Dienstag, 15. Januar 2008

keine messungen mehr...

... mein kohleherz

„schon in der früh verschlägt ein groschenroman
mein gesicht
auf der nächsten seite
stopft mir im kohlenkeller wahrheit
meine stinkenden socken in die hosentaschen

ohne requisite an den füßen flitze ich ins
erdgeschoss, zeichne einen ganzen bogen aus der
zeit und komme ohne das licht ausgewaschener farben
als mächtige kohlegrafik schräg vor dem
blinden spiegel zum stillstand

ich überlebe den anschlag und springe ohne
herzschlag mit halber drehung auf´s bett und
liebkose meine rose auf meinem kissen

im erdgeschoss riecht es nach schokolade, mutter und physik
ohne visum erhalte ich die aufführungsrechte und
komme an der seite eines geknickten pappbechers
über das wohlgeordnete doppelbett ins lachen

keine duelle mehr in der pracht der nacht
im dröhnenden dunst der werksbusse zedert
pünktlich das spiel des kontrabass

mit nackten fußsohlen
die ersten stufen
im 1. stock des bürohauses
ist das minenfeld geräumt
hasen können jetzt neben dem fußabtreter
ein heimat finden

am küchentisch schneide ich mein übergewicht in
kleine mundgerechte happen, falte sie in
geschenkpapier und packe sie mit lendem tanz in
einen großen karton richtung schwarzer hunger

hintenherum über die feuerleiter in die nächste etage
applaus auf dem hinterhof

klatschnaß steige ich durch ein seitenfenster in ein
unbeleuchtetes schlafzimmer
hier bewachen paradiesvögel an großen breiten flüssen
echte liebe in würfelbechern

im conferenzraum sehe ich auf dem fußboden
neben dem flachen steintisch unbegehrten
silberschmuck. an der wand hängen, in 32 glasvitrinen
einzeln ausgegstellt, blanke viertelstunden

ohne anfang und steighaken, die treppe weiter hinauf
der 3. stock
endlich schräg den himmel hinab
im 3. stoch ist 4 = 3
auf dem rechenbogen ruht der schimmer
von morgen und seit sonnenaufgang der lautsprecher
im schoß der sekretärin

eine neue seite im groschenroman
kein messbarer abstand mehr
ich schreite ab und sage 8
8 schritte von unten nach oben
7 schritte von oben nach unten

es ist noch vor dienstbeginn
und ich sinke auf die knie
einen kinderschuh über dem horizont küsse
ich den heiligen hügel
lege mein schwarzverschmiertes ohr in ihren schoß und
höre
ja, ich höre wie das alte glas in mir zerspringt
oh was für ein glanz auf dir, mein kohleherz“
© J.G:

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