, glückselig zwei in einem Nest." J.G:
An Johan van der Loewen
„Nach deiner Odyssee auf den Weltmeeren hast du im Palast die Schätze der Welt vor deinem König dargebracht.
Nach drei Tagen der Besinnung vor den Toren des Palastes hast du nichts mehr begehrt als in meinen Diensten zustehen. Das Motiv deines Entschlusses hast du nicht in diesen drei Tagen vor den Toren gefunden. Erst im Palast, als du vor dem Kämmerer standest, hast du deinen inneren Grund entdeckt. Als der Damastvorhang am offenen Fenster sich hob und du die Gärten in ihrer ganzen Pracht sahst, war dein Entschluss gefasst. Du wolltest nicht nur mir dienen, du wolltest in das Paradies, in die Gärten des Palastes.
Doch zu dieser Stunde konnte ich deinem Willen weder nachgeben, noch konnte ich in diesem Augenblick gütig zu dir sein. Mit einem strengen Ton der Bloßstellung musste ich dich und deinen Willen mir zu dienen mit Schimpf und Schande aus dem Palast jagen.
Deine Reaktion glich damals dem Glanz von Perlmutt. Enttäuscht und um deinen Lohn betrogen suchtest du dir eine Wohnstatt in der verschlossenen Schale der Einöde. Tief verletzt zogst du dich damals von allem weltlichen Treiben zurück.
Einmal nur gewährte ich dir in diesen langen Jahren Einlass zum königlichen Hofe. Es war eine Bitte, die die Akademie damals an mich richtete.
Das Orakel, das in der Nähe eines Fischerdorfes gefunden wurde, musste gedeutet werden. Nach dem der Hof das geschätzte Auditorium der akademischen Häupter aufgerufen hatten, sich dieser mündlichen Überlieferung zu widmen, und keiner der wissenden Vorsteher des Reiches eine plausible Deutung zu Stande brachte, erinnerte ich mich an die Begegnung mit dir und an das unsrige Liegen auf der Kuhweide.
Ich schlug der Akademie vor dir ein Schreiben zuzustellen, mit der Bitte um Deutung des Orakels. Dem bist du an einem Tag an der Akademie nachgekommen. Gleich nach dem Vortrag vor der königlichen Akademie bist du wieder zurück in die Abgeschiedenheit der Berge.
Dein Wille war es, diesen hast du zu Beginn der Deutung sogleich an mich herangetragen, dass du nach deinem Vortrag wünschest erneut von dem Amt entbunden zu werden. Einer Anstellung stand damals wahrlich nichts im Wege. Mit diesem Vortrag hattest du dich bei der Akademie für ein Amt am Hofe empfohlen. Dein Vortrag besaß Brillanz und mit ihm überzeugtest du den überwiegenden Teil der Mitglieder der Akademie.
Doch dein Wille war es damals zurück in die Einöde zu gehen, so wie es heute dein Wille ist, um ein Amt am königlichen Hofe zu bitten.
Der Schock, dich nach deiner Odyssee nicht in meine Dienste zu stellen, obwohl du mir alle Schätze der Reise von den Meeren, Küsten und Ländern dieser Welt dargereicht hattest, dich dann ferner noch mit strengem Ton gebieterisch aus dem Palast zu jagen, dieser Schock saß all die Jahre tief und hinterließ in dir das Gefühl eine Muschel ohne Perle zu sein. Diese Abweisung und Ablehnung deines Selbst führte bei dir zur geistigen Not und zu dem körperlichen Verfall deiner persönlichen Erwartungen.
Schaue ich dir heute in die Augen, Johan van der Loewen, dann kann ich selbst den poetischen Glanz des Perlmutts nicht mehr erkennen. Du hast dich schon auf den Tod vorbereitet, nicht wahr?
Wie lange hast du in den Jahren der Einsamkeit fabuliert und gebetet „Herr, dein Wille geschehe“.
Tausendmal, Zehntausendmahl, Hunderttausendmahl?
Nein, das ist zuwenig. Deine Anrufungen zu mir waren unzählig, so wie Sterne am Nachthimmel stehen. Nicht mehr nur allein in deinem Verstand sollte es dir einleuchten, du wolltest mehr. Auch in deinen 100 Billionen Zellen wolltest du, dass dieses Licht mit Fanfaren, Trompeten und Zimbeln triumphal Einzug hält, so wie es dir die sieben Himmel auf einer Fahrt nach Italien mit einem Meer aus Tränen geschenkt hatten.
Der Strom der Liebe, dem ich jedem Bewohner meines Reiches zukommen lasse, ist ungeteilt.
Liebe ist nicht aufgeteilt in „Wollen“ oder „Ungewollt“, in „Sein“ oder „Nichtsein“, das alles stammt nachgeordnet aus einem äußeren, dem Sprachgitter eines denkenden Ordnungsfeldes.
In der Wildnis der Abgeschiedenheit der Berge hast du das Prinzip studiert und überwunden. Die Sprache, die du daraus erworben hast, befähigte dich damals die Deutung des Orakels in der Akademie vorzunehmen.
Doch all das reicht nicht aus, um mir in allem nahe zu sein. Du wolltest mehr.
Johan, jetzt bist du angekommen an der Luke zur Welt, an dem Dachfenster, das dir bislang trotz deiner Zauberkünste, deiner alchemistischen Poesie und deiner langjährigen Abgeschiedenheit von der Welt verschlossen geblieben ist.
Jetzt, da du den Ausgang nach innen selbst gefunden hast, wirst du von der Helligkeit der neuen Welt, ihrem Glanz und ihrem Frieden nicht mehr selbstsüchtig geblendet.
Denn es ist deine eigene Sonne, die du erkannt hast und die dir strahlend hell ins Gesicht scheint.
Und da es jetzt dein Wille ist, deine Sonne, deine Göttlichkeit, die du in dir mit dem kleinen Schraubenschlüssel deines menschlichen Geistes entdeckt hast, verweilst du auch nicht mehr schläfrig in dieser Ergötzung, versinkst nicht in den tödlichen Schlaf der Selbstgenügsamkeit eines gefundenen Paradieses, lässt dich nicht länger verführen vom Gesang und Geschmeide der Circen und gleichwohl lässt sich dein Herz auch nicht mehr siegreich blenden von der feurigen Hitze der umher schleichenden Mordbanden, die in den Quotentürmen nur darauf warten wie Ungeheuer den ausgedehnten Reichtum deiner stillen Einsicht verschlingen zu können.
Dafür bist du nicht geboren.
Johan van der Loewen, du wirst erwachen, so wie es geschrieben steht, bei Sonnenaufgang, so klar und rein wie Tau auf den Blättern der Gräser.
Dafür bist du wiedergeboren.
Ein kleines Lächeln kann ich schon in deinem Gesicht erkennen.
Doch Geduld, es braucht noch einige Monate bis dieser Morgen in dir erwacht.
Die Aussicht auf dein Leben reicht jetzt so weit, dass zu erkennen ist, dass du dich entschlossen hattest zur Welt zu kommen, als du in deinen Eltern den Duft der Eintracht, der Liebe entdeckt hattest. Das war deine Sonne, dein goldenes Flussbett und das ist es noch heute.
Nach vor deinem Selbstmord hattest du dir geschworen, dass du in deinem nächsten Leben nur noch das Kind von Eltern sein wolltest, das Kind von zwei Menschen, die sich wahrhaft lieben.
Du wolltest einkehren in das goldene Pantheon der Harmonie, das weit über das hinfällige Maß der biologischen Fortpflanzung hinaus weist.
Deine Wahl sollte erfüllt werden, denn es ist im Grunde auch mein Wille, dass die Menschen in dem Bett der Liebe, wo immer das auch stehen mag, sich umarmen, zu sich selbst kommen und die Welt darin aufheben.
Doch plötzlich, nachdem du erneut inkarniert warst, wollten dich deine Eltern nicht mehr. Du warst plötzlich „unerwünscht“. Der Schatten des Todes legte sich über dich, noch bevor du überhaupt das Licht der Welt erblicktest. Du dachtest, du könntest den Selbstmord deines vergangenen Lebens vor deinen Eltern verbergen. Damals hattest du noch keinen Schimmer von dem inneren Glanz, der himmlischen Empfänglichkeit, der kosmischen Ausdehnung und der irdenen Vergebung, die das Wort Liebe wie helle Flugsamen in sich birgt.
Was für ein Schock für dich.
Zuerst das Licht des Willkommens.
Dann das rabenschwarze Nein und dann doch der Akt des Gebärens.
Ein Schock. Ein Nervenschock. Eine bodenlose Angst, die dich bis heute in deinen Zellen kurzschließt und erzittern lässt.
Körpereigenen Viren erinnern dich auf deinen Nervenbahnen von Zeit zu Zeit immer wieder an diesen Vorgang und fordern dich mahnend auf, die Chimäre dieser Urangst zu überwinden.
Geduldig rufen sie dich mit ihrer entzündlichen Botschaft in den Ursprung deiner Absicht, derentwillen du gekommen bist. In der Abgeschiedenheit der Berge hast du ihre ganz eigene Sprache ausreichend studieren können. Du kannst ihnen ruhig ab und zu danken für ihre geheimdienstliche Mission.
Im Palast, nach deiner Odyssee, habe ich dir einen ähnlichen Schock zu Teil werden lassen. Homöopathisch hoch dosiert und heilsam, aber nicht tödlich.
Dein ganzes Leben, bis zu deinen ersten Schritten heute Morgen im Palast, hast du dich und dein Leben als „ungewollt“ verstanden. Das ist der Schatten auf deiner Seele, das ist der Irrtum in deinem Verstand und das ist der Knoten in deinem Organismus, den du bis zu dieser Stunde nicht aufbekamst. Deshalb bist du hier.
Das war dein Gram die ganzen Jahre mit dir selbst, das war deine Einöde, dein Land ohne Wasser, deine Muschel ohne Perle, in die du dich vergraben hattest.
Du weißt, deine Wahl ist auch meine Wahl, und so solltest du in dieser Einöde zur Einsicht kommen oder sterben.
Ich sehe du bist da und du hast Einsicht gewählt.
Die großen Wasser strömen unablässig aus den sieben Himmeln und beleben mit ihrem Licht meine Gärten. Der, der im Inneren das Selbst erkennt, das Göttliche Feuer, den lichten Strom schöpferischen Willens, der ungeteilt in allem aufwärts fließt, der ist mir in allem nahe.
Wenn ich dir damals nachgegeben hätte, dich berufen hätte, wäre es nur ein Auftrag gewesen, den du sicher wie alle Beamten am Hofe auch erfüllt hättest, natürlich mit kleinen Abzweigungen für das private Glück und Vermögen, so wie es alle tun.
Doch es sollte dein eigener Weg, deine eigene Entscheidung sein, dich zum Leben zu bekennen. In deinem letzten Leben hattest du selbst für den Schatten, für das schwarze Denkmal in deinem Leben gesorgt. Es war deine eigene Wahl, dich für dein vorzeitiges Ableben, den Selbstmord zu entscheiden, obwohl dein Sohn dich von Angesicht zu Angesicht weinend angefleht hatte, es nicht zu tun.
Jetzt weißt du, was es heißt, der Mensch ist frei.
Deine Wahl ist auch meine Wahl.
Sich selbst das Leben zu nehmen ist ein leidiges Geschäft, das man im nächsten sauer ausbaden muss. Und alle anderen müssen es auch. Damit ist nicht zu Spaßen.
In all den Jahren hast du versucht den Knoten in dir selbst mit deinen eigenen Händen aufzulösen, dein ganzer Organismus wurde an dieser Arbeit in den Bergwerken und Kathedralen des Verstandes wund und trostlos müde. Du wurdest zur literarischen Figur, damit begnügtest du dich auf dem vergoldeten Sterbebett deiner Buchstaben. Deine Person wurde unverträglich für Gemeinschaft, geschweige den für eine familiäre Beziehung.
Kein einziges Mal, obwohl wir beide schon auf der Wiese lagen, hast du mich gebeten, dir zu helfen. Zuviel Stolz und zuviel Angst waren da im Spiel. Kein einziges Mal hattest du mich persönlich angesprochen. Bis heute morgen.
Wir haben alles was wir brauchen, das waren damals deine Worte auf der Kuhweide. Doch du machtest all die Jahre nur in deinem Kopf davon Gebrauch.
Das du dachtest, du seiest ungewollt, hat nicht nur einen Schatten auf dich gelegt, hat nicht nur deinen Geist auf die Größe deines Hirns billig herabgesetzt, hat nicht nur deinen Körper völlig austrocknen lassen, sondern hat dich langsam und unnachgiebig mit einer knöchernen Ignoranz umgeben.
Heimlich, in deiner Herzkammer, hast du das mir angelastet, was die Sache für uns beide nicht einfacher machte. Wie soll ich dir helfen, wenn du mich mit der Moral und den Schuldzuweisungen einer geteilten Welt aus dem Spiel nimmst.
Der Geburtskanal deiner Inkaration ist das einhellige Licht der Liebe, Johan. Sieist dein Urgrund, das Selbstvertrauen nicht nur dieser Erde, sie ist die hohe Wahl deiner Seele. Ihr hast du durch alle Stürme des Lebens zu vertrauen. Dieses herrliche Weib steuert in allem dein Lebensschiff.
Der stille Zugang zu diesem Vertrauen ist die Hingabe, oder auch der Glaube. Den hast du bis heute morgen, als du barfuss den Palast betreten hattest, nie gehabt. Der Schock des „Ungewolltseins“ während der ersten 3 Monate deiner Wiedergeburt hat die Erinnerung an den Ursprung und lichten Strom des schöpferischen Willens fast bis zur Unkenntlichkeit ausgelöscht.
Die traumatische Last dieses Schocks hat dich hinaus in den unendlichen Weltraum geschleudert und dort mutterseelenallein ausgesetzt. In der Zeit des Bedauerns deiner Tat warst du sieben Jahre der eisigen Kälte, der schwarzen Leere der Selbstvorwürfe ausgesetzt. Für einen Selbstmörder kein angenehmer Aufenthaltsort.
In den ersten 15 Jahren deines jetzigen Lebens hattest du diese Isolationshaft verwandelt, das autistische Exil kehrtest du um in ein naives Spiel. Selbstvergessen warfst du die blaue Murmel in die irdische Bahn. All die Jahre deiner Kindheit verharrtest du einfältig in diesem kosmischen Spiel.
Bei einem Unfall auf einem Schulausflug ergab sich eine günstige Gelegenheit diesen Bann aufzuheben. Die fieltest damals einen Abhang herunter und erlittst mit einem stumpfen Schlag seitlich auf den Kopf eine schwere Gehirnerschütterung. Du erinnerst dich. Auf der Zugfahrt erbrachst du in der Toilette und dann später mehrmals im Haus deiner Eltern. In der Nacht dann bekamst du hohes Fieber und du begannst heftigst zu fantasieren. Deine leiblichen Eltern waren in großer Sorge und holten noch am Abend den Hausarzt. Dieser saß an deinem Bett und hielt dir die ganze Nacht über die Hand.
Der Pulsschlag deines Herzens sank und verschwand im radioaktiven Flimmern der anbrechenden Nacht. In dieser hochfiebrigen Bestürzung riss sich deine noch junge Biografie wild um sich schlagend aus der limbischen Verankerung und für einen Augenblick nur löste sich die Lebensbindung deiner Atome auf.
Für einen Atemzug sahst du dich erneut hinausgeschleudert in die Kälte der kosmischen Nacht. In diese heillose Wirklichkeit geschleudert, entdecktest du vom anderen Ende des Universums aus ein weißes Kinderbett, in dem du selbst fiebernd lagst.
Doch Seele hat einen Schöpfungswillen, das wusstest du nicht, bis heute morgen. Ihre Wahl ist auch meine Wahl. Und sie wählte dich, Johan.
Im Beistand deines Hausarztes und deiner Eltern und mit dem unendlichen Mitgefühl ihrer innersten Berufung, erblicktest du deine Seele, die hinter den schlagenden Flügeln sehend gefaltet ist. Die weichen Hände deines Hausarztes, die dich in dieser Nacht nicht losließen, brachten dich vom anderen Ende der Welt zurück nach Hause in das verschwitzte, weiße Kinderbett.
Beim Eintritt in die Wiege der Wiedergeburt erkanntest du mit dem wachen Auge ungeborener Materie die Verkehrung der Welt.
Alles stand Kopf und war seitenverkehrt.
Diese unbewusste Raserei im ganzen Lebenskörper der Welt, derer du in deinem Fieberwahn noch einmal ansichtig wurdest, hatte deine Biografie in deinem vorangegangenen Leben dazu verleitet, Selbstmord zu begehen.
Kaum warst du zurückgekehrt in deinen zerbrechlichen Körper, zerriss dich das Wundfieber dieses verrückten Zustands erneut. Den zusprechenden Trost deiner Eltern fühltest du plötzlich als höllische Verderbnis. Die elterliche Sorge und ihren liebenden Zuspruch erinnerte dich in dieser Nacht an das Rufen deines Sohnes Friedrich, der dich damals flehend davon abhalten wollte, die Dienstwaffe auf dich selbst, und damit auf alles Leben zu richten. All dem Leid, dem du damals nur mit Selbstmord auszuweichen wusstest, schleuderte dich in diesen nächtlichen Fieberstunden erneut in den eiskalten Wartesaal der kosmischen Leichenhalle. Mit Händen und Füßen schlugst du in jener Nacht unbeugsam um dich, lehntest du dich gegen jenen Wahnsinn des Leidens auf, die jeden Krümel und jede Kreatur bis in das letzte Atom bemächtigt.
Wie durch ein Wunder überlebtest du die Nacht und Besserung stellte sich nach einigen Tagen überraschend ein. Die innere Wunde der Wiedergeburt verheilte schnell, verflüchtigte sich im Krankenbett und wurde im fiebrigen Mantel der Einbildung versiegelt.
Von da an war das kindliche Spiel vorbei.
Später dann, viel später, nach dem Erlernen des Segel hissens, entdecktest du für dich das blanke Wort als Eingang in die weite Welt.
Erst waren es nur die Zahlen und Buchstaben der Navigation und die kurzen Bemerkungen über die Vorkommnisse an Bord, die du akribisch in meinen Diensten stehend in das Logbuch eintrugst.
Einige Mal war das Spiel mit den Buchstaben und Zahlen so betörend schön, dass mir nach Abschluss deiner Reise und deinem Bericht am Hofe über das Logbuch gebeugt Tränen der Kindheit kamen. Mit grüner, roter und schwarzer Tinte hattest du die Zahlen und Buchstaben der Schiffsreise so innig auf die weißen Blätter des Logbuchs gespielt, wie Kinder eine Murmel auf die Bahn werfen.
Johan, heute, 30 Jahre später, kennt jedermann in meinem Reich deine Verse.
Jedoch haben sie dich nie glücklich gemacht, weil du in all den tausenden von Seemeilen, in alle den geladenen Schätzen, in all den Berechnungen der Besegelung der Meere und in all den Versen nicht sahst, dass sie es ist, die Seele des göttlichen Kindes, die die Verkehrung der Welt aufhebt. Bis heute morgen.
Am matten Glanz der Zeilen wurdest du langsam müde, schautest in den Bergen heimlich in deiner rechten Handfläche auf das Ende deiner Lebenslinie. Du warst schon einverstanden, dass sich das offene Geheimnis des Lebens für dich nicht lüften ließe. Johan, du warst einverstanden mit dem ewigen Schlaf des Todes, mit der ungnädigen Chimäre des Endes, des sinnlosen Nichts in allem. Bis heute morgen.
Die Laternen deiner Verse haben dich entgegen deiner lyrischen Erwartung nicht erleuchtet. Eine Niederlage, die einzugestehen für dich nicht leicht war. Und das, obwohl du in meinem Auftrag alle Meere befahren, obwohl du alle Sonnenküsten betreten, obwohl du alle Schätze der Welt deinem König dargebracht hattest.
Erst dieses Eingeständnis, nichts, aber auch gar nichts in den Händen zu halten, hat dich in dieser Stunde zu mir gebracht.
Liest man die Notizen einer Lebenslinie nur in ihren äußeren Attraktionen, dann gereicht alles zu einem sterblichen Ende. Wärest du diesem Anschein weiter gefolgt, dann wärest du von dem Sog eines verhärmten Poeten verschlungen worden und wahrscheinlich der Versuchung erlegen, erneut in einem Wald Selbstmord zu begehen.
Doch das ist für dich nicht vorgesehen. Dafür bist du nicht geboren. Das weißt du auch, sonst hätten deine Füße heute Morgen nicht die Stufen dieses Palastes betreten.
Deine barfüssigen Schritte haben dich heute Morgen fühlen lassen, dass du das Erbe, den hellen Gesang der Ahnen in jeder deiner Billionen Zellen des Körpers als Dasein erinnerst. In der Melodie dieses Gesangs ist dir die mündliche Überlieferung an die Generationen angetragen.
Das ist dein Vermögen, Johan, dein besitzloser Besitz, das ist es, was du jetzt als goldenen Schatz leuchtend in deinen schwarzen Händen hältst.
Mit deinem Ersuch am königlichen Hofe stellst du dich in den Aufgang deiner Inkarnation. Damit ist dir der achtlose Schleier der Einfältigkeit von den Augen genommen.
Johan van der Loewen, deiner Bitte wird stattgegeben.
Kämmerer, bringe ihn hinein und zeige dem Menschen die Gärten des Palastes.“ J.G:
"Mein König,
erstmals trage ich aus eigenem Verlangen dem königlichen Hof eine Bitte vor.
Der königliche Hof hat nach der Deutung des Orakels ein zweites Mal meiner Bitte entsprochen, mich von all meinen Ämtern zu entbinden. Dafür bin ich dankbar, denn zu dieser Zeit waren meine Bemühungen noch nicht abgeschlossen und das Wort noch nicht gereift.
Nach 20 Jahren im Exil sind meine Studien jetzt abgeschlossen, die Verse geschrieben.
Nach allem was mir an Erkenntnis und Mitgefühl in der Abgeschiedenheit zu Teil wurde, kann ich sagen, dass ich zu dem Entschluss gekommen bin, in der Welt eine tragende, eine öffentliche Rolle zu spielen.
Mein König, ich ersuche hiermit um eine Anstellung am Hofe.
Mein halbes Leben habe ich auf den Meeren und Kontinenten zugebracht, um die Schätze der Welt an Bord meines Schiffes zu nehmen und sie dem königlichen Hof anzutragen.
Dann, nach meinem Abschied aus dem königlichen Dienst, in den kalten, klaren Nächten und an den warmen Sommertagen der Jahre, dem Schreiben der Verse zugewandt, bemerkte ich ein nicht zu stillendes Gefühl der Verlassenheit in den Silben.
Mit dieser Unerfülltheit, des großen Gefühls der Leere in meinen Versen, stehe ich jetzt hier und sage: mein König, das Menschliche in den Schätzen und in den Versen, dieses wärmende Gefühl, die Aufrichtigkeit im Geben und Nehmen, der Friede unter den Menschen, diese Güte will in mir erfüllt sein.
Mein Verlangen nach einer Anstellung bei Hofe ist getragen von dem Wunsch nach Erfüllung dieses Kleinods.
Mein König, wie diese Aufgabe zu erfüllen ist, das wage ich nicht zu sagen. Für einen einzelnen Menschen wäre dies vermessen und unaufrichtig.
Was ich aber in den Bergen über meine Verse gebeugt erfahren habe, ist, dass es mit der Sprache der Einhelligkeit gelingen wird.
Mein König, mit einer Anstellung bei Hofe will ich meinen Teil dazu beitragen. Abgeschieden in der Einöde der Berge löste sich das Wort aus seinem unbewussten Schlaf.
Mein König, das Wort ist Beides.
Wird die Grammatik dieses Wortes nur in Schriftform gedruckt und in Buchstaben gelesen, so bleibt sie wirkungslos für das Flussaufwärts, verbleibt staubtrocken in den Seiten von Archiven, Bibliotheken und treibt seelenlos in den Gehirnen wie ein ruderloses Schiff in den Wellen des Meeres.
Mein König, Beides muss ins Wort kommen, so wie Liebende sich umarmen.
Die Grammatik des Stärkeren und das Vorrecht des Einen oder des Anderen vergiftete Herz und Verstand.
Dieser Besitzstand erwirkte über die Jahrhunderte die sprachrechtliche Teilung und die mentale Verkehrung der Welt
Ertönt das, was bislang als absolut gegensätzlich und unvereinbar gehandelt wird, wird beides in universeller Vielfalt, in kohärentem Schriftzug auf das irdische Notenblatt eingetragen, erklingt erstmals eine Sinfonie, die stimmig in sich ergänzende und aufwärts strebend Harmonien atmet.
Mein König, im Kessel der unvereinbaren Gegensätze treibt die Welt wie ein großes Passagierschiff in eiskalter Nacht in das bereits aufgerissene Maul eines weiteren Krieges.
Während das Schiff unter dem Befehlsstand der geteilten Welt auf die Katastrophe zusteuert, haben Besatzung und Passagiere bereits begonnen sich aus den religiösen und politischen Befehlsformen der Welt zu lösen.
Mit der neuen Sprache, die beides in den Gegensätzen aufhebt, mit der lebendigen Grammatik mündlicher Überlieferung an den Küchentischen und Cafes dieser Welt, wird der ewige Streit der Brüder und Schwestern im Heiligen Land beigelegt werden können. Die Menschen, eingekleidet in den Traditionen der verschiedenen religiösen Parteien, nehmen weise nach und nach davon Abstand zu sagen, dies ist mein Land. Sie werden die römische Rechtsposition ablegen und es als Friedenszeichen empfinden, das ihre Gotteshäuser so nah beieinander stehen, so wie das Licht seit Anbeginn der Welt an beiden Orten gleichzeitig ist und keinen Ort dem anderen bevorzugt.
Eines Tages werden sie sagen, dies ist unsere Land, so wie dies unsere Erde ist.
Ist das Wort „unser Land“ gesprochen, hält der Friede Einzug in das Herz der Welt.
Mein König, ich sehe und fühle das Leiden dieser Welt, ich trage es in seiner Unbewusstheit hinfällig an meinem Körper. Es ist der Schatten auf meiner Seele, der wie ein schwarzes Tuch die Sonne verdeckt.
Um dieses Kreuz aufzuheben, den heraufziehenden Krieg unberührt wie ein Gewitter am Horizont vorüberziehen zu lassen, ist es an der Zeit, dass die Sprache der Einhelligkeit von innen heraus Einzug hält in die Häuser, Plätze und Herzen der Welt.
Mit diesem Wort der Verständigung hebt sich das schwarze Tuch der Teilung der Welt, das seit Jahrtausenden wie ein Leichentuch auf allem Lebendigen und Toten ruht.
Mein König, die Sterne stehen günstig.
Schon in der letzten Dekade vollzog der Homo Sapiens innerlich die Abwendung von den alten Systemen der Kriegsfinanz und der leidvollen Zerstörung von Leben und begann separat vom medial inszenierten Waffengang der Worte im privaten Unterstand mit der Hinwendung zum friedlichen Miteinander. In den letzten Jahrzehnten gab es einen weiteren Schritt nach vorn, den man als inneren Durchbruch, das Betreten eines neuen Kontinents auf der inneren Weltkarte einzeichnen kann.
Ganz und gar unbemerkt von den Reglementierungen staatlicher Verwaltung, abgeschieden von der Arbeits- und Konsumwelt, abseits der hassdurchtränkten Propaganda der fanatisierten Kriegsparteien, erreichte der Homo Sapiens einen privaten Zugang zum inneren Aufgang, zum Sonnenkörper der Welt.
Dies alles geschah unmerklich, still und leise, am Rande der großen Städte und Ereignisse, fernab aller künstlichen Beleuchtung und mechanischen Apparate.
So wie der modernen Physik die masselose Einfahrt in die Wirkungswelt atomaren Teilchen gelang, so wie die Biologie mit einer weiblichen Röntgenbeugung in das Vorzimmer des Zellmechanismus eindrang, so wie die Astronomie mit der Rotverschiebung das Ohr an den Rand des kosmischen Beginns legen konnte, so war auch der Mensch in dieser Zeit des mechanischen Aufbruchs in den inneren Kosmos nicht untätig.
Gewaltsam aufgebrochen von dem Ereignis der Auswirkungen der Kernspaltung sowie entflammt von der inneren Atmosphäre eines strahlenden Kontinents gelang dem Homo Sapiens der naive Schritt auf die rettende Anhöhe, dem nächsten lichten Zweig am Stammbaum der Evolution. So wie gestern, vor hunderttausenden von Jahren der erste Primat von den Riesenbäumen stieg und mit nackten Füßen die weite Ebene des Geistes betrat.
In einer warmblütigen Ausdehnung, die der kalten Ausdehnung der Wissenschaft in die Mikro- und Makrowelt des Universums in nichts nach steht, umrundet der Homo Sapiens heute auf allen Kontinenten im privaten Alleingang die innere Sonne und erkennt den hellen Stern als den ureigenen Anfang, den hellen Beginn im inneren Nichtlokal, dem Lieblingscafe bewusster Atome.
Aufgehoben in diese Erkenntnis wendet das menschliche Antlitz sich nicht nur von dem Besitzstand einer geteilten Welt ab, von seiner selbst zerstörerischen, sprachlichen wie seiner politischen Verwaltung, sondern steigt auch souverän über den ruinösen Ast einer Kriegskaste, deren Wachstumsformel nicht Leben, sondern Geld heißt.
Er wendet sich ab von der politischen und religiösen Aufteilung der Welt in parteiliche Interessen. Er verlässt die Fabriken und die Büros, in denen der verheerende Druck des Kampfes ums Überleben inszeniert, geplant, verwaltet, produziert und verkauft wird. Er wendet sich ab von einer börsennotierten Kriegswirtschaft, die die Kulturen und Völker der Welt in einen weiteren für sie profitablen Vernichtungskrieg treibt.
Aus dieser inneren Einsicht erwächst im Homo Sapiens die zarte Knospe, die Hinwendung zum bewussten Dasein am Stammbaum der Evolution, dem Souverän, zum Menschen, dem Mitschöpfer, der hellen Frucht in allen Lebensformen.
Inmitten der politischen Vormundschaft und religiösem Kuratel eines schwergewichtigen Metabolismus, löst dieser Mensch sich aus der leeren Wachstumsformel des Geldes, windet sich aus dieser gewinnsüchtigen Verpackung, entsteigt diesem sterblichen Kokon und wendet sich mit Herz und Verstand ab, um das Eigene, das wahre Selbst in großer kultureller Vielfalt und in einem friedlichen Miteinander einzulösen.
Autorisiert von dem narrativen Wissen und dem wärmenden Gefühl der inneren Freiheit, selbst den Weg gehen zu können, wendet er sich mit Freude und Verantwortung dem Ideal der kreativen Teilnahme an der Schöpfung zu.
Mein König, damit ist die zweite Kopernikanische Wende abgeschlossen.
Ausführlich ist diese Darlegung in einer Rede nachzulesen, die ich auf Einladung des Club of Rome gehalten habe. Der Akademie lege ich diese Rede mit dem Titel „Creamus ergo sum“ schriftlich vor.
Mein König, die physische Gewinnmitnahme dieser für alle militärischen Geheimdienste unsichtbaren Umrundung war, das Materie und Leben in aufsteigender Reihe bewusst sein wollen, sie schon vor allem und in allem ein strahlendes Ereignis sind.
Mit der Umrundung der inneren Sonne wurde die Einsicht in die Kohärenz von Materie und Bewusstsein unmerklich im mentalen Lebenskörper eingelöst und mit den ersten Atemzügen in der Evolution vollzogen.
Auf dem atmenden Bogen der mentalen Entwicklungsgeschichte können wir einen neuen Frühling des Lebens sehen. Erstmals erweisen sich im Lebenskörper Materie und Bewusstsein als äquivalent, so wie vor 100 Jahren auf den Rechenblättern der Physik Masse und Energie
Mit diesem privaten Aufgang ist der Weg des inneren Friedens und der mündlichen Verständigung der vielfältigen Lebensformen bereits im Entwurf.
Aus diesem Durchgang ergeben sich vielerlei Konsequenzen für die Allgemeinbildung, die die Mitglieder der Akademie nach der Deutung des Orakels bereits dem königlichen Hofe vorgestellt haben.
Die Entwicklung hat nicht allein Ähnlichkeit mit den Vorgängen von vor 200 Millionen Jahren, als die Dinosaurier mit dem Stoffwechsel der Wechselblütigkeit die uneingeschränkte Herrschaft auf dem Planeten stellten.
Auf und um die großen Zehen dieser tierischen Wachstumsriesen kam nächtens ein besonderes Schauspiel zur Aufführung. Kleine Mäuschen tanzten im Schein des Mondes den Tanz der Unabhängigkeit von Temperaturschwankungen. Die Warmblütigkeit war erfunden. Mit dieser Organisation der molekularen Anordnung der Atome, mit dieser warmblütigen Konstante im Austausch der Elemente, bereiteten die kleinen Nager das Entstehen eines mentalen Ereignisfeldes vor.
Mein König, ähnlich der Organisierung der Warmblütigkeit ist auch der vor uns liegende Erkenntnisgewinn nicht mehr aus der Welt zu schaffen, so wie der Landgang eines Fisches, wie die Flügel eines Reptils, wie der Samenflug einer Pflanze und so wie die beobachtende Erkenntnis der vielen Sternengucker, das sich die Erde um die Sonne dreht.
Mitten im eisernen Schlachtenlärm, dem zerstörerischen Verteilungskampf um fossile Ressourcen, wurde still und heimlich an den privaten Universitäten, den kleinen und großen Küchentischen der Welt, eine Wirkung, eine Kraft, eine Energie, eine neue Art zu atmen im sozialen Stoffwechsel des Lebens, im Zusammensein freigesetzt, die bewusster ist als alle politischen Verwaltungssysteme von Masse und Energie.
Bei dieser Kraft handelt es sich um ein supramentales Wirkungsfeld im Zellorganismus. Das Wirkungsfeld vereint beides und bringt jedes in wandelnder Vielfalt bewusster ans Licht.
So wie man Teilchen und Welle nicht mehr voneinander trennen kann, so kann man im globalen Wirkungsfeld sozialer Beziehungen „Ich“ und „Welt“ nicht mehr voneinander trennen.
Aus dieser inneren Lebensphysik entsteht eine aufsteigende, hoch differenzierte Verbundenheit zwischen „Ich“ und „Welt“. Dieses Zusammenspiel scheint der architektonische Grundriss und Basis für die Fortentwicklung von Vielfalt und Individualität zu sein.
Mein König, der große Boxer Muhammad Ali wurde einmal in Harvard von der versammelten Gemeinde der akademischen Elite um ein Poem gebeten. Blitzschnell, so wie er im Ring mit den Fäusten wie eine Biene zustach, so schnellte er zu Verwunderung aller Anwesenden das kürzeste Poem der Welt in die Menge: „Me We“.
Das Auditorium war begeistert. Und das Wort in der Welt.
Mein König, die Gewährung meines Ersuchens um Einstellung und Förderung würde ein Lächeln des Kindes in mir auslösen." J.G:
...ist die erste Substanz eines Unternehmens, so wie Materie handelbar erste Substanz der Entstehung der Welt war. Jedoch sollte man, was den langfristigen Erfolg eines Unternehmens betrifft, unterscheiden zwischen Geld und "ursprünglicher Kraft" eines Unternehmens." J.G:
"alle wissen wohin die Reise geht"
"Mein König,
Verehrte Mitglieder der Akademie,
bevor die mündliche Überlieferung an die Akademie hier vorgetragen sei, gestatten sie mir eine kleine Fußnote.
Vor vielen Jahren habe ich den königlichen Hof um die Enthebung von all meinen Ämtern gebeten. Dieser Bitte hat der Hof entsprochen.
Lassen sie mich hier an dieser Stelle mein damaliges Entlassungsgesuch vortragen.
Mein König
ich bin es leid mit den schweren Zauberbüchern.
Auch mit den beweihräucherten Einweihungen
und Riten, sie hängen mir allesamt zum Halse.
Mit der etwas komplizierten, aber doch interessanten Alchemie komme ich seit dem letzten Stubenbrand ebenfalls nicht recht voran.
Die in der Nachbarschule gelehrten Rufe der Kasteiung und das mit spiritueller Gymnastik erzielte Schweigen will mich nicht mehr ziehen.
Seit dem letzten Herbstmond schmerzt die Brust unter den gequälten Atemübungen, die wöchentlichen Meditationen und Klausuren schaffe ich nur noch mit der Mühe und Anspannung des Geistes.
Mein König,
der Ruhm der Bemühung macht mich schwer und lastet lieblos auf meinem Herzen.
Seit unserem gemeinsamen Bad im grünen See und dem halbnackten Liegen auf der Kuhweide gibt es für mich nichts mehr zu tun.
Mein König,
ich bitte um Entbindung von all meinen Ämtern.
Werte Mitglieder der königlichen Akademie,
Nach meinem Fortgang vom Hof habe ich mich wieder dem Schreiben von Versen zugewandt.
Auf einer Reise in den Süden des Kontinents hatte ich ein Erlebnis, dass das Schreiben von Versen in all den weiteren Jahren beeinflussen sollte.
Verehrte Akademie, dieses Erlebnis soll hier nicht mündlich zur Sprache kommen. Sie liegt dem Hofe schriftlich zur Kenntnisnahme vor.
Auf ausdrücklichen Wunsch sei hier dem Ersuchen des Königs entsprochen, die mündliche Überlieferung aus dem Fischerdorf für die Akademie zu deuten.
Nach der Auslegung der Überlieferung, so das Protokoll, wird das Dekret der königlichen Akademie schriftlich vorgelegt.
Nun, bevor ich beginne, gestatten sie mir noch eine weitere Anmerkung.
In einer Audienz bat ich den König, mich nach diesem heutigen Tag aus all meinen Ämtern zu entlassen. Der König hat abermals meiner Bitte entsprochen.
Hier nun die mündliche Überlieferung:
die wende ist erreicht
die dunkle zeit vorbei
beide sonnen
innen wie außen
sind umrundet
nach drei mal 10.000 jahren
wird alles so sein wie es ist
physisch bewusst
am ersten grünen mond
nach dem setzen der letzten schriftzeichen
zerschlugen die weisen
die tontafeln
mündlich überliefert
sei dem hofe
die signatur der neuen welt
hört
was zu sagen mir erlaubt ist
alles strahlt
die passage ist öffentlich
die apokalyse der achten dekade erfüllt
die ordnungslinien der neunten lauten
alles ist zweifach eins
nimm teil am unteilbaren
so wie es ist
überqueren wir den horizont
Mein König
„Was aber bleibt, stiften die Dichter..."
Friedrich Hölderlin
Verehrte Mitglieder der Akademie,
Mit der neunten Passage verlassen wir die dunkle Landschaft äußerer Natur.
Die Akademien suchen seit langem im kosmischen Ereignis, in der Materie selbst, nach einer Durchfahrt zur inneren, höheren Natur, suchen die Passage zum Ursprung, zur Quelle des Lebens.
Mein König, die Passage in die neue Welt ist entdeckt und wird bereits befahren.
Die Koordinaten liegen dem Hof mit der mündlichen Überlieferung vor.
Verehrte Mitglieder der Akademie,
Der Hafen, von dem aus wir in die neue Welt ablegen können, liegt in uns, im eigenen physischen Körper.
In seiner Präsenz ist dieser Freihafen seit 3 Milliarden Jahren als physischer Zellkörper im Lebensbetrieb und sorgt dafür, dass sich Dasein in einem universellen Zusammenhang aufwärts gerichtet entwickelt, von der Materie über das Leben hin zu einem bewussten Sein.
Die Landungsbrücke, der freie Platz zum Anlanden und Verschiffen hochwertiger Ware, bildet dabei um diesen freien Platz ein Vakuum. Dieses so genannte Vakuum entspricht der Anlegestelle eines Hafens.
Es handelt sich dabei um einen Umschlagplatz, um ein passables Nichtlokal des Lebens, ein strahlendes Ereignisfeld im physischen Zellkörper.
In diesem Ereignisfeld wird Materie seit Äonen bestens informiert und in Leben, das sich selbst erschafft, umgeschlagen.
Mein König,
aus der mündlichen Überlieferung ist ersichtlich, dass in diesem Hafen eine der edelsten Handelswaren und eine der prachtvollsten Kostbarkeiten aus den frühen Anfangsbedingungen dieses Universums anlandet.
Das Gold, das täglich in den Schatzkammern des Körpers verschifft wird, ist lebendiges Gold. Hierbei handelt es sich um eine masselose Handelsware, um bewusste Materie. Ein Unding nach den herkömmlichen Auffassungen der gelehrten Fakultäten.
Mein König,
die Akademien sprechen derzeit von mehreren 100 Billionen Zellen, unzählige Anlegestellen im kosmischen Sternenhafen, aus denen die Schatzkammer nur eines mentalen Körpers zusammengesetzt ist.
Eine astronomische Anzahl von Häfen und Kaianlagen, meine König, in nur einem Lebenskörper.
Sie alle sind jedoch noch von ebenso vielen Zollschranken unbewusster Lebensorganisation, von politischen Landesgrenzen, von religiösen Horizonten, von lichtundurchlässigen Membranen umgeben und bewacht, die den Zugang zum Freihafen und damit zu dem hellen Handelsgut versperren.
Jetzt, da dem Hofe die Koordinaten bekannt sind, ist es der königlichen Akademie möglich die Passage der neunten Dekade öffentlich zu proklamieren.
Mein König, alles strahlt.
Die Ordnungslinien dieser Entdeckung eröffnen den inneren Zugang zur bewussten Materie, der Lebensintelligenz in dem Ereignisfeld des Körpers, einem inneren Durchgang ins Freie, einer Passsage in der Zellmaterie selbst.
Das Zeitalter der Moderne, eines eher kleinwüchsig, zählenden Geistes, dieser rational vermessene Zeitraum ist durchschritten, scheint nunmehr ein Fall für die Geschichte.
Mit den Koordinaten der neunten Passage betritt der Mensch das Zeitalter eines neuen, offenen, selbst zu schöpfenden Ereignisfeldes.
Jede Lebensform wird von Seiten der Akademie ermutigt, befähigt und gefördert, diesen Horizont nach innen selbständig zu überqueren, damit aus innerer Erfahrung, dem unsichtbaren Einleuchten narrativen Wissens, Wirkliches entsteht.
Der gegenwärtigen mentalen Lebensform sei es anempfohlen sich durch das strahlende Ereignisfeld in der Zellmaterie, also im eigenen Körper physisch, „über den Horizont hinaus“, lebendig auszudehnen.
Mein König,
die königliche Akademie erkennt in dieser Passage im Zellkörper die Wechselwirkung zwischen der Evolution des Lebens und dem Strahlungshintergrund des Kosmos und nimmt damit die Anzeichen einer physisch bewussten Ausdehnung des Universums in die Forschung auf.
Das akademische Theorem in der Thermodynamik, als einer nur physischen Ausdehnung des Weltalls, ist damit in die Wissenschaftsgeschichte einzuordnen.
So wie es dem Menschen vor Jahrhunderten gelang über den äußeren Rand der Welt hinaus zu segeln, so wird es dem Menschen in diesem Jahrhundert gelingen, über den inneren Horizont hinaus die Welt bewusster Materie zu betreten.
Aus den Legenden alter, narrativer Kulturen, mündlich überliefert von Nomaden, Sternendeutern, Sängern und Handwerkern, ist das helle Ereignis im Körper schon vor allem und seit Urzeiten bekannt.
Seit Jahrmillionen bringt sich diese Legende im mentalen Gedächtnis über die innere Rhythmik des überlieferten Wortes in der Zellmaterie in Re-Position, einer Art strahlendem Erinnerungsvermögen der Materie an den eigenen Ursprung. An die Reihen der hier versammelten Mitglieder der königlichen Akademien ist zu richten, dass in dieser Position der Einfallwinkel nicht gleich Ausfallwinkel ist, die Bewusstheit geht über die reine Widerspiegelung, schreitet über das Identische hinaus.
Ohne dieses Erinnerungsvermögen, ohne diese übernatürliche Re-Position in der Materie selbst, wäre das Wunder, aus einem inneren Zusammenhang heraus die Stufen der Weltentreppe Schritt für Schritt zu höherem Leben aufzusteigen, nicht möglich.
Mein König,
In der Evolution der Arten deutet die Denkkultur des Homo Sapiens dieses helle Ereignisfeld als rein physische Ausdehnung.
Diese mentale Verfassung markiert die intellektuelle Grablegung, das Ende des Denkprimaten, jedoch nicht den bewussten Aufgang des Lebens.
Wie das einfache Moos mit dem Holzbaustoff Lignin, so kann auch der Homo Sapiens mit der Entdeckung eines bewussten Seins, diesem erhellend fluiden Baustoff des Lebens, noch nichts wirklich Sinngebendes beginnen..
Auf den Marktplätzen und Umschlagsplätzen, in den Welthandelszentren und Börsen verlangt die kalte Architektur des rationalen Maßes, dass der Homo Sapiens das Siegel des inneren Zusammenhangs zum Gewinn des materiellen Reichtums in den Lebensgütern negiert.
Seit Jahrtausenden vergibt sich der Denkprimat mit diesem blinden Akt der materiellen Entwertung den Aufgang in eine höhere Form des Zusammenseins. Materie, die in dieser Denkweise von ihrem Lebensgeist entwertet und ausschließlich nur noch als materielle Münze gehandelt wird, richtet sich letztlich gegen das Leben selbst.
In dieser endlichen Dimension befangen, bar jeder geistigen Ausdehnung nach unten wie nach oben, wird die Spezies des Homo Sapiens scharf bewacht in der Ordnung einer im rationalen Maß geteilten Welt.
Wie ein Esel in der Manege wird der in seinem Körper geistig und seelisch erwachende Mensch mit materiellen Trägheitssätzen beschwert, einer sterblichen Gewohnheit, in der die aufflammende helle Passage im Lebenskörper mit Arbeit und Konsum kolonialisiert und versklavt und von der dahinwelkenden Ideologie des Denkprimaten als unwirklich und demnach wissenschaftlich und gesetzlich nicht dem Leben nützlich erklärt wird.
Werte Mitglieder der Akademie, erst die nachfolgenden Generationen der Farngewächse konnten den Baustoff Lignin verwenden, um Pflanzen über den Transport von Wasser in holzfaserigen Röhren in die Höhe wachsen zu lassen.
In einer ähnlichen Bedrängnis steckt derzeit die Spezies, der ich selbst angehöre.
Auch die mental begabte Spezies des Homo Sapiens soll offensichtlich aus einer Erfahrung von hunderten von Millionen Jahren Evolution lernen mit der Entdeckung des lichten Baustoffs Bewusstsein in die Höhe zu bauen.
Dass die Evolution eine Richtung vorweisen kann, die Aufrichtungsbewegung die inneren Zusammenhänge für alle Teilnehmer und Beobachter zugänglich macht, zeigen die in den Himmel ragenden Stahl- und Betonschluchten der Großstädte der Welt, die im unbewussten Schatten ihrer Silhouette das Lichtspiel des Kommenden verbergen.
In einer beispiellosen Beschleunigung, mit einer irrwitzigen Geschwindigkeit schwillt derzeit die mentale Denkart zu hohlen Wachstumsformel an, baut derzeit spiegelblind, jedoch im Bewusstsein noch zwergenhaft in die Höhe.
Trotz aller mathematischen Wagenrennen und architektonischen Wunderwerke erkennt die Spezies sich selbst in diesem erblindeten Spiegel zu ihrem eigenen Leidwesen nicht. Sie mauert sich unbeirrt mit dem ignoranten Irrsinn eines sich ständig vermessenden, sterblich operierenden Verstandes ein. In diesem blindenwütigen Werk der hohlen Bauform erkennt die Spezies nicht die alchemistische Formel des inneren Zusammenhangs, erkennt nicht den leichten Weg des frei zu seinem Ursprung strömenden Gewässers.
Seit vielen Zivilisationen stehen kriegerische und monetäre Systeme des Homo Sapiens an der Spitze der Völker, bedrängen und zerstören mit eiserner Überlebensmechanik des Stärkeren den lichten Fall des Lebens.
In einem zum Irrsinn hin verzerrten Spiegelbild feiert das materiell stumpfsinnige Diktat des Geldes seinen Triumphzug in einer in religiösen und politischen Gegensätzen gefangen gehaltenen Welt ruinösen Profits.
Dieses finanzielle Sinnbild von Leben, verliert jedoch in den Lebensgemeinschaften der Völker nach und nach seine erlösende Anziehungskraft, so wie das alte Weltbild der Drehung der Sonne um die Erde eines schönen Tages seine Anziehungskraft verlor.
Mein König, die Magnetfelder der Erde verschieben sich.
Trotz nationaler Propaganda, ideologischer Verführung in religiöse Gegensätzlichkeiten des Glaubens, trotz der medialen Verblendung der Freiheit in der Hand von Monopolen und Diktaturen, trotz krimineller Irreführungen einer profitablen Terroristenjagd, eines wahnwitzigen Siegeszuges Freiheitsraubender Gottesstaaten, trotz einer lebenslangen Gefangennahme in Arbeit und Konsum, trotz all der Macht, mit der diese Währung militärisch, geheimdienstlich wie wirtschaftlich regiert, trotz der Verführung, der Angst und des Leids, die diese Währung verbreitet, deren einzige maßlose Wachstumsformel Geld ist, geht von dieser Münze für das Leben außer Krieg, Gewalt und Profit keine Vision mehr aus.
Die wissenschaftlichen Theorien, religiösen Gebote, staatlichen Verordnungen, die ihren gesetzlichen Anteil an der von ihrer inneren Passage entwerteten Lebensmaterie haben, bieten dem Menschen keine Freiheit, keinen Schutz, keine Identität, keine wirtschaftliche Prosperität und keinen Frieden mehr.
Werte Akademie, in dem Niedergang der alten Währung, in der Geld als die einzige und erste Substanz einer Wirtschaft gilt, lässt sich bereits die Hinwendung zu einer Wirtschaft erkennen, in der Kreativität, der Schöpfungswille als ursprüngliche Kraft im Zusammenleben der vielfältigen Lebensformen erkannt wird.
Mein König, an dieser Stelle bin ich aufgefordert, die Akademie zu fragen, was ist Loyalität?
Ich antworte in meiner Sprache.
Vorbei an dem Alphabet der geteilten Welt sich zu erinnern an das Ursprüngliche, an die inneren Zusammenhänge des Lebens, an die helle Passage in allem, die tiefer verborgt ist, die weiter und höher hinaufreicht als das schriftliche Gedächtnis der Zivilisationen. Diese inneren Zusammenhänge sind ihrem Ursprung treu ergeben, sie sind loyal. Und alle Lebensformen, mögen sie klein sein wie eine Bakterie, groß sein wie eine Galaxie, spielend wie ein Kind, oder singend wie ein Vogel, alle tragen diese Loyalität als offenes Geheimnis leuchtend wie ein Stern im eigenen Leib.
Über die Äonen der Erdgeschichte wie über die Epochen der Historie hinweg zeichnen sie den Ursprung in der Vielfalt den Lebensformen als Gegenwart auf.
Diesem Lichtsatz verpflichtet zeigt sich Leben dem Ganzen verantwortlich, so wie ein Baum aus einem Kern heraus wächst, sich nach unten ädernd verzweigt und nach oben hin aufblätternd ins Licht wendet.
Mein König, seit Urzeiten wird das Ereignis des Lebens mündlich überliefert, so wie das Drehen der Sternenstädte , so wie Blitze aus gelblila Wolken donnern, so wie die großen Wasser die Erde überfluten, so wie die Schnecke über das Gehölz kriecht, so wie die Lerche ihr Lied am Himmel singt, so wie das Kind mit einem Stock im Sand spielt. Das ist das leuchtende Alphabet, dass Lichtspiel des Lebens, welches sichtbar verborgen strahlend in allem absichtslos wirkt.
Wendet sich der Fortgang der Evolution bewusst diesem inneren Alphabet zu, dann werden tiefere Tiefen des Wissens, höhere soziale Formen des Lebens und eine wirtschaftlich ungeahnte Prosperität dazu beitragen, dass der Mensch sich Kraft seiner Kreativität ablöst von der dunklen Epoche einer geteilten Welt.
Mein König,
Am Baum der Erkenntnis zeigen sich bereits neue, junge Knospen.
Der junge Trieb am Baum der Evolution will dieses zur Frucht tragen, das ist schon jetzt in den öffentlichen Straßen und privaten Wegen des Lebens zu erkennen.
Im Garten des Palastes, mein König, findet ein Stein mit einer Inschrift seinen Platz: Nimm teil am Unteilbaren. Schöpfe Mensch.
Erwacht in seiner inneren Hoheit und still ermächtigt in diesem Impuls ist der einfache Mensch aufgerufen Lebensmaterie in ihrer bewussten Ausdehnung als helles Ereignis im Körper passieren zu lassen und diese Passage als tragendes Motiv friedvoll und kreativ im Miteinander als bewusste Währung ins Dasein einzuzahlen.
Die königliche Akademie empfiehlt daher eine neue Lernarchitektur in den öffentlichen Bildungseinrichtungen, die den einfachen Menschen in seiner Absicht unterstützt mit seiner inneren Begabungsverantwortung als Mitschöpfer auf den Plan der Evolution zu treten.
Ein erster wegweisender, organisatorischer Schritt, so empfiehlt es die königliche Akademie in dieser Stunde, ist eine Halbierung der Klassen in den allgemeinen Bildungseinrichtungen vorzunehmen.
Die königliche Akademie ist mit dem Dekret des Hofes angehalten, diesen Prozess allgemein und im Besonderen zu fördern.
„Licht aus dem eigenen Garten.“ J. G.
Mein König,
verehrte Mitglieder der Akademie
Bei dem kostbaren Gut, das in unserem Körper tagtäglich umgeschlagen wird, das unsere Lebensmaterie passiert, handelt es sich dem ersten Anschein nach um ein rein physisches Ereignis.
Diese Sicht der Dinge ist historisch wahr und ein fester Baustein in der Erkenntnis über das Wesen und die zyklischen Gerichtetheit der Evolution. Jedoch gehört sie ab heute offiziell in das Archiv der Geschichte.
Es handelt sich um ein Ereignis aus den frühen Anfangsbedingungen des Universums, eine radioaktiv verschlüsselte Botschaft, eine physikalische Information, eine strahlende, inwendige Begabung des kosmischen Geschehens, ein im Grunde belebendes Ereignis, das wir in unserer Kultur ganz allgemein in seiner ausgedehnten Verteilung mit dem Namen Materie beschriftet haben.
"die ununterbrochene Nachricht,
die aus der Stille sich bildet."
Rilke
Mein König,
dieses kosmische Ereignis, dessen lebendiger Ertrag und bewusster Übergang wir sind, dieses Ereignis beschrifteten die Schulen des Landes seit Jahrhunderten an der äußeren Seite mit der Zahl „Zwei“. Diese Ereigniszahl trägt physisch den Namen der sichtbaren Verteilung des Ereignisses im Kosmos: Materie.
Mit den überlieferten Koordinaten erkennt die Akademie des königlichen Hofes das kosmische Ereignis als eine stufenweise, aufwärtsgerichtete, bewusste Einheit in einer physikalischen Vielfalt.
Mit diesen Koordinaten erhält der einfache Mensch einen täglich begehbaren lokalen Zugang zum kosmischen Ereignis auf der Innenseite seiner eigenen Lebensmaterie, der Passage im Zellkörper.
Dieser Körper, mein König, ist ein offenes Buch, nach oben weit, nach unten hell erleuchtet.
Von der Innenseite ist dieses ultraleichte Buch mit wunderschön, strahlend hellen Zeichen beschriftet, die die Sänger, Nomaden, Handwerker und Sternendeuter seit Hunderttausenden von Jahren, seit acht Erden, als Poesie in den Fortgang der Welt eintragen.
Durch die poetische Aufdeckung des schwarzen Todesurteils auf der Zellmembran, der epidemischen Tradierung des Lebens als einer unumgänglichen Grablegung, gelangt der einfache Mensch „ins Freie“, wie mein guter Gefährte aus Weimar in seinen geologischen Lichtstudien nicht müde wurde mir ans Herz zu legen.
Diese Innenseite der Lebensmaterie, so die mündlichen Überlieferungen der Freibeuter, ist nicht mit mathematischen Ziffern oder monotheistisch mit kryptischen Zeichen angeschwärzt und verstellt beschriftet, sondern sie ist zweifach EINS.
Physikalisch strahlt der Lichtwert der kosmischen Handelsware, nach Erkenntnissen der königlichen Akademie, schwach, supraschwach, strahlt radioaktiv.
„Die Sonne, die in der Finsternis weilt“
Rig Veda III.39.5
Psychologisch, so die Überlieferung, ist diese Handelsware in der ursprünglichen Tiefe ihrer Lebensphysik jedoch schon vor allem bewusst.
In der Rhythmik und in dem Klang des poetischen Wortes mündlicher Überlieferung erhebt diese freie Handelsware den denkenden Homo Sapiens auf die lichte Ebene eines bewussten Menschen, auf der er sich in der Klarheit eines schöpferischen Willens endlich im Unendlichen werden und erfüllt sieht.
Mein König,
Bewusstsein hat einen Körper, einen strahlenden Körper.
„Über die Integration der psychischen Dimension von Radioaktivität
in das zellulare Betriebssystem des Alltags,
gelingt der helle Durchstieg von der Materie
über das biologische Leben hin zu einem bewussten Sein.“
Johan van der Loewen
Die Passage in der unbewussten Lebensorganisation erfolgte bislang in Unkenntnis über die evolutionäre Bedeutung des mentalen Wirkungsgrades der supraschwachen Strahlung im Zellorganismus.
Privat wie öffentlich gab es bislang keine mathematische Gleichungsbrücke, die eine lebendige Passage, eine Kommunikation in den Strahlungswerten des Ursprungs, eine Passage zwischen Materie und Bewusstsein, möglich machte.
Diese Brücke ist nun in der kosmischen Einstrahlung, ihrem psychisch-mentalen Wirkungsgrad in der gesamten Lebensmaterie gefunden und in ihrem Bedeutungszusammenhang für den weiteren Fortgang der Evolution erkannt.
Dieser Wirkungsgrad ist durch die mechanische Elektrifizierung des Lebens in den letzten 200 Jahren der achten Dekade mit ausgelöst und gleichsam rasant beschleunigt worden.
Der einfache Mensch wendet sich im ersten jungen Trieb am Baum der Erkenntnis bereits innerlich von diesem unbewussten Vorgang der mechanischen Elektrifizierung der Materie ab und kehrt sich dem bewussten Geschehen im Inneren, seinem ureigenen 100 Billionenfachen mentalen Lichtsatz, seiner eignen Sonne im physischen Zellkörpers zu.
Dies Quantum Poesis ist bereits im surpaphysischen Bildungsprozess der Atome und in einem übernatürlichen Stoffwechsel der Molekülketten, in einer neuen Art von Homöostase, historisch ausgelöst und wirksam.
Dieses Quantum bildet die mathematische Gleichungsbrücke, hebt die Trennung zwischen Himmel und Erde im Kopf meiner eigenen Spezies auf und vereinigt auf dieser Brücke Bewusstsein und Materie.
Über diese Gleichungsbrücke atmet das kosmische Ereignis im Menschen strahlend seinen sinnvollen, bewussten Zusammenhang.
Über diese Brücke kann nun die Passage in eine neue, friedliche Welt erfolgen.
„Jene treibt mit ihrem Kommen das Leben hinauf.“
die Veden
Die königliche Akademie erkennt in der Überlieferung das aufwärtsgerichtete, vielfältige Streben des Lebens nach bewusstem Sein und ist demzufolge in ihrer Verantwortung um das Wohl der Souveränität des Mitschöpfers, des einfachen Menschen, angehalten, die Passage für die Allgemeinbildung öffentlich freizugeben.
Die geschlossenen Systeme der Verwaltungen des Wissens und des Glaubens, die elenden Prachtbauten der Einfältigkeit, werden damit ebenfalls den Weg in die Museen der Geschichte antreten.
Hebt der einfache Mensch den Blick, richtet ihn auf den inneren Horizont, so gibt er die Passage des lichten Ganges im Körper frei, zu einer nach innen hin offenen, kreativen Epoche des Menschen.
Erlauben sie mir, mein König, ich hörte die Prinzessin sei verliebt. Die Sternendeuter sagen, es sei eine gute Zeit um Hochzeit zu feiern. Zum nächsten grünen Mond erwarten sie einen neuen Stern am Himmel.
Mein König,
der Frühling der neunten Dekade ist bereits durch die Palastfenster zu sehen.
Die königliche Akademie empfiehlt daher die Übertragung der Grabeskultur des Homo Sapiens Sapiens in die museale Anschauung der Evolution der Arten.
Nach diesem inneren Befreiungsakt drängt der mechanisch beschleunigte Puls der jüngsten Gegenwart der achten Dekade.
Das individuelle wie öffentliche Leben wird somit in der neunten Dekade nicht mehr von einem unbewussten Instrumentarium mechanisierter Lebensgewohnheiten genötigt diese Aufgabe mit Gewalt, Krieg und Tod einzulösen.
Mein König,
Materie verhält sich in ihren Teilen immer als Ganzes. Besonders dort, wo es offensichtlich keine Teile mehr gibt und sich ein masseloser, strahlender Durchgang auftut in den noch unbekannten Kontinent eines großen Ereignisfeldes.
Der noch unbekannte Kontinent, das, was die Akademien der Länder dieser Erde als „dunkle Materie“ bezeichnen, ist ein heller Vorschein der neunten Dekade, die bereits durchscheinend weißrosa Blüte der Knospe am Baum der Erkenntnis.
Das wundersame Verhalten der Materie in dem strahlenden Bett der hellen Sterne und dunklen Massen notieren die Akademien gemeinhin als kohärente Information. Die Sänger besingen es als Schönheit. Die Nomaden bereisen sie als Passage. Die Sternendeuter künden von ihr als weissagende Erscheinung am Himmel. Die Philosophen beschreiben es als das Selbst. Die Dichter nennen es seit Jahrtausenden das, was schafft, „poesis“. Die einfachen Menschen bewahren diese wundersame Art in wie auswendig als Liebe.
Mein König,
In den Liedern der Indianer und in all den anderen verwandten poetischen Kulturen der Erde finden wir seit Jahrtausenden den Glanz und die Sanftmut dieser liebenden Passage.
Eine ganz und gar ursprüngliche, zartbeflügelte Umarmung, so der Vers der mündlichen Überlieferung, dieses „alles ist zweifach eins“.
Eine „unsterbliche Geste“, mein König, die sich strahlend in „all das“, was uns umgibt, was wir sind und was wir noch werden, als Ganzes mitteilt.
In all den datenlosen Abenteuern, in all den smaragdgrünen Versen und auf all den anmutigen Pfaden und Wegen sucht Leben in sich selbst nach diesem Lichtsatz.
Mein König,
in unserem Nichtlokal, in dem unendlichen Ereignisfeld unserer Lebensmaterie, haben wir nun einen lokalen Durchgang zu dieser „unsterblichen Geste“.
Die bislang unentscheidbare Frage „was ist der Ursprung des Lebens“ verwandelt sich in dieser liebenden Umarmung in eine entscheidbare, vielfältig zu kommunizierende Frage im Alltag des Geschehens.
Das diese Frage jetzt öffentlich wie privat in einen offenen Dialog mündet, also schiffbar wird, hat eine tief greifende Wirkung auf das soziale Leben der Menschen. Das Miteinander, das Zusammensein der Menschen wird unter diesem klaren Blick auf den inneren Horizont in Zukunft bewusster und friedlicher gestaltet werden können.
Eine Wahrnehmung, die sich durch alle materielle Teilung hindurch strahlend in uns als wirklich und lebendig begehbar präsentiert.
Mein König,
die königliche Akademie erkennt in diesem Vorgang das Wirken einer Medialkonstante.
In der Erkenntnis und Nutzung dieser Konstante erhält der einfache Mensch im Homos Sapiens den freien Zutritt in einen öffentlichen Garten der Lebenszusammenhänge. Das Billet zum Betreten des Parks löst er in sich selbst, in dem kreativen Freiheitsrecht, das sich in der neunten Dekade bewusster in höheren Lebensformen organisiert und sozial weiterentwickelt.
Der einfache Mensch macht von diesem Freiheitsrecht bereits abseits der großen Straßen innerlich vielfältigst Gebrauch.
Dieses ist das große Anrecht der Kreatur, das uns alle hell belebt, bekannt in den bürgerlichen Verfassungen als Freiheit oder „göttliches Recht“, so wie es Thomas Münzer bereits vor Jahrhunderten am Baum der Erkenntnis einklagte.
Dieses übernatürliche Rechtswesen gehört nicht nur zur physischen Grundausstattung der Lebensmaterie, sondern erweckt darüber hinaus in uns die Würde von Bewusstsein und Liebe, zwei Perlen lebendiger Poesie.
Mein König,
es ist ein kreatives Verlangen des Daseins, ein auf den einfachen Menschen übertragenes Grundrecht, diese Ausstrahlung souverän aus sich selbst heraus zu schöpfen.
In der Passage der neunten Dekade ist es das kreative Anrecht des Lebens, sich aus dieser Einheit bewusst als mitschöpfendes Wesen privat wie öffentlich zu präsentieren.
Mein König,
Der mündlichen Überlieferung zufolge ist es angeraten, dass wir uns über uns selbst beugen, staunend, so wie ein Astronaut über die Erde, wie Eltern über die Wiege des Kindes, wie ein Physiker über den Lichtsatz der Materie oder wie ein Kind über eine rollende Murmel.
Werte Akademie,
an dieser Stelle soll kein Schlusswort stehen, sondern eine Einladung zu einem freudigen Ereignis.
Das Ereignis ist eine Hochzeit.
Im Namen des Paares sei es mir erlaubt, dem Fischer und seiner Frau, dem gesamten Fischerdorf sowie der gesamten königlichen Akademie eine Einladung zu diesem Fest auszusprechen.
Mein König,
die Hochzeit von Romy Schneider und Gregor Samsa ist im kommenden Sommer zu feiern.
Die Musik zu diesem Fest komponiert in diesen Tagen Victor Jara. Friedrich Hölderlin versprach, als er von diesem Ereignis hörte, zu diesem festlichen Anlass seinen Turm zu verlassen.
Im Protokoll ist auch der Name von Saraswati vermerkt, von der man sagt, sie wohne am großen Fluss. Eines soll hier noch beiläufig Erwähnung finden, man munkelt, Arthur Rimbaud käme, da das Kommen der Königin von Saba angekündigt sei.
Auf dem Deckblatt der Einladung zur Hochzeit steht geschrieben:
„die evolution der primaten
wird einen höflichen knicks im stammbaum machen
und bei der premiere wie von sinnen
strahlend nach vorne zur bühne stürzen“ J. G: